[Buch] The Mind’s Eye

Autor: Oliver Sacks (*1933)

: 2010, USA

Kindleausgabe: 240 Seiten

Preis für das Ebook: 5,64€

Stichwörter: Neurologie, Psychologie, Sehen

 

In diesem Band geleitet der Neurologe und Märchenonkel Oliver Sacks den Leser in die Welt des Sehens. Wie immer präsentiert er diverse Fallstudien, die lose thematisch verknüpft sind.

Besonders interessant fand ich den Fall um einen Autor, der plötzlich seine Fähigkeit zu lesen verliert, allerdings dennoch weiter fähig war zu schreiben. Nur konnte er danach nicht mehr lesen, was er geschrieben hatte, die Buchstaben erschienen ihm wie kyrillische Lettern. Tatsächlich ergaben Untersuchungen, dass ein kleiner Teil seines Gehirns beschädigt war. Es ist jedoch evolutionsbiologisch nicht möglich, dass der Mensch einen extra Bereich für das Lesen im Gehirn hat, dieser Prozess wird wohl von einem Teil verarbeitet, der auch mathatische/logische Operationen durchnimmt und anscheinend ebenso visuelle Informationen verarbeitet, denn der Patient hatte Orientierungsschwierigkeiten nach dem Vorfall.

Ein anderer Fall berichtet beispielsweise von einer älteren Dame, der es plötzlich nicht mehr möglich war Objekte zu erkennen. Schirm oder Schlange, unmöglich zu unterscheiden. Die Augen funktionieren einwandfrei, die Dame ist ebenso bei klarem Verstand und sich ihrer visuellen Probleme bewusst.

Und wie immer erzählt Oliver Sacks auch etwas von sich selbst. Er berichtet ausführlich von seiner Gesichtsblindheit (wovon ich, glaube ich, auch eine leichte Form habe) und schließlich von seiner Liebe zur Stereoskopie. Ich erinnere mich auch noch an die 3D Bücher, wo man schielend reingucken musste, um die Bilder zu sehen! Dazu stellt er die Fallstudie einer Dame vor, die ohne räumliches Sehen aufwuchs, dies mit Ende 40 durch eine Therapie erlernte und dann von ihren wunderbaren Erlebnissen schildert, jetzt alles plastisch sehen zu können. Oliver Sacks spannt über diese Geschichte weiter den Bogen, und erzählt von seiner Krebserkrankung am Auge und den Folgen für sein räumliches Sehen.

Fazit: Spannend wie immer, diesmal besonders interessant, da Oliver Sacks auch sehr viel persönliches erzählt, von seiner Leidenschaft zur Stereoskopie bis hin zu seiner Krebserkrankung. Und wer wissen möchte, wie blinde Menschen mit der Zunge sehen können, sollte hier mal reinlesen.

5stars

Ideal als Ergänzung zum Thema Sehen ist Sacks Fallstudienbuch Hallucinations.