[Buch] The Eye of the World (The Wheel of Time 1)

Autor: Robert Jordan

Reihe: The Wheel of Time, Band 1 von 14

Deutscher Titel: Das Rad der Zeit. Die Suche nach dem Auge der Welt

VÖ: Januar 1990, USA

Taschenbuch: 753 Seiten

Stichwörter: high fantasy, coming of age

Ich habe am Ende des Buches fast geweint. Vor Freude. Endlich durch zu sein. The Eye of the World stellte sich als eine Tolkien-Kopie heraus, die leider nicht funktioniert.

Kurz zum Inhalt: Idyllisches Dorf, mehrere Jugendliche im Fokus, Überfall von orks äh Trollocs, Jugendliche müssen nach Bruchtal äh Tar Valon flüchten, zusammen mit einer Magierin und einem Waldläufer…

Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir als Linguist natürlich die linguistischen Details sauer aufgestoßen sind. Meine Güte, nur weil man überall ein Apostroph in die Namen reinquetscht (Rand al’Thor), hat man noch lange keine gute Ausarbeitung von einer Fantasywelt und ihren Fantasysprachen >_< Frodo Baggins. Das ist ein gut ausgearbeiteter Name. Aber wieso sollte ein Farmerjunge „al’Thor“ heißen? Falls er überhaupt einen Nachnamen hat, dann braucht der Nachname sicherlich kein Präfix. Rand Farmer, Rand Tamson (Tam heißt der Vater). Alles besser als al’Thor.

Es ist schön und gut, dass Jordan sogar offensichtlich zugegeben hat, sich an Tolkien zu orientieren, aber das rechtfertigt noch keine mittelmäßige FanFiction. Ja, da haben wir Emond’s Field aka The Shire. Dann treffen wir auf Lan, offensichtlich ein Waldläuferverschnitt und schnell wird klar, dass er ein Aragorn ist. Die Aes Sedai, magische, auch gefürchtete Wesen, die in Tar Valon wohnen…nein, es sind keine Elben, aber die Anspielung ist auch hier mehr als deutlich. Sauron, ich meine, Shai’tan (Satan?) gibt’s auch, ebenso die Nazgûl…und Trollocs. Baumbart. Und so weiter.

Wo Tolkien seine Welt mehr oder weniger von alleine erwachen, hier und da etwas Mythologie einfließen lässt, muss Jordan mehrmals elendlange Erklärungen abliefern und am Ende ist der Leser auch nicht schlauer als vorher. Zum Glück erfordert das Buch auch keine Schlauheit, da die Geschichte von vorne bis hinten vorhersehbar ist. Wie kann eine so einfach gestrickte und in sich langweilige Handlung, auf sooooo eine Länge gestreckt werden? Und wieso muss der Leser mit unzähligen Fakten bombadiert werden, die zum aktuellen Geschehen nichts beizutragen haben?

Zu den Charakteren: Gäääähn. Die drei Hauptcharaktere Rand, Perrin und Mat sind eigentlich genau der gleiche Charakter. Zwischenzeitlich wird versucht durch Beschreibungen ihnen Individualität zu verleihen, aber sowas muss auch irgendwie in den Handlungen durchkommen. Tut es hier aber nicht. Und das Frauenbild…meine Güte! Von mir aus muss ein Fantasybuch keine Frauen als Protagonisten beinhalten, aber wenn, dann doch bitte nicht solche weinerlichen dummen Prinzessinen-Bitches wie Egwene oder Nynaeve. Die Kerle springen natürlich auf dieses Verhalten an, sowas liebe ich ja schon im realen Leben. Vielleicht kennt der Autor auch einfach keine anderen Frauen und überträgt nur das ihm geläufige Frauenbild…Wäre ich der männliche Hauptcharakter in dem Buch gewesen, so hätte ich die Weiber an der nächsten Kreuzung ausgesetzt.

Zwei Sternchen gibt es noch, weil es nicht so schlimm war wie „Die Zwerge“. Wahrscheinlich wäre die Geschichte nach einigen editorischen Maßnahmen (vor allem einer Kürzung um gut 2/3) ganz okay gewesen. Hmm ja, ich mochte den Charakter Loial und find das Konzept mit den Aes Sedai und den Waldläufern äh Warder ganz gut. Jedoche denke ich, dass ich die Reihe nicht weiterlesen werde, auch wenn ich nur zu gern den Bruch zwischen Jordans Büchern und Sandersons Fortsetzung gesehen hätte.

Da fallen mir spontan Magician von Raymond Feist und die Farseer Trilogy von Robin Hobb ein, dass es auch um 1990 herum sehr gute und innovative High Fantasy gab…

Ja, billig, das Adjektiv beschreibt The Eye of the World sehr gut. Schade irgendwie. Ich hatte bis zum Schluß Hoffnungen, dass es noch gut wird…

4 Gedanken zu „[Buch] The Eye of the World (The Wheel of Time 1)“

  1. Hallo Marta,
    hoffe Dir gehts gut!?
    Deine Rezension beschreibt ziemlich genau auch meine Gefühle und Probleme die ich mit dem Buch hatte. Viel zu lang, zu vorhersehbar, zu Tolkienhaft. Bei dem Gedanken, sich durch weitere 9 Bände zu kämpfen bis Sanderson übernimmt, habe ich die Reihe auch erst einmal beiseite gelegt. Ich habe zwar gehört das die Geschichte viel besser wird, da sich Jordan immer weiter von Tolkien entfernt, je länger die Geschichte dauert, aber gleichzeitig verliert er sich, wohl ähnlich wie GRR Martin in zahllosen Handlungssträngen. Das war es mir echt nicht wert.
    Schlimmer ist bloß noch Terry Goodkinds „Schwert der Wahrheit“ – Reihe und Terry Brooks „Shanarra“-Reihe.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Florian

    1. Ja ich habe auch gelesen, dass es besser wird, ich kann auch durchaus glauben, dass Jordan da seinen eigenen Plot entwickelt. Aber letztendlich ist der Anreiz einfach zu gering, sich an so eine lange Reihe zu wagen…ich gehe auch stark davon aus, dass die Fans eher unter den „Altlesern“ zu finden sind, die in dem Zeitraum der ersten drei Büchern eingestiegen sind.
      GRR Martin ist genausowenig mein Fall, gut, hier kommt noch hinzu, dass ich historische Romane nicht mag, und zumindest der erste Band war mehr fiktionale Historie als Fantasy.
      Ich bleibe wohl eher bei den 3-4bändigen Reihen 😀
      Dir ebenso ein schönes Wochenende!

  2. Stimmt, sehe ich genauso 🙂
    Martin ist wirklich mehr historisch und voller Intrigen, mit sehr wenig Magie und phantastischen Elementen. Das macht es für viele „Nicht-Fantay“ Leser so attraktiv und die HBO Serie ist grandios gemacht!
    3-4 Bändige Reihen liegen mir auch mehr. Ich habe ja die Hoffnung das ich nicht wieder 3-4 Jahre auf Pat’s nächstes Buch warten muss. Ansonsten kommen ja demnächst Peter V Brett und Brents Weeks nächste Bände raus.
    Peats Lesung im Otherland in Berlin war übrigens super, nur falls Du Dich gefragt hast 😉
    Ich werde micht jetzt mal Season 3 von Angel und der neusten Breaking Bad Folge widmen, da hast Du ja schon etwas Vorsprung 🙂

    Hast Du eigentlich mit Libriomancer schon angefangen? Ich habs gestern begonnen.

    Alles Gute

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