[Buch] The Alloy of Law (Mistborn 4)

Autor: Brandon Sanderson

Deutscher Titel: Jäger der Macht

Reihe: Mistborn, Band 4.

VÖ: November 2011, USA

Taschenbuch: 333 Seiten

Stichwörter: Fantasy, Western, Steampunk

Interessanterweise bewirbt der Heyne Verlag auf dem Cover der deutschen Ausgabe Jäger der Macht mit „Der Autor von ‚Der Weg der Könige'“. Einerseits stimmt das natürlich, andererseits handelt es sich bei diesem Buch um eine Geschichte aus dem Universum der Mistborn Reihe. Meiner Meinung nach sollte es auch als solches, als „Bonus“, betrachtet werden. Sanderson schrieb die Geschichte ursprünglich als kleine Übung, welche nicht zur Publikation gedacht war.

Denn der Masterplan des Genies sieht so aus, dass er noch zwei weitere Mistborn-Trilogien veröffentlichen will. Eine, die wie The Alloy of Law ca. 300 Jahre nach den Ereignissen aus Mistborn spielt und die ehemals pseudo-mitteralterliche Welt in ihrer Industriealisierung zeigt; sowie eine zweite Trilogie, die um einiges weiter in der Zukunft liegen soll und schon dem Genre Sci-Fi zugeordnet werden könnte…das ist schon ziemlich außergewöhnlich.

Nun ja, jetzt dürfen die Fans aber trotzdem schonmal eine kleine Kostprobe lesen. Denn immerhin hat Sanderson mit The Stormlight Archive und The Wheel of Time zwei weitere Reihen zu bedienen, also wird es sicherlich noch dauern mit weiteren Mistborn-Büchern.

Inhalt: 300 Jahre nach den Ereignissen aus Mistborn befinden wir uns in einer Welt, die ungefähr unserem 18/19 Jahrhundert gleicht. Elektrizität hält gerade Einzug, erste Wolkenkratzer schießen in die Luft, Eisbahnen verbinden die riesige Stadt Elandel (hier lächelt der Mistborn Fan) mit den sogenannten Roughs, den ärmeren und scheinbar gesetzesloseren Grenzgebieten, ähnlich einem Western-Szenario.

Wie in Mistborn gibt es auch in dieser Welt allomantische Kräfte. Kurz gesagt: sogenannte Mistborn, können bestimmte Metalle einnehmen und erhalten dann je nach Metall verschiedene Kräfte, zb. können sie gegen Metall stoßen oder sich an Metall ziehen, Emotionen beeinflußen, ihre Körperausdauer verbessern oder ihre Sinne verfeinern. Diese Fähgiektein hat nicht jeder, man erbt sie von den Eltern, manchmal. Mehr sei nicht gesagt, weil das wieder zuviel spoilern würde.

Waxilium Ladrian, einstiger Gesetzeshüter in den Roughs, muss sich mehr oder weniger unfreiwillig wieder in der Stadt niederlassen. Da er Erbe seines „Hauses“ ist (ein „Haus“ gleicht hier ungefähr großen Firmen gepaart mit Adelsdynastien), muss er nun auch heiraten. Zu blöd nur, dass seine Verlobte von den Vanishers entführt wird. Aber immerhin hat Waxilium so eine Ausrede, nochmal zum Revolver zu greifen und etwas action zu erleben, die Verlobte muss gerettet werden…

Waxilium besitzt allomantische Kräfte, er ist außerdem ein cooler Cowboy und hat mit seinem Partner Wayne einen tollen Sidekick. Ja, ihre Dialoge sind klischeehaft und man verdreht die Augen, aber genau so klischeehaft soll es auch sein. Sanderson hat hier wirklich das Unmögliche möglich gemacht: eine ausgesprochen ausgeklügelte Fantasywelt mal eben um 300 Jahre weiterentwickelt, das verdammt überzeugend hinbekommen und dies mit einer typischen Western/Detektiv-Geschichten des Pulp-Genre vermischt. Wow!

Bewertung: Sicherlich ist The Alloy of Law keine epische Fantasy, aber das sollte es auch nie werden. Es ist einfach spannend zu beobachten, wie Sanderson diese neue Welt schafft und mal eben ein eher „altbackenes“ Genre neu aufleben lässt, dies alles unter der Prämisse einer Schreibübung. Und so schmunzelt man über die beiden Großstadtcowboys, hat sowieso jene schon nach einigen Seiten ins Herz geschlossen und freut sich über jeden Hinweis auf die Mistborn-Reihe und deren Helden. Und ärgert sich über den Schluß, den Sanderson quasi offen lässt. Hmpf. Aber es soll ja noch eine „richtige“ Fortsetzung kommen. Bitte bald.

Ein Dank an den Fantasy-Gott, dass er dieses Schmuckstück veröffentlichte.

Für Leute, die Mistborn nicht kennen, wird The Alloy of Law eher langweilig sein und/oder ziemlich doof. Mal abgesehen davon, dass man es wegen der vielen Spoiler nicht vor Mistborn lesen sollte. Daher: unbedingt Mistborn lesen, wirklich wirklich wirklich. Und als Dessert dann The Alloy of Law.