[Buch] Ready Player One

Autor: Ernest Cline  (*1972)

: 2011, USA

Taschenbuch: 386 Seiten

Preis: 6,01 Euro für die Kindle-Ausgabe

Stichwörter: 80er Jahre, Videospiele, Dystopie

Uff, eine Bewertung fällt mir hier ziemlich schwer, aber versuchen wir es mal…

Inhalt: Wir befinden uns im Jahr 2044. Akuter Energiemangel hat die Welt in den Abgrund getrieben, aber immerhin gibt es OASIS. Ein MMORPG, welches jedoch nicht ein ordinäres Online-Spiel blieb, sondern sich so stark entwickelte, dass es nun die virtuelle Heimat der dahinsiechenden Bevölkerung ist. Dank Visor und haptischer Handschuhe ist es kein Problem, sich aus der realen Welt auszuloggen. „Virtuelle Heimat“ ist so zu verstehen, dass man  in der OASIS zur Schule gehen kann oder Vollzeitarbeitsstellen dort nachgeht. Ebenso sind die Credits der OASIS stabilier als alle real life Währungen.
Der Erfinder James Halliday, 80er Jahre Nerd, stirbt plötzlich und eröffnet durch sein Testament somit eine epische Jagd: wer ein von ihm plaziertes Easter Egg in der OASIS findet, der wird sein millionenschweres Erbe antreten dürfen.
Und da wäre Wade Watts, der wie zahlreiche andere sogenannte gunters die Jagd antritt. Es geht nicht allein um die Aussicht, der elendigen Armut zu entkommen, sondern auch darum zu verhindern, dass die Sixers, Elitetruppe der Firma IOI, das Easter Egg finden…denn IOI möchte die OASIS in eine kostenpflichte und werbevermüllte Simulation umwandeln. Und somit das Zuhause von mehreren Millionen Menschen zerstören…

Aufbau: Das erste Fünftel hat mir richtig gut gefallen, aber dann kam irgendwie Ernüchterung auf. Der Plot wurde absurder und gleichzeitig total vorhersehbar. Die Charakterzeichnung ist leider völlig in schwarz und weiß gehalten. Den Erzählstil fand ich ingesamt nur mittelmäßig. Der Autor kann einfach nicht wirklich gut schreiben…dementsprechend lesen sich viele Passagen wie Wikipedia-Einträge oder ein Schulaufsatz eines 14-jährigen. Es gelingt nicht, den Leser in die Erzählung reinzuziehen. Während ich in manchen Büchern verschwinden kann, bleibt hier immer der Geschmack einer bloßen Nacherzählung. Was nicht dadurch besser wird, dass vieles in Rückblenden erzählt wird.

Und was nun verleitet einige Menschen dazu, Ready Player One in den Himmel zu Loben? Nostalgie.
Die Art der Geschichte ist für mich nicht sonderlich neu, da diese ganze virtuelle Realität-Sache auch in Tad Williams‘ Otherland vorkommt. Während Otherland jedoch klassische Literatur (von der Illias bis zum Lord of the Rings) abhandelt, konzentriert sich Ready Player One auf die 80er Jahre, was daran liegt, dass Halliday in dieser Zeit aufgewachsen ist und sein Easter Egg Quest mit seiner größten Leidenschaft zu tun hat, Filme, Musik, Videospiele und RPGs aus den 80ern. Dementsprechend wird der Leser ständig mit Referenzen beworfen, die dann noch vom Protagonisten erklärt werden…für jemanden, der in den Nerdkreisen der 80er Jahren aufgewachsen ist, dürfte das alles ein wahres Fest sein. Ich hatte ja auch einen kleinen Nerdgasm, als eine Firefly mit dem Namen „Vonnegut“ auftauchte 😉

Es ist schon irgendwie lustig, dass in Ready Player One Leute in einer simulierten Welt hocken, nur um in dieser alte Arcade-Spiele zu zocken. Aber da muss ich an meine Zeit mit Final Fantasy 8 denken, wo ich stundenlang nur Triple Triad gespielt habe, anstatt das eigentliche Spiel…ich hab das Spiel auch nie durchgespielt, aber dafür den Card-Master besiegt, hehe!

Fazit: Das Buch liest sich zwar schnell, aber erzähltechnisch gesehen gibt es wahrlich besseres und spannenderes. Wer jedoch eine Liebe für 80er Jahre Nostalgie hegt oder gar in der Zeit aufgewachsen ist, der könnte hieran seine Freude haben. Ich persönlich bin ein 90er Playstation-Kind und kann dem meisten Kram aus Ready Player One nicht so viel abgewinnen, auch wenn ich als Kind gerne Operation Wolf und die Giana Sisters bei meinem Onkel gespielt hab. Angesichts der eher durchschnittlichen Erzählart und des vorhersehbaren Plots daher nur 3 Sterne.