[Buch] Slaughterhouse Five

Autor: Kurt Vonnegut (1922 – 2007)

Vollständiger Titel: Slaughterhouse-Five, or The Children’s Crusade: A Duty-Dance with Death

: 1969, USA

Genre: Kriegsliteratur, Tragikkomödie, Philosophie, Sci-Fi

Zielpublikum: Leser, die gerne mal eine andere Geschichte aus dem 2.Weltkrieg kennenlernen wollen.

Dieses Buch lese ich nun mittlerweile zum dritten Mal. Es zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern im Bereich der Non-Fantasy.

Kriegsliteratur ist etwas interessantes. Meistens kennt man sie kaum (wie beispielsweise die Sonnette einiger Krieger aus dem Great War/1.Weltkrieg), oftmals kennt man sie nur anhand der Verfilmungen: Michael Herrs „Dispatches“ wurde für Full Metal Jacket und Apokalypse Now genutzt, Joseph Conrads „Heart of Darkness“ ist Grundlage von Apokalypse Now. Zu der Leseliste eines Amerikanistik-Studentin kann dann schließlich auch „Slaughterhouse Five“ gehören. Dazu gibt es auch einen Film, das Buch selbst ist an „A Pilgrim’s Progress“ von John Bunyan angelehnt. (Habe ich sogar selbst herausgefunden). Bunyan schrieb damals eine christliche Allegorie, Vonnegut schreibt hier die Allegorie auf die Allegorie, wenig christlich, wenig hoffnungsvoll. Slaughterhouse-Five ist ein etwas anderes Buch über den Krieg, und behandelt dennoch ein typisches Thema: Posttraumatic Stress Disorder. Shell Shock. Battle Fatigue. Der Krieg wird als so irrsinnig und abgefahren dargestellt (ohne es wirklich explizit zu machen), dass man das Thema des Krieges einfach mal in die Sci-Fi verlegt. Ohne wirklich zu wissen, ob es sich jetzt um Sci-Fi oder Wahnsinn handelt.

Aufbau:
Das Buch beinhaltet metafiktion, was bedeutet, dass dem Leser eine Rahmen- sowie eine Binnenhandlung präsentiert wird. Auch wenn Kurt Vonnegut wie der Erzähler bei dem Bombenangriff auf Dresden dabei war, sollte das dennoch nicht dazu verleiten, Erzähler und Autor gleich zu setzen. Sonst kriegt irgendein Narratologie irgendwo einen Herzinfarkt! Also, wir haben einen Erzähler, der behauptet, das Buch zu schreiben und sich selbst als Autor bezeichnet. Dennoch: nicht gleichsetzen.

Die Rahmenerzählung befasst sich damit, wie der Autor versucht, diese Geschichte niederzuschreiben, und schließlich einer Bekannten verspricht, dass die Geschichte nicht von Kriegshelden handeln wird. Sondern von „Kindern“, die in den Krieg geschickt werden.
Die Geschichte der Binnenhandlung folgt keiner chronologischen Reihenfolge, sie ist aufgebaut, wie ein Buch der Außerirdischen von Tralfamadore. Momentaufnahmen und kurze Berichte. Das große Ganze soll auf einmal gesehen werden, ohne Chronologie, ohne dass die Zeit eine Rolle spielt.

Inhalt:

Billy Pilgrim has come unstuck in time.
Billy has gone to sleep a senile widower and awakened on his wedding day. He has walked through a door in 1955 and come out another one in 1941. He has gone back through that door to find himself in 1963. He has seen his birth an death many times, he say, and pays random visits to all the events in between.
He says.
Billy is spastic in time, has no control over where he is going next, and the trips aren’t necessarily fun. He is in a constant state of stage fright, he says, because he never knows what part of his life he is going to hace to act in next.

Billy Pilgrim hat also eine Art Spastik, die ihn in der Zeit reisen lässt. Nicht nur das, er behauptet auch, von außerirdischen Wesen, den Tralfamadorianern, entführt und auf ihrem Planeten in einer Art Zoo gehalten worden zu sein. Dies sei geschehen, weil die Außerirdischen von Billys Spastik erfahren haben und versuchen Billy das Zeitreisen zu erklären. Wie man damit zurecht kommt, dass man die Vierte Dimension wahrnehmen kann und in einer Welt besteht, die nur aus Determinismus besteht. Ohne Vergangenheit, Jetzt und Zukunft ist alles wie es ist.

Billy licked his lips, thought a while, inquired at last: „Why me?“
„That is a very Earthling question to ask, Mr.Pilgrim. Why you? Why us for that matter? Why anything? Because this moment simply is. Have you ever seen bugs trapped in amber?“
„Yes.“
„Well, here we are, Mr.Pilgrim, trapped in the amber of this moment. There is no why.“

Befindet Billy sich nicht Zuhause oder auf dem fremden Planeten, so ist er im 2.Weltkrieg. Als junger schlaksiger Mann, der in schlechter Ausrüstung durch die Irrungen des Kriegs schlürft, sich fragt, wer dieser Jerry ist.

God grant me
The Serenity to accept
The things I cannot change,
Courage,
To change the things I can,
And wisdom alyway,
to tell the
Difference,

Among the things Billy Pilgrim could not change were the past, the prestent, and the future.

All jenes wird begleitet von einer Phrase. So it goes. Billy kommentiert jeden Tod, ja sogar das „Sterben“ des Wasser, weil es seine Kohlensäure verliert, mit dieser Phrase. Auch den Bomenangriff auf Dresden: „Dresden was like the moon now, nothing but minerals. The stones were hot. Everybody else in the neighborhood was dead. So it goes.“
Alles, was es weiterhin dazu sagen gibt, ist das Vogelzwitschern: „Poo-tee-weet?“

Fazit:

Ganz klar leidet Billy Pilgrim an PTSD.
Nun stellt sich dem Leser die Frage, ob er Slaughterhouse-Five als Sci-Fi Geschichte ansieht, wo ein Soldat tatsächlich in der Zeit instabil ist und so auf Außerirdische trifft. Einiges über die Menschheit und die Welt lernt, letztendlich dennoch den Krieg nie abschütteln kann.
Oder der Leser sieht die Sci-Fi Geschichte als Teil von Billys PTSD, und deutet die Begegnung mit den Außerirdischen und die Zeitreisen als Dissoziationen.

Wie auch immer man es interpretieren möchte, Slaughterhouse-Five ist meiner Meinung nach eine der besten Geschichten über den Krieg. Ganz ohne KZs, Dschungel, Kriegshelden und Schützengräben. Keine Helikopter, kein Ritt der Walküren, kein Colonel Kurtz. Nur der schlaksige Billy Pilgrim, der verloren geht.

Slaughterhouse-Five gilt in den USA als eine sehr kontroverse Lektüre, oft verboten, oft gelesen, oft gelehrt. Ein „must-read“ amerikanischer Literatur.
Aber ich kann mir auch vorstellen, dass viele Leute gar nichts mit dem Buch anfangen können. Man muss sich schon in gewisser Weise für Traumata interessieren und über seinen eigenen Horizont hinausdenken können, um zu verstehen.
Einen Versuch ist es wert, das Buch strotzt nur so von Philosophie, Gedanken und Ideen. Und dass ohne als Belehrung rüberzukommen.

(Nein, ich habe hier nicht das ganze Buch zitiert, es gibt noch viel viel mehr zu entdecken :D)