[Film] Ender’s Game + Gravity

Mal wieder eine filmische Doppel-Review. Die Herbstferien wurden für Kinogänge genutzt, letzte Woche ging es in Ender’s Game.

Das dazugehörige Buch hatte ich bereits vor einem Jahr gelesen, ganz so frisch waren die Erinnerungen nicht, aber letztendlich ausreichend, um den Film zu verstehen. Und hier wären wir schon auch an dem Punkt angelangt, wo der Film seinen größten Makel hat: für Leute, die das Buch nicht kennen, wird er wohl an einigen Stellen sehr verwirrend sein. Wichtige Elemente des Buches werden in vielleicht nur ein paar Szenen angerissen (Enders Probleme mit seinem älteren Bruder, das „Dritter-sein“, die Zeit am See). Da hätte ich es besser gefunden, wenn man die einfach weggelassen hätte, denn es ist klar, dass das Medium Film kein ganzes Buch nacherzählen kann.
Für Buchkenner ist der Film sicherlich eine schöne Visualisierung des Gekannten, auch glänzt Asa Butterfield in seiner Rolle als Ender (was man leider von Harrison Ford und Ben Kingsley nicht sagen kann, beide fand ich eher mau in ihren Rollen). Allerdings hätte doch entweder der Film etwas länger gemacht werden können (bei 90min ist sicherlich Spielraum nach oben) oder alternativ die Handlung verkürzt werden können. So wirkte die Erzählung viel zu hektisch und geradezu rasend, dass man als „Neuling“ kaum verstehen könnte, wieso Ender so ein brilliantes Genie sein soll. Und leider ist eine der Schlüsselszenen im Film ziemlich untergegangen, was nicht an Butterfields schauspielerischer Leistung lag – die war grandios – sondern durch die Schnitt- und Erzähltechnik nicht genügend Aufmerksamkeit bekam. Ich rede hier von der Szene wo Ender erfährt, dass seine Abschlussprüfung eine tatsächliche Schlacht war, wo er Soldaten in den Tod geschickt hat.
Also: erst das Buch lesen, dann den Film schauen. In der Reihenfolge kann ich die Geschichte um Ender durchaus empfehlen.

Gestern ging es schließlich in Gravity. Zugegeben, nur wegen der fast durchweg positiven Kritiken. Denn ehrlich gesagt hatte mich die Kombi „George Clooney + Sandra Bullock = allein im Weltall“ ziemlich abgeschreckt, auch wenn ich der eigentlichen Thematik nicht abgeneigt bin. Also, dann wurde doch die bittere 3D-Pille geschluck, den auch diesen Film kann man hier im Raum nicht in 2D sehen. Tja, und was lernen wir daraus, wenn ein Film fast durchweg positive Kritiken bekommt? Das heißt absolut nichts.
Die ersten 20min gefielen mir noch recht gut. Anders als bei den meisten Sci-Fi Filmen wurde der Weltraum als still dargestellt, dazu die wunderschönen Bilder von der Erde und dem Weltraum, leider nur getrübt durch die 3D Brille (für mich wirkt stereoskopes Sehen immer sehr unreal und künstlich, also sehr ungeeignet für reale Bilder). Nach den ersten 20min wurde es langsam etwas „hmm“. Dann kamen die ersten „hmpf“, als sich eine Katastrophe an die nächste reihte. Die „grmpf“ folgten, als sich die Katastrophen auch noch 1:1 wiederholten. Meine Haare raufen wollte ich, als die Bullock ihr Werkzeug im All fast verlor. Den Tod wünschte ich ihr schließlich bei der Szene, als sie vor sich hin heulte. Also wie ein Hund. Ja, verzweifelter Mensch und so, für diese Darstellung hätte man aber wohl eine Schauspielerin mit Talent gebraucht (ich denke da zb. an den Cast von Broadchurch). Zu der Zeit verspürte ich nur noch den Drang meine Brille gegen die Leinwand zu werfen und schreiend rauszurennen. Mittlerweile verabschiedeten sich auch die stillen Szenen, es ist wohl unmöglich, dass der Zuschauer einfach den Zustand akzeptiert, dass es im All nicht „Bumbum“ macht, nein, das musste zumindest mit epischer unpassender Musik dargestellt werden. Gnarf.
Höhepunkt war wohl das lahme Ende. Natürlich schafft sie es, denn wir haben hier einen Hollywood-Blockbuster, den charmanten Clooney schon verloren bzw. für sie geopfert und alles ist am Ende gut, sogar von dem Kindstod ist sie geheilt. Yay. Not. Feige. Einen stillen Tod im Weltraum hätte ich besser gefunden.

Gravity versucht sich an einem anderen Konzept als die Masse der Sci-Fi-Filme, scheitert dann aber kläglich daran, es doch auch den gewöhnlichen Kinogängern recht machen zu wollen: zig absurde Actionszenen wurden eingebaut, Clooney legte eine charmante Schleimspur wie in jeder Rom-Com (immerhin wurden wir halbwegs verschont mit Liebesgeschichten) und durch die Prämisse gab es noch einen Seitenhieb gegen die Russen. Denn die Amis sind am Ende die besten. Gääääähn. Schade, aus der Idee hätte man so viel machen können, aber letztendlich wurde es fast ein zweites Solaris-Debakel (kurioserweise auch mit Clooney-Faktor). Immerhin gab es etwas gutes: jetzt hab ich wieder Lust ein Buch von Lem zu lesen.