[Buch] Mein Schottland

The lyres of time sang softly, I cared not how I fared, For free with the strenght of ignorance, How could I have been impaired?

My armour bright and virile
Entombed a passionate heart, That nurtured dreams of fire, But to where, to where to start

(Sean Connery, 1951)

 

Da lächelte mich dieses Buchcover in der Bibliothek an und ich griff zu. Unter dem Titel „Mein Schottland, mein Leben“ (in Englisch simpel und passender: „Being a Scot“) stellte ich mir eine Connery Biographie vor, die vor allem auf sein Leben in Schottland fokusiert.

So beginnt das Buch auch, mit einem Blick in Sean Connerys Edinburgh, wo er im Stadtteil Fountainbridge unter ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Kleine Anekdoten aus seiner Zeit als Milchlieferjunge runden das ganze ab. Nun erwartete ich eigentlich den weiteren Werdegang Connerys, aber dann bot sich etwas vollkommen anderes: eine kleine persönliche Tour durch die schottische Geschichte, wie sie ein einfacher Tourist wohl eher weniger erlebt. Neben den typischen schottischen Nationalepen um Bonnie Prince Charlie, Macbeth (jetzt wird laut schottischer Tradition ein Unglück über mich hereinbrechen, da man das M-Wort nicht ausspricht!) und Rob Roy, bietet das Buch vor allem einen Einblick in die unbekannte Geschichte Schottlands: von Erfindungen über Kunst zu Architektur.

Zwar hat jedes Kapitel sein eigenes Thema (zb. „Schottland: Mythos und Wirklichkeit“ oder „Nehmen wir’s mit Humor“), allerdings kommt es dem Leser stellenweise so vor, als ob man Sean Connery vor sich sitzen hat, der einfach mal drauf los redet, wie ein Märchenonkel. Vieles wird auch mit gewohnten Connery-Biss kommentiert und sein Stolz Schotte zu sein kommt ebenso deutlich hervor.

Desweiteren dürfen wir erfahren, dass die Schotten eigentlich alles erfunden haben (zum Beispiel Elefantenpolo) und alle wichtigen Wörter aus dem Gälischen stammen. Natürlich wird das immer mit einem literarischem Augenzwinkern behauptet.

Der Text ist mit vielen ansehlichen Bildern (ua.Sean Connerys Aktfotos) versehen, die Kapitel sind interessant gestaltet mit kleinen literarischen Appetitmachern, nur die Fülle der Informationen ist manchmal erschlagend. So ist aber das Buch eine ideales Schottlandlexikon der etwas anderen Art, zum zwischendurch schmökern oder wenn man sich für den nächsten Edinburgh-Besuch vorbereiten will.

Ich habe das Buch auf deutsch gelesen, jedoch präsentiert es zahlreiche Zitete im Original mit einer Übersetzung in der Fußnote. Grobe Übersetzungsschnitzer sind mir nicht aufgefallen.

Fazit: Sean Connery (und Murray Grigor) zeigen hier wirklich ein anderes Schottland, oft auch selbstkritisch und mit Biss, immer mit Witz und einer gewaltigen Portion Nationalstolz. Nach der Lektüre dieses Buches bin ich doch tatsächlich noch mehr Schottlandfan als vorher!