[Buch] Alcatraz und die dunkle Bibliothek

AlcatrazEinige Leute sind der Meinung, wir Autoren schreiben Bücher, weil wir eine unglaublich lebendige Fantasie haben und unsere Visionen mit anderen teilen wollen. Andere gehen davon aus, dass Autoren schreiben, weil wir alle diese Geschichten in uns tragen und sie in Schüben kreativer Proponditität aufschreiben müssen, weil wir sonst platzen würden.
Beide Theorien sind vollkommen falsch. Autoren schreiben nur aus einem einzigen Grund Bücher: Wir lieben es, andere zu foltern.

Eigentlich befand sich ein anderer Titel dieses Autors auf meiner Liste, die ich in die Bücherei mitnehmen wollte. Das Buch befand sich auf meiner Amazon Wunschliste und war da draufgekommen, weil einer meiner Lieblingsautoren dadrüber gebloggt hatte.
Allerdings vergass ich die Liste.

Der Name des Autoren fiel mir beim Stöbern dann auf, allerdings war es das „falsche“ Buch, welches ich schließlich mitnahm. War auch egal, les ich halt erst einen anderen Titel. Auch wenn „Alcatraz und die dunkle Bibliothek“ irgendwie nach Harry Potter (dislike) klingt. Noch dazu ist Alcatraz ein 13-jähriges Pflegekind, welches von Pflegeeltern zu Pflegeeltern geschickt wird. Sehr Traurig. Wieso das ganze? Er hat ein Talent Dinge zu zerbrechen.

Zu seinem 13.Geburtstag erreicht ihn ein Päckchen seiner Eltern. Welches Sand erhält. Passenderweise steht einige Stunden später ein alter wirrer Mann vor seiner Tür und behauptet, dieser Sand verhilft im Kampf gegen die Bibliothekare.

Alles übrigens aus der Ich-Perspektive des Jungen geschildert, coming of age Stil.

Ürgs, dachte ich mir zuerst. Das war gestern. Soeben habe ich das Buch (300 Seiten in größerer Schrift) durchgelesen. Und bin begeistert! Bei der Geschichte habe ich mir zeitweise gedacht, dass es ja so neu auch nicht ist, nur in einer anderen Verpackung. Ahnungsloser armer Junge gerät in Fantasiewelt, wird zum Helden, und so weiter. Allerdings ist es wirklich wunderbar witzig, wie Brad Sanderson die Geschichte präsentiert. Einen kleinen Ausschnitt habt ihr ja schon oben lesen dürfen, am Ende dieses Artikels könnt ihr den Rest lesen und habt einen erste Eindruck gewonnen, was das Buch neben einer Geschichte noch zu bieten hat.

Alcatraz und die dunkle Bibliothek ist der erste Teil einer vierteiligen Reihe, von der allerdings die letzten beide Bände auf Deutsch (zumindest laut Amazon) noch nicht verfügbar sind. Ich fand es herrlich schräg, auch wenn es erst ungewohnt ist, dass man mehr vom Ich-Erzähler erzählt bekommt anstatt nur der Geschichte dröge folgt. Vielleicht mögen sich auch einige an den ständigen Erzählpausen stören, ich jedoch nicht. Das Buch behandelt nicht nur die Geschichte über einen Jungen, der gegen Bibliothekare kämpft, sondern auch die Irrungen und Wirrungen des Autoren-dasseins. Ein schöner Pseudodialog zwischen Autor und Leser wird geschaffen.

Für alle, die gegen ein schräges Fantasybuch nichts einzuwenden haben, welches gewitzt mit den typischen Erzählkonventionen spielt, ist es absolut empfehlenswert. Für Leute, die den Humor des Autors nicht teilen, wirds wohl ein quälender Müßiggang, da die Geschichte allein nicht so aussergewöhnlich ist.

Natürlich wird die Folter im herkömmlichen Sinne in der zivilisierten Gesellschaft von heute aufs Schärfste verurteilt. Doch glücklicherweise hat die Gemeinschaft der Autoren durch das Geschichtenerzählen ein sogar noch mächtigeres – und befriedigenderes – Werkzeug gefunden, um anderen Schmerzen zuzufügen. Wir schreiben Geschichten und bedienen uns damit einer vollkommen legalen Methode, mit der wir unseren Lesern alle nur erdenklichen grauenhaften und sadistischen Dinge antun können. Nehmt zum Beispiel das Wort, das ich soeben gebraucht habe, Proponditität. Dieses Wort gibt es nicht – ich habe es mir ausgedacht. Warum? Weil ich es lustig finde, mir vorzustellen, wie Tausende von Lesern in ihren Lexika nach einem Wort suchen, das absolut keinen Sinn ergibt.

Reingefallen? 😉