[Buch] Das Herz (Shadowmarch 4)

Autor: Tad Williams

: 2010, USA; 2011 Deutschland

Reihe: Shadowmarch, letzter Band

Dt. Hardcoverausgabe: 878 Seiten

Stichwörter: High-Fantasy, Götter, Mittelalter

Der wahnsinnige Autarch Sulepsis steht vor den Toren der Südmarksburg. Sein tollkühner Plan: die schlafenden Götter aufwecken und seiner Macht unterwerfen.

Barrick, Prinz von Südmark, ist derweile weiterhin auf seiner Odyssee durch die Schattenlande. Endlich findet er die Hauptstadt der Qar und wird dort immer tiefer in deren Angelegenheit eingesogen.

Seine Schwester Briony versucht währenddessen mit Hilfe des Prinzen Eneas von Syan ihr Königreich, und vor allem auch ihren Vater, zu retten.

Während Hendon Tolly in der Südmarksburg seine Schreckensherrschaft fortführt, formiert sich unter der Südmarksburg der Widerstand gegen die Armee des Autarchen. Funderlinge, der ehemalige Hauptmann Ferras Vansen und die Qar versuchen den Autarchen von der Pforte zu den schlafenden Göttern aufzuhalten.

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Schaffen es die Verbündeten vor Mittersommernacht, wo das Ritual stattfinden soll, den Autarchen zu bremsen?

Der letzte Band der Shadowmarch-Reihe gewinnt wieder etwas an Fahrt. Aber wie man es von Tad Williams kennt, ist es eine relativ langsame Fahrt. Auch hier gibt es viele Stellen, wo die Erzählung sehr detailliert beschrieben wird oder sich zieht, je nachdem wie der Leser es empfindet. Ich persönlich mag gerade diesen Erzählstil an Tad Williams, weil es umso mehr verdeutlicht, wieviel Zeit bei den Charakteren vergeht und mehr Raum für Charakterentwicklungen lässt.

Wie auch schon beim Drachenbeinthron und in Otherland empfand ich hier das Ende als etwas plötzlich. Aber so kennt man das von Tad Williams. Das wichtigste ist die Reise, nicht das Ziel. Auch hier wieder eine Frage des Lesegeschmacks.
Man kann besonders hier Parallelen zu Tolkien feststellen: nicht nur ist die Reise viel länger als der eigentliche Endkampf, danach ist die Erzählung noch lange nicht zu Ende. Alle Charaktere erhalten ihren würdigen Abschluss und der Leser wird langsam aus der Erzählung gebracht. Nach vier dicken Bänden muss das aber auch sein!

Fazit: Ich lese die Reihe seit 2007 und bin sehr froh, dass sie einen so schönen würdigen Abschluss gefunden hat. Es ist nicht alles perfekt mit „they lived happily ever after“, aber auch nicht alles traurig. Tad Williams macht auch in dieser Reihe wieder Dinge, die ich ansonsten nicht mag, wie zb. die Götter als „echte Akteure“ einführen. Aber er schafft es, klassisches Götterdrama mit Fantasy zu vereinen.

Für Fans vom Drachenbeinthron oder Leser, die den tolkien’schen Erzählstil mögen, definitiv eine Leseempfehlung. Alle anderen sollten zumindest die ersten 200 Seiten vom ersten Band lesen, bevor sie endgültig abbrechen. Die langen Einleitungen haben zumindest für mich immer hinterher immer einen Sinn und fördern die weitere Erzählung, indem sie als Opposition dienen, „damals“ vs. „ist-Zustand“.