[High Five] Raymond E. Feist

In dieser Reihe werde ich meine liebsten High Fantasy-Autoren vorstellen. Am Ende des Post befindet sich für alle Lesefaulen ein Kurz und Knackig mit 5 Stichworten sowie den Links zur englischen bzw. deutschen Ausgabe des ersten Bandes.

Nachdem ich letztes Mal Robin Hobb vorgestellt habe, geht es nun mit einem Autor weiter, der ebenso klassische High Fantasy schreibt. Anders als bei Hobb ist allerdings bei diesem Autor das Tolkien’sche Erbe deutlich zu erkennen. Doch das was Tolkien zeitlich nur ansatzweise geschafft hat, ist Raymond E. Feist gelungen: eine epische Saga niederschreiben.

highfive

Raymond E. Feist ist 1945 geboren und gehört damit zur älteren Generation der Fantasy-Autoren. Bekannt wurde er durch den Rift War Cycle, eine Ansammlung von Romanen und Kurzgeschichten, die in Midkemia spielen. Entstanden ist die Welt um Midkemia allerdings nicht primär aus der Schreibambition eines jungen Autors heraus. Der junge Feist spielte während seiner Studienzeit mit einigen Kommilitonen gerne das Pen&Paper Spiel Dungeons & Dragons. Und wie es oft ambitionierte Rollenspieler versuchen, sollte eine eigene Welt her: Midkemia war von der Rollenspiel-Gruppe geschaffen. Die Gründer der Midkemia Press scheinen noch heute halbwegs aktiv zu sein, auch wenn man die Produkte nicht mehr als Printausgabe erwerben kann.

Tja, und dann war da Raymond E. Feist, der es geschafft hat diese Rollenspielwelt in eine tolle Fantasy-Saga zu verwandeln. Manche Leute mögen mich für diese Aussage schlagen, aber ich finde andere Bücher zu den klassischen Rollenspielen grottig und vor allem für Nicht-Spieler uninteressant. Nicht so bei dem Rift War Cycle.

Der Riftwar Cycle begann 1982 mit The Riftwar Saga. Die Reihe besteht aus den Büchern Magician, Silverthorn und A Darkness at Sethanon. Danach kamen diverse Einzelbände und weitere Zyklen. Man schaue sich in Wikipedia um und staune, dass bis 2013 fast jährlich ein neues Buch erschien. Also, was ist nun diese Mischung aus Tolkien und Rollenspielwelt?

Die Tolkien’schen Elemente sind klar: es gibt Menschen, dann vereinzelt Elfen und Zwerge. Das besondere sind die Valheru, die Dragon Lords. Sie ähneln Tolkiens Valar/Maiar, sind also „höhere“ Wesen als Menschen, Elfen und Zwerge. Sie bevölkerten vor diesen die Welt. Zu den Maiar gehörte auch Sauron. Und genau mit diesem könnte man die Valheru vergleichen. Nur einen Ticken brutaler und herrschaftssüchtiger. Zum Glück sind die Valheru nur noch ein Teil von Märchengeschichten, für einige Elfen (in Midkemia Eledhel genannt) aber durchaus eine schreckliche Erinnerung an dunkle Tage. Schon im ersten Band spielen die Valheru eine große und bedeutende Rolle, alles beginnt mit der Geschichte um den eher ungewöhnlichen Valheru Ashen-Shugar, der aus welchen Gründen auch immer eine Verbindung zu dem Menschenjungen Tomas aufgebaut hat…ich kann nicht sagen, welche Rolle die Valheru über die ganze Reihe hinweg spielen, aber ich vermute mal, dass sie durchgehend von Bedeutung sind.

Und was hat die Welt mit Rollenspiel zu tun? Wie ich finde ist sie recht detailliert, auch für eine High Fantasy-Welt. Es gibt nicht nur das westlich-mitteralterlich angehauchte Königreich, sondern im Süden auch das Imperium von Kesh, das eindeutig orientalische Wurzeln hat. Die dreiteilige Reihe The Empire Trilogy enführt den Leser in jene Welt. Aber nicht nur Kesh macht die Welt von Midkemia besonders. Der Riftwar Cycle ist zwar auf die Stadt Krondor fixiert, ab es gibt so viele Orte mit ihren kleinen Eigenheiten und Persönlichkeiten, die dazu einladen, dort Geschichten zu erleben. Auch wenn neuere High Fantasy oder auch Reihen wie A Song of Fire and Ice eine große Detaillgetreue bieten, so empfand ich die Welt von Feist immer als noch detaillierter, eben als ob er seine Rollenspiel-Reisen durch Midkemia niedergeschrieben hätte.

Ich habe damals, um 2005 herum, den Riftwar Cycle aus Versehen mit dem zweiten Riftwar angefangen. Einziges Manko war, dass ich nicht die Freude aller Hauptcharaktere verstehen konnte, als ein Charakter namens Pug auftauchte. Ansonsten vermute ich stark, dass die einzelnen Trilogien nur lose miteinander verbunden sind, schließlich vergehen zwischen den Reihen einige Jahre und oft 1-2 Generationen. Deswegen sollte man nicht vor dem Berg an Büchern zurückschrecken. Es ist sogar möglich, einfach nur den wunderbaren (und für mich bisher besten) ersten Band Magician zu lesen und es dann sein zu lassen. Dieser ist nämlich komplett in sich abgeschlossen und eins meiner liebsten Fantasybücher überhaupt.

Kurz zu Magican: der einfache Junge Pug wird von dem Hofmagier als sein Lehrling ausgewählt. Leider ist Pug schlechter als gedacht. Und dann wird er auch noch zusammen mit seinem Freund Tomas, dem Soldaten-Lehrling, in den Krieg mit den außerirdischen Tsurani reingezogen. Eine klassische coming-of-age Geschichte, die einige Überraschungen bietet. In sich abgeschlossen, absolut lesenwert.

Wer sich mit dem Genre High Fantasy aussetzen möchte, sollte zumindest Magician gelesen haben. Und wenn man mag, kann man noch die Trilogie beenden. Oder so verrückt wie ich sein, und den ganzen Riftwar Cycle lesen wollen. Zwar habe ich gesagt, dass die Reihen sehr lose miteinander verbunden sind, aber es gibt doch einige Charaktere, die eine enorme Wichtigkeit haben und über die Jahre hinweg immer wieder auftauchen. Und schließlich bleiben da noch die Valheru, als ewige Bedrohung, sowie die Rifts, durch die man andere Welten/Planeten bereisen kann. Ja, ich schrieb eben bei der Kurz-Beschreibung zu Magician „die außerirdischen Tsurani“. Das sind keine Akte X- Aliens sondern Menschen, die schlichtweg in einer anderen Welt leben. Und diese verschiedenen Welten werden durch die Rifts verbunden. Heutzutage wirken solche Sci-Fi-Elemente vielleicht etwas abgedroschen, aber es ist durchaus sehr lesenwert. Und ich denke, dass Feist mitunter einer der ersten war, der dieses Weltenreisen (es erinnert mich stark an alte griechische Sagen) wieder aufleben ließ.

Feists Bücher gehören eindeutig zu den Klassikern, im Vergleich zu heutiger High Fantasy sicherlich nicht sonderlich innovativ, aber im Kontext seiner Zeitgenossen brachte Feist die High Fantasy einen großen Schritt weiter aus seinem Nischendasein. Und was mich noch am meisten reizt an dieser Reihe ist eben, dass es zig Bände gibt und man über Generationen hinweg die Geschichte Midkemias erleben kann.

Kurz und knackig: Raymond E. Feist

1. viel Stoff
2. die Valheru
3. Weltenwandern
4. komplexe detallierte Welten
5. coole Magier wie Pug und Macros

Beginnen mit: Magician bzw. auf deutsch Der Lehrling des Magiers und Der Verwaiste Thron

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