[Buch] Mother Night

Autor: Kurt Vonnegut (1922 – 2007)

: 1961, USA

Preis: 6,94€ (Kindle)

Seitenzahl: 290

Stichwörter: 2.Weltkrieg, Schuld- und Schuldgefühle

Inhalt: Okay, als ich gemerkt habe, dass es hier um den 2.Weltkrieg ging, entwich mir ein Seufzer und Unlust machte sich breit. Das Thema erscheint leider recht ausgelutscht. Aber was soll’s, dachte ich mir, ich habe hier einen Vonnegut vor mir liegen und mein absolutes Lieblingsbuch von ihm, Slaughterhouse Five, hat auch indirekt mit dem 2.Weltkrieg zu tun. Nun, zum eigentlichen Inhalt: Howard W.Campbell Junior sitzt in Israel im Gefägnis, um für seine Nazi-Verbrechen bestraft zu werden. Den eigentlichen Twist der Sache möchte ich hier nicht nennen, auch wenn er oft auf dem Klappentext etc. genannt wird.

Aufbau: Wie kommt ein Amerikaner dazu, für Naziverbrechen angeklagt zu werden? Diese Geschichte erzählt Campbell rückblickend. Was ich anfangs für den „Einblick in den Kopf eines Monsters“ hielt – wie es auch die Meta-Erzählung vermitteln will – entpuppt sich im Laufe der Geschichte als Frage der Schuld und Unschuld, jedoch in typisch Vonnegut’scher Art in einer fast gleichgültigen oder dekonstruktiven Weise präsentiert. When you’re dead you’re dead.

Fazit: „Eery“, war mein erster Gedanke. Unheimlich, gespenstisch. Vielleicht werden diese Gefühl auch dadurch verursacht, dass es hier nicht um die typische Kategorisierung in Monster oder Mitläufer geht. Nein, Campbell ist alles und gleichzeitig nichts. Vielleicht ruft genau dieses „alles und nichts“ jenes unheimliche Gefühl hervor.
Nun, wie schon bei anderen Büchern Vonneguts fällt es mir schwer, passende Worte zu finden. Satirisch, treffend, humorvoll, romantisch, bitter, unheimlich, um einige Attribute zu nennen, die ich Mother Night zuschreiben würde. Ein grandioses Buch vom einem grandiosen Autor.

P.S. Howard W. Campbell hat übrigens auch einen „Gastauftritt“ in Slaughterhouse-Five, genauso wie der Name O’Hare in beiden Büchern auftaucht, Bernard B. O’Hare in Slaughterhouse Five und Bernard V. O’Hare in Mother Night.
Außerdem wird in Mother Night erwähnt, dass Campbells Eltern innerhalb von 24h Abstand beide gestorben sind. Was mich ein bisschen an Cat’s Cradle erinnert, wo in der fiktiven Religion des Bokononism Angehörige eines Duprass nie lange ohne den anderen überleben. Interessant ist dieser Seitenverweis auch, wenn man sich mit der Darstellung von Campbells Liebesleben etwas auseinandersetzt.