[Film] Escape from Tomorrow + Zero Charisma

Die Tage habe ich zwei Indiestreifen geguckt, sofern man diese noch als „Indie“ bezeichnen würde, jedenfalls waren es keine Hollywood-Großproduktionen.

Das Interessante an Escape from Tomorrow ist sicher die Entstehungsgeschichte. Gefilmt wurde per „Guerillatechnik“ in Disneyworld World. Dh. die Filmcrew versuchte größtenteils unerkannt zu bleiben und filmte mit handelsüblichen Kameras. Was daraus entstanden ist, ist schon erstaunlich, denn die meisten Szenen wirken wie bei einem „normalen“ Film. Einzig einige Bluescreen-Szenen stechen hervor, gepaart mit der Schwarz-Weiß-Technik wirkt Escape from Tomorrow dadurch oft wie ein älterer Film aus dem 50er Jahren. Der Erzählstil erinnert stark an David Lynch, etwas Horror, etwas Psychothriller und Absurdität. Allerdings errreicht der Film für mich nicht die Genialität von Lynchs Produktionen.
Insgesamt hat mir Escape from Tomorrow ganz gut gefallen, nur die Szenen in dem Globus und die damit verbundene letzte Szene habe ich nicht annähernd verstanden (sowohl akustisch als auch inhaltlich), mal abgesehen davon, dass diese Szenen stilistisch irgendwie nicht zum restlichen Film passten. Dennoch ist Escape from Tomorrow sicherlich allein aufgrund der besonderen Filmtechnik und des Settings sehenswert.

Bei Zero Charisma ist der Name Programm! Es geht um einen älteren Fantasy-Rollenspiel-Nerd, der seine Spielleiteraufgabe etwas zu ernst nimmt und sich durch den neuen Mitspieler Miles in seiner Autorität bedroht fühlt. Wegen des Trailers fürchtete ich etwas, dass hier Rollenspieler generell als idiotische Volltrottel dargestellt werden, aber schnell ist klar, dass allein die Hauptfigur Scott hier einen an der Waffel hat. (Und ich muss ja gestehen, dass er mich an einige Personen erinnert, die ich indirekt aus der „Rollenspiel-Szene“ kennengelernt hab). Auch erfrischend, dass der Hipster Miles nicht von Anfang an negativ dargestellt wird. Er interessiert sich für Geek Culture, zeichnet eigene Comics und scheint ein ganz netter zu sein…bis sich am Ende meiner Meinung nach recht realistisch zeigt, wo der Unterschied zwischen ihm und den anderen Rollenspiel-Nerds liegt. Jedenfalls kam es mir sooo bekannt vor, als Miles dann die Party hatte und seine Mitspieler feststellten, dass sie nicht eingeladen waren. Obwohl Miles vermeidliche „Randinteressen“ hat, bleibt er einer von den „coolen Leuten“, die ihren Ruf wahren wollen. Erinnerte mich jedenfalls an einige unschöne Situationen, wo vermeidliche Außenseiter sich als eine andere Art von „coolen Leuten“ entpuppten.
Zero Charisma: Überraschend gut und sehr unterhaltsam!