[Film] Chernobyl Diaries


Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 82 Minuten
Preis: 5,55€ für die DVD
Stichworte: Horror, verlassene Orte

Der Low-Budget-Horror Film Chernobyl Diaries handelt – wie es der Titel schon vermuten lässt – von dem Kernkraftwerk Tschernobyl bzw. spielt in der Stadt Prypjat, welche damals die Arbeiter und ihre Familien beherbergte und heute nach dem Reaktorunglück eine Geisterstadt ist.

Erste Frage natürlich: spielt der Film wirklich da?
Nein tut er nicht, er wurde in Serbien und Ungarn gedreht. Ich kenne die Location von Bildern und Dokumentationen, es ist meiner Meinung nach wirklich gut nachempfunden. Man sieht insbesondere das schon spöttisch anmutende verlassene Riesenrad, die Mehrfamilienhäuser und den verlassenen Schrottplatz (wo einige Fahrzeuge stehen gelassen wurden, weil sie aufgrund der hohen Strahlendosis nicht aus der Stadt geschafft werden können).

Zum eigentlichen Film: eine Gruppe von Touristen bucht bei einem Einheimischen eine Tour durch Prypjat. Solche Touren werden tatsächlich für 200-400 Dollar angeboten. Der vom Sarkophag umhüllte Reaktor 4 darf jedoch wegen seiner tödlichen Strahlendosis von gewöhnlichen Touristen nicht besucht werden. Jedenfalls kommt es wie es kommen muss: die Touris stranden ungewollt in Prypjat. Ist ja schon unheimlich genug in einer verstrahlten Geisterstadt festzusitzen, doch dann sind da noch gefährliche Wildhunde…und die ersten Leute aus der Mannschaft verschwinden. Ups.

Der Film fängt stark an, erinnert doch sehr an The Blair Witch Projekt, nur dass wir hier eine Menschensiedlung als Ort des Geschehens haben. Der Psychohorror kommt anfangs gut rüber. Die menschen-jagenden wilden Hunde fand ich etwas störend, aber sie waren aus erzähltechnischen Gründen wohl nötig.

Die zweite Hälfte und besonders das Ende war durch seine explizite Darstellung in der Schlusszene etwas schwach und hätte insgesamt einen Ticken länger sein können, denn da wurde ein Horror ganz anderer dargestellt: in einem ukrainischen Krankenhaus mit beginnender Strahlenkrankheit landen ist sicher nicht so toll.

Aber das mit der expliziten Darstellung ist wohl eh eine Geschmacksfrage, ich mag es ja lieber, wenn man die Mysteryelemente nicht wirklich zu Gesicht bekommt. (In einigen Amazon-Rezensionen wird bemängelt, dass in dem Film zu wenig zu sehen ist. So können die Meinung auseinander gehen).

Insgesamt war der Film doch überraschend gut. Klar, die Horrorelemente waren eher vorhersehbar für den geneigten Horrorfilm-Fan, aber dank der gelungenen Kulisse kam eine tolle Atmosphäre in der verstrahlten Geisterstadt auf. Und genau darauf hatte ich ja beim Aussuchen des Titels gehofft.

Wer sich mit Horror in sehr toller Atmo berieseln lassen möchte, ist hier für 5,55€ gut bedient. Innovatives Storytelling und Asia-Psychohorror sollte man allerdings nicht erwarten.

Und hier gibt’s eine Tschernobyl-Doku mit Ranga Yogeshwar. Ich weiß, dass er auch mal eine Doku/einen Beitrag gedreht hat, wo er in den Rektor 4 kurz durfte, allerdings ist das glaube ich im Netz nicht mehr auffindbar…