[Buch] Game of Thrones (A Song of Ice and Fire 1)

Autor: George R.R. Martin (*1948)

Deutscher Titel:

Reihe: A Song of Ice and Fire, Band 1 von bisher fünf Büchern

: 1996, USA

Stichpunkte: High Fantasy, Mittelalter, Politik

Schon seit Jahren schleiche ich um die Bücher von George R.R.Martin herum. Überal empfohlen und gepriesen, aber doch hat mich der Klappentext nie vollkommen überzeugt. Okay, der deutsche Titel „Die Herren von Winterfell“ hat mich ebenso abgeschreckt.

Jedoch gab es auch etwas, was mich angezogen hat:

Martin had apparently not been previously inspired by the genre, but reading Tad WilliamsMemory, Sorrow, and Thorn series convinced him it could be approached in a more adult and mature way than previous authors had attempted. (Quelle)

Memory, Sorrow and Thorn (mittlerweile auch mit deutschem Titel: Das Geheimnis der großen Schwerter) ist definitiv eine meiner Lieblingsreihen. Allerdings muss ich sagen, dass „A Game of Thrones“ doch komplett anders ist.

Letztendlich hat auch die HBO Serie zum Buch mich dazu gebracht, hier endlich mal reinzulesen.

Worum geht es? Das ist etwas schwer zusammen zu fassen. Jedes Kapitel ist einer anderen Person gewidmet, die wiederrum irgendwie in die Hauptgeschichte mit eingebunden sind. Wo man jedoch bei den meisten Büchern einen dicken roten Faden hat, gibt es hier zumindest zwei: Die Machtkämpfe um den eisernen Thron von Westeros und die zunehmende Bedrohung aus dem hohen Norden durch mysteriöse Wesen, sogenannte White Walkers.

Das erste Buch konzentriert sich im großen und ganzen auf die Rivalität zwischen den Starks und den Lannisters. (Irgendwie erinnern die Namen an York und Lancaster, Beteiligte in den englischen Wars of Roses).
Aus dem hohen Norden stammen die Starks. Etwas kühl vom Charakter, angepasst an die harschen Wetterbedingungen, aber dennoch loyal und herzlich im tiefsten Inneren. Winter is coming ist ihr Motto. Auf der anderen Seite die reichen Lannisters, im Machtzentrum, da Cersei Lannister mit dem König verheiratet ist.
Aber das ist nicht alles. Weit entfernt im Exil tümmeln sich die Nachkommen der Targaryens, die ehemals das Reich mithilfe von Drachen für sich gewonnen haben. Jedoch vor nicht allzu langer Zeit vom Herrn von Winterfell, Ned Stark, und dem aktuellen König Robert getötet und teilweise vertrieben worden sind.

Das waren aber beiweitem nicht alle Personen und Häuser, die beim „Game of Thrones“ mitmischen. Viele Königreiche, viele Adelshäuser und sehr viele Einzelpersonen spielen noch eine kleine oder große Rolle.

Die Anspielung zu den Wars of Roses ist ziemlich gut gewählt. Es geht um Machtspiele, um Verrat, um politische Intrigen. Im Vergleich zu anderer Fantasy kommen Einzelschicksale etwas kürzer, aber auch die gibts es.
Um zwei zu nennen: Lord Starks Bastard Jon Snow, der an der hohen Mauer im Norden gegen die ankommende Bedrohung kämpf und der verkrüppelte minderwüchsige Tyrion Lannister, der mit Witz und Charme sich durch sein Leben beißt.

Der Leser wird, ähnlich wie bei einer echten mittelalterlichen Chronik, mit Namen überschüttet. Das ist zwar geläufig bei High Fantasy, aber, wie ich finde, hier in einem extrem höheren Ausmaß vorhanden. Der Aspekt der Fantasy wird auf der anderen Seite nur sehr behutsam angeschnitten. Zwar gibt es phantastische Wesen, aber die sind irgendwo hinter der großen Mauer im Norden verschollen. Aus den Augen, aus dem Sinn, könnte man fast sagen. Und auch die letzten Drachen sind schon lange verschwunden.

Mein persönliches Fazit: Das erste 3/4 des Buches war für mich eher mühsam als unterhaltend. Es passiert zwar einiges, aber die langen Konversationen und das ständige Einführen neuer Personen und historischer Zusammenhänge macht die Erzählung doch sehr zäh. Allerdings auch irgendwie authentisch, eben, wie bereits erwähnt, wie eine echte mittelalterliche Chronik. Meinen Geschmack trifft das nicht wirklich, da bin ich mit der Erzählart der Serie zufriedener.
Gegen komplexe Welten und eine langsame Erzählung habe ich zwar überhaupt nichts einzuwenden, aber letztendlich fehlt mir doch der persönliche Bezug zu den Charakteren. Zu sachlich. Klar, einige Charaktere mag man mehr, andere weniger, aber es geht hier nunmal um das große politische Spiel und weniger um die Einzelhelden. Das wird auch schnell von George R.R.Martin sehr deutlich gemacht.

Die Welt ist sehr detailliert, die verschiedenen Adelshäuser fein ausgearbeitet, die Geschichte bereitet immer wieder überraschende Wendungen und lässt den Leser im Dunkeln, wie es denn nun weiter geht. Sicherlich ist das Buch auch dazu geeignet, es öfters zu lesen. Weniger „fantasy“, viel fiktionale Historie.

Im Vergleich zu anderer High-Fantasy allerdings nur 3,5 Sterne. Befriedigend, aber nicht „wow“.