[Buch] The Moon is a Harsh Mistress

AutorRobert A. Heinlein (1907-1988)

: 1966, USA

Seiten: 288 Seiten (Kindle)

Preis: 7,99 für die Kindle-Ausgabe

Stichwörter: Sci-Fi, Politik, Kolonien, Revolution, künstliche Intelligenz

Ist das Buch wirklich nur 288 Seiten lang? Mir kamen es vor wie mindestens 500…aber fangen wir von vorne an:

Der Mond, hier von den Bewohnern Luna genannt, wurde vor einigen Generation als externes Sträflingslager der Erde genutzt. Ähnlich wie in Australien entwickelte sich daraus schließlich eine eigene Kolonie mit freien Menschen. (Spannend ist auch, dass die Gesellschaft einen Männerüberschuss hat, weswegen die Polyandrie als Eheform bevorzugt wird). Ganz frei nicht, denn die Erde will gefüttert werden. Ja, richtig, auf dem Mond wird durch eine spezielle Methode Getreide angebaut, um so dem Welthunger entgegen zu kommen. Und das auf Kosten von Luna und ihrer Ressourcen.
Unser Protagonist, der Informatiker Manuel, macht sich dennoch nicht viel aus Politik. Doch durch zahlreiche Verstrickungen wird er zu einem der Hauptführer der Revolution. Zusammen mit Mike. Dem Zentralcomputer Lunas.

Man könnte sagen, dass sich hier zwei Geschichten abspielen: auf „innerer Ebene“ geht es um die „Menschwerdung“ des Computers Mike. Unweigerlich denkt man natürlich an HAL aus 2001, dessen literarische Grundlage zwei Jahre nach Heinleins Buch erschien. Auf der „äußeren Ebene“ haben wir die Erzählung um die Revolution, bei der auch Mike mitmischt. Diese beinhaltet viele Planungen und viele Diskussionen. Teilweise hat man das Gefühl, in einer Politik-Vorlesung zu sitzen.

Ja, ich kann verstehen, wieso The Moon is a Harsh Mistress den Hugo Award erhielt (siehe Wikipedia). Auch fast 50 Jahre später ist die Erzählung noch aktuell. Es gibt zwar kein Twitter, aber dort werden die Revoultionen mithilfe von Telefonleitungen durchgeführt. Vergisst man kurz, dass die Revolution auf dem Mond stattfindet und ein Computer involviert ist, könnte man die ganze Geschichte auch auf heutige Zeiten übertragen.

Doch die vielen Diskussionen und Ausführungen zum Thema Revolution, die zahlreichen Planungen, das ständig besprochene „politische Gedankengut“ haben das Buch für mich auch recht mühselig gemacht. Man fühlt sich als ob man selbst an den zahlreichen langwirigen Konferenzen teilnimmt. Während Dystopien wie Brave New World und 1984 auch politische Umstände behandeln, empfinde ich sie noch als kurz und knackig. Diese langen politischen Ausführungen machen bei The Moon is a Harsh Mistress sicher das besondere Element aus, aber darunter leidet dann die Unterhaltsamkeit, zumindest aus heutiger Perspektive. Nichtsdestotrotz ist es einfach spannend zu lesen, wie ein Autor sich vor 50 Jahren die Kolonisierung Lunas vorstellte und dazu noch ein eigenes Sozialsystem entwickelte. Die überall präsenten Telefone und allesverbindenden Telefonleitungen samt persönlicher Telefon-ID für jeden Bürger erinnern schon etwas an das Internet…

Fazit: Verständlich, dass The Moon is a Harsh Mistress als einer der Sci-Fi-Klassiker gilt. Für den Leser von heute etwas mühselig zu lesen. (Außerdem hat mich der pseudorussische Dialekt des Ich-Erzählers genervt). Ich würde nicht sagen, dass das Buch ein must-read ist, aber wer sich für die Geschichte der Sci-Fi-Literatur oder auch für das Thema Revoultionen interessiert, kann hier mal reinschauen. Die Geschichte um den Computer Mike fand ich mitunter am spannendsten. Auf eine Sterne-Bewertung verzichte ich in diesem Fall bewusst, da das Buch im Kontext des Erscheinungszeitpunkts und zusätzlich aus heutiger Sicht bewertet werden müsste.