[Film] Der Hobbit – Eine unerwartete Reise

(Keine Spoiler zum filmischen Inhalt)

Gestern ging es in die Preview, zum Glück gab es auch Vorstellungen in 2D. Erstaunlicherweise war die Vorstellung auch nur zur Hälfte voll, der Düsseldorfer interessiert sich wohl nicht so für Fantasy…nichts neues.

Ein bisschen besorgt war ich ja, nachdem ich schon schlechte Kritiken gesehen (aber nicht ganz gelesen) hatte, und sowieso etwas aufgewühlt war aufgrund der Tatsache, dass es 3 Filme geben wird. Der Hobbit – das passt doch alles in einen Film, wie wollen sie eine epische Trilogie daraus machen?

Erleichterung schon in den ersten Minuten, wo es wie im HdR einen schönen „Was bisher geschah“-Vorspann gab. Zuversicht. Ja, es wird gut.

Nach dem Vorspann fing es schon absolut wundervoll an, ich konnte mich gerade noch zurückhalten vor Freude zu quieken 😀 Und natürlich war ich mehr als begeistert, als der legendäre Satz: „In a hole in a ground there lived a hobbit“ fiel. Tolkien hatte den Satz aus dem Nichts plötzlich im Kopf und fing dann seine Geschichte um den Hobbit an.

Die Einkunft der Zwerge war wirklich toll umgesetzt, es fühlt sich genauso an wie das Buch. Anfangs war ich kritisch, weil einige Zwerge schon wie Menschen aussehen…vor allem Thorin aka Zwergen-Aragorn. Aber nach einigen Minuten waren die Charaktere für mich überzeugend dargestellt. Vor allem Fili und Kili, die beiden jungen Zwerge der Expedition, fand ich wirklich klasse. Übrigens ist Gloin, der grimmig dreinblickende Zwerg mit braunrotem Bart und Axt, Gimlis Vater. Und Martin Freeman als Bilbo. Perfekt.

Wirklich gut gelungen fand ich, wie der Fokus auf die Zwerge und ihr Schicksal gelegt wurde. In Tolkiens Werken spielen sie eine eher nebensächliche Rolle (im Vergleich zu den Elben, Numenor und Menschen), aber hier kamen sie schön in den Fokus ohne nur als rülpsende Witzfiguren dargestellt zu werden. Vor allem Thorin Eichenschild hat dem sehr viel Tiefe verliehen. (Deswegen muss seine Figur auch in mein Tabletop Imperium wandern).

Neben der Quest zum Einsamen Berg schneidet der erste Film auch die Entwicklungen in Dol Guldur an, wo sich ein sogenannter Nekromant *Spoiler*ein geschwächter Sauron*Spoiler* verschanzt und Böses verbreitet, auch über den von den Waldelben bewohnten Mirkwood.

Dieser weitere Plot liefert dann auch tatsächlich den nötigen Inhalt, um die Erzählung auf drei Filme zu verteilen. Dementsprechend ist es auch nicht unsinnig, dass im Film Figuren auftauchen, die im Hobbit-Buch nicht vorkommen, denn diese spielen im Plot um den Nekromanten eine wichtige Rolle. Also sollte man diese Film-Reihe nicht als Buchverfilmung vom Hobbit betrachten, sondern tatsächlich als Prequel zum Herr der Ringe. Diese Zeit hat zwar, abgesehen vom Hobbit, kein eigenständiges Buch bekommen, aber ist trotzdem ausführlich von Tolkien beschrieben worden.

Mich konnte der Zauber von Mittelerde jedenfalls schon von Anfang an fesseln. Ich liebe zwar auch andere High-Fantasy Erzählungen abgöttisch, aber Tolkien hat für mich immer eine Sonderstellung. Andere Fantasywelten sind für mich „irgendwo“, Tolkiens Mittelerde jedoch „hier“. Bei mir hat es also geklappt, dass Tolkien eine Mythologie erfindet. Bis dato hatte England auch keine eigene (der mit England verbundene Artusmythos stammt aus Frankreich).

Während meines Auslandsjahres habe ich in den Cotswolds gelebt, was dem Auenland/Shire schon seeehr ähnelt, grüne Hügel, kleine idyllische Dörfer. Ich bin da öfters gewandert und konnte von den hohen Hügeln sogar die Black Mountains sehen. Sie heißen wirklich so und markieren die Grenze zu Wales. Tolkien wuchs auch nicht unweit von den Cotswolds, in der Nähe von Birmingham, auf.
Außerdem habe ich einmal eine Kanutour durch den Forest of Dean gemacht, welcher Tolkien als Inspirationsquelle für Bruchtal und Lothlorien diente. Nicht zu vergessen wäre da das westliche Meer, in Irland und Schottland, welches eventuell nicht nur nach Amerika führt, sondern sogar direkt nach Valinor, in das von Tolkien beschriebene Götterreich. Für mich hat die Westküste auch sowas magisches gehabt. Es muss also nicht unbedingt Neuseeland sein, um einen Hauch von Mittelerde zu erleben 😉

Naja, und in Tolkiens College bin ich auch „eingebrochen“, normalerweise nicht für Besucher zugängig, aber wenn man ganz selbstbewusst reingeht und tut als ob man ein Student wäre, wandelt man kurze Zeit später auf den Korridoren, die Tolkien einst betreten hat. Und da wäre ja noch Tolkiens linguistisches Erbe, welches mich begeistert…neben seinen Fantasysprachen war er auch ein wichtiger Wissenschaftler was das Altenglische angeht.

Nun ja, der Hobbit konnte für mich die komplette Magie entfalten, keine fremde Fantasywelt, sondern ein „es hätte ja so sein können“. Meine Begleitung, genauso ein Liebhaber wie ich, und mein orkischer Gegenspieler beim Tabletop, war ebenso begeistert. Für Unwissende könnten einige Dinge verwirrend sein, aber ich persönlich hab den Film nicht als zu überladen an Hintergrundwissen empfunden (auch wenn’s nach meinem Geschmack rühig hätte noch mehr sein können). Vor allem war der Film nicht zu lang…fast drei Stunden Film sind meine persönliche Hölle, aber hier ist die Zeit wie im Flug vergangen. Ich freu mich schon auf die extended edition 😀

Und wie ist denn nun das Ende des ersten Teils? Natürlich will ich, dass der zweite Teil SOFORT rauskommt, aber ich kann mit dem sehr schön gemachten Ende leben. Ein bisschen Humor, eine kleine Rast und ein genialer Ausblick, auf das, was noch kommt.

Fazit: Viel Gänsehaut, viel oh und ah und einfach nur schön. Einziger Wermutstropfen: Aragorn ist erst ca. 20 Jahre alt und wird somit zumindest nicht in Mortensen-Form auftauchen… *schnief* Aber ich hoffe auf die Dunedain. Und freue mich auf mehr von den Elben (oh bitte bitte bitte, Games Workshop, ich will eine Thranduil Figur).
Volle Punktzahl. Mein kleines Highlight: Gandalf erwähnt, dass es fünf Magier gibt, ihn, Saruman und Radagast…die Namen der beiden blauen Magier hätte er vergessen 😀 Tatsächlich haben sie Namen, Alatar und Pallando, allerdings muss man etwas in Tolkiens Werken graben, um diese zu finden…
Ich freu mich auf Teil 2!

5stars

 

 

Anmerkung an die Männerwelt: BITTE schleppt eure Tussifreundin nicht in diesen Film mit, oder setzt ihr während des Films eine Haube über den Kopf, damit diese nicht ständig gackert oder rumschnaubt, weil sie sich langweilt. Diesem Weib neben mir hätte ich gerne den Kopf abgeschlagen, wenn sie den Film nicht sehen will, soll sie Zuhause bleiben und Grey’s Anatomy gucken >_<

 

2 Gedanken zu „[Film] Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“

  1. Ja, das mit den Gandalf und den vergessenen Namen war super 😀 Insgesamt hatte der Film einige Momente in denen ich herzhaft lachen musste. Etwas was ich bei Komödien gar nicht habe. Die ringen mir oft maximal ein schmunzeln ab. Aber ich finde die Charaktere waren einfach so charmant, dass es sich sehr leicht viel sich zwischen den vielen Kampfszenen auch prächtig zu amüsieren.

    Und die Ankunft der Zwerge fand ich auch, war sehr toll gelöst. Der arme Bilbo! Allerdings muss ich den Film doch unbedingt schnell im Original sehen, das Lied ist auf Englisch doch wirklich sehr viel besser.
    Wie sie aussehen stört mich aber doch nachwievor. Natürlich braucht man bisschen unterschiedliche Frisuren, um die Mannschaft auseinander halten zu können (was aber mMn zumindest jetzt im ersten Teil noch gar nicht gelungen ist, zumindest Leute ohne Hintergrundkenntnisse dürften nicht aufgedröselt haben wer wer ist) aber die sehen einfach wirklich nicht aus wie Zwerge! >.< Ich denke z.B. Fili und Kili hätten sich auch so von den anderen abheben können, ohne den Bart aufs Minimum gestutzt zu bekommen…

    Was ich aber auch gut fand war, dass sie das vergessene Taschentuch mit eingebracht haben. Ohne wäre das nicht gegangen 😀

    Ich fand noch viiiel mehr Sachen gut, aber eben auch einige Dinge nicht ganz perfekt. Wie ist das bei dir? Gar nichts auszusetzen?

    1. Mich hat die Umsetzung von Radagast gestört, der war mir etwas zuuu abgedreht. Ich hatte ihn mir zwar etwas eigensinnig (weil lebt alleine unter Tieren) vorgestellt, aber doch etwas „gediegener“. Im Film war er arg trottelig…

      Und was ich schon beim Herr der Ringe doof fand…Blondhaarige Elben (hier Thranduil) mit fetten schwarzen Augenbrauen. Ahhhhh!! 😀

      Das Problem mit den Zwergen ist, dass man wenig von ihrer Entwicklung und ihrem Familienleben kennt. Wenn Kili und Fili wirklich so jung sind, sehen sie vllt noch nicht so zwergig aus mit langem Bart und harten Gesichtszügen…aber das junge un-zwergige Aussehen passt nicht zu Thorin, der ja deutlich älter sein müsste. Ich hab zwar nichts dagegen, dass er etwas „hübscher“ ist, allerdings hab ich mir den im Hobbit deutlich älter und zwergiger vorgestellt….

      Im Original muss ich mir das auch noch angucken, das Lied war wirklich viel toller auf Englisch <3 Hach ja und der Soundtrack sowieso.

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