[Buch] The Dirty Streets of Heaven (Bobby Dollar #1)

Autor: Tad Wiliams  (*1957)

: September 2012, USA

Reihe: Bobby Dollar – Buch 1

Taschenbuch: 406 Seiten

Preis: 13,95 für die Taschenbuch-Ausgabe

Stichwörter: urban fantasy, Engel, Krimi, Mystery, ‚Angel Noir‘

„Even better than I’d dared to hope. It’s snarky, fast-paced, and above all, original“
(Patrick Rothfuss)

Wenn einer meiner Lieblingsautoren den Blurb für einen meiner anderen Lieblingsautoren schreibt, dann ist das schon awesome. Ich weiß gar nicht mehr, ob mit Memory, Sorrow and Thorn oder Otherland meine Tad Williams Leidenschaft angefangen hat…jedenfalls ist das schon viele Jahre her. Ich sehe auch ein, dass viele Leser mit Tad Williams nichts anfangen können. Seine ~4000 Seiten Reihen haben alle ein Vorspiel von gut 200-300 Seiten. Für mich hat sich das „durchhalten“ immer gelohnt, aber andere schreckt es sicher ab.
Nun, The Dirty Streets of Heaven ist da anders! Die Handlung setzt schnell ein, man muss keine ellenlange Charakterlisten studieren oder sich gar Notizen machen. Ja, dieses Buch kann ich auch jenen empfehlen, die ihre Probleme mit den anderen Williams Büchern hatten. Und natürlich erst recht den Fans.

Inhalt: Doloriel ist ein Engel. Und Anwalt. In menschlicher Gestalt wandelt er als Bobby Dollar unter den Lebenden und verteidigt vor dem himmlischen Gericht die Seelen von kürzlich Verstorbenen. Denn nur wer zur Lebzeiten weitesgehend ohne Sünde war, darf in den Himmel kommen. Wer vor Gericht verliert, landet in der Hölle. Oder wenn er noch etwas Glück hatte im Fegefeuer.
Ja, es gibt Engel, auch Dämonen, und den Himmel sowie die Hölle. Aber irgendwie ist es doch anders, als man es von religiösen Erzählungen her kennt. Die beiden „Parteien“ erinnern eher an politische Parteien oder verfeindete Firmen (Apple und Microsoft?), die mithilfe von spitzfindigen Anwälten versuchen so viele Seelen wie möglich auf ihre Seite zu ziehen. Selbst die bösen Abgeordneten aus der Hölle machen nur ihren Job.
Tja, dann passiert der GAU für beide Parteien: die Seele eines Toten taucht nicht vor Gericht auf. Und ausgerechnet Bobby Dollar war der zugewiesene Verteidiger und muss sich nun dem himmlischen Gericht stellen, während er doch lieber in seiner Lieblingsbar bei einem Vodka abhängen würde (ja, die irdischen Engel nutzen ihre Körper auch für irdische Zwecke).
Zwischendurch erfährt der Leser von Bobby auch einiges vom Leben nach dem Tod, zumindst so weit, wie Bobby es weiß, denn auch den Engeln bleibt vieles verborgen.

Ich hatte ein paar Bedenken wegen der Engel-Thematik, da ich kein religiöser Mensch bin und Engel schon etwas abgedroschen sind. Ich muss da immer an Esoterik-Tanten denken, die zu ihren Engeln sprechen. Urban Fantasy mag ich auch nicht so (auch wenn meine letzten Buch-Highlights welche waren….) und crime & investigation ist auch nicht so mein Ding. Die schlechtesten Voraussetzung, trotzdem war ich schon nach den ersten Seiten gefangen. Und will mehr!

Fazit: Das Setting ist genial und originell. Das Lesen macht maßig Spaß und bietet Action, Originalität, tolle Charaktere und ein stetiges Gefühl von Coolness. Vielleicht wird die Bobby Dollar Reihe sogar die beste Tad Williams…und wie gesagt, auch diejenigen, die mit seinen anderen Büchern nichts anfangen konnten, sollten hier reinschnuppern.

Übrigens fiel mir eben ein, dass es ja noch ein anderes tolles Werk mit ungewöhnlichem Engel-Setting gibt: Angel Sanctuary. Alle 20 Ausgaben stehen bei mir im Regal, irgendwann wollte ich es auch ein zweites Mal lesen…