[High Five] Brandon Sanderson

In dieser Reihe werde ich meine liebsten High Fantasy-Autoren vorstellen. Am Ende des Post befindet sich für alle Lesefaulen ein Kurz und Knackig mit 5 Stichworten sowie den Links zur englischen bzw. deutschen Ausgabe des ersten Bandes.

Nachdem ich erst Robin Hobb und dann Raymond E. Feist vorgestellt habe, kommt hier einer der zur Zeit wohl bekanntesten Fantasy-Autoren: Brandon Sanderson.

highfive

Brandon Sanderson ist 1975 geboren und seit noch nicht mal 10 Jahren veröffentlichter Autor. Er studierte Kreatives Schreiben, machte im Jahr 2005 seinen Abschluss und veröffentlichte im gleichen Jahr seinen ersten Roman, Elantris. Er unterrichtet heutzutage auch Kreatives Schreiben an seiner Alma Mater und veröffentlich seit 2008 den Podcast „Writing Excuses“. Sicherlich interessant und ungewöhnlich für deutsche Leser ist, dass Sanderson als Missionar in Süd Korea gearbeitet hat, kirchentreu ist und auch an einer kirchlichen Hochschule studiert hat. Seine Interesse für Religiösität scheint auch in vielen seiner Romane durch, ist aber auch für unreligiöse Menschen auf einem maßvollen Niveau.

Im Zuge seiner Tätigkeit als Autor, Student und Lehrer formulierte Sanderson die Sanderson’s Laws. Es ist nicht nur für Autoren sondern auch für Leser interessant darauf mal einen Blick zu werfen. Ursprünglich bezogen sich Sandersons Gesetze auf Fantasy, können aber laut seiner Aussage auch auf Sci-Fi ausgeweitet werden.

1. An author’s ability to solve conflict satisfactorily with magic is directly proportional to how well the reader understands said magic (mehr dazu…)

Hier widerspricht Sanderson der Annahme, dass Magie keine Regeln hat/haben sollte (kennen wir alle: „How did this happen? It’s magic!“), denn dies führe unweigerlich den Deus Ex Machina-Effekt ein, der den Leser nicht wirklich befriedigt zurücklässt. Ein Beispiel aus dem Herrn der Ringe wäre die Geschichte mit den Adlern, die Frodo zwar aus Mordor gerettet haben, aber ihn doch im Umkehrschluss auch hätten dahin bringen können, damit er den Ring vernichten kann. Viele empfanden das als willkürlich und unlogisch. Meiner Meinung nach ist es das nicht, aber dafür muss man sich tiefer mit der Materie Tolkien’s auseinandersetzen. Daher kann man zumindest dem Film vorwerfen, er hätte seine Zuschauer nicht ausreichend informiert. Der Zuschauer ist unzufrieden, weil er nicht versteht, nach welchen Regeln dieser Konflikt gelöst wurde und wieso eine Gegebenheit (Adler können Hobbits transportieren) nicht anderswo (Adler können Ringträger nach Mordor bringen) zu tragen kam.
Wer Sandersons Bücher kennenlernt, wird schnell merken, dass es sich immer um Magie-Systeme handelt, die Regeln unterliegen. Wobei es auch Überraschungen gibt, weil die Systeme nie komplett ergründet sind bzw. sowohl vom Leser als auch von den Charakteren im Laufe der Erzählung näher kennengelernt/erforscht werden. Eines der besten Beispiele ist die Mistborn Reihe mit dem Magiesystem Allomancy: das Schlucken von Metallstücken gibt besonderen Menschen bestimmte Kräfte. Es sind allerdings noch nicht die Effekte von allen Metalllegierungen bekannt und werden erst im Laufe der Reihe teilweise entdeckt. Ein bisschen erinnert es mich an unsere eigene Geschichte, wie im Lauf der Zeit weitere chemische Elemente entdeckt wurden.

2. Limitations > Powers

Schwächen sind interessanter als Stärken. Das gilt nicht nur für die Ausarbeitung der Hauptcharaktere, die alle ihre Schwächen haben, sondern auch für die „Bösewichte“. Insbesondere Sandersons Serie The Reckoners verdeutlich dieses Prinzip, wo einige Menschen nach einem Vorfall zu Superkräften gelangt sind, mit dem Nachteil, dass es sie zwangsläufig „böse“ und herrschsüchtig macht. Aber jede dieser Superkräfte hat eine besondere Schwäche, die die Untergrundgruppierung The Reckoners versucht herauszufinden, um sich so die Freiheit zu erkämpfen.

3. Expand what you already have before you add something new.

Man kann mittlerweile getrost sagen, dass Sanderson der Meister großer Fantasywelten ist. Dabei bedient er sich eines einfachen Tricks: es gibt das Universum namens Cosmere, in dem ein großer Teil seiner Geschichten spielt. Aber jede Reihe bzw. jede stand-alone-novel kann für sich gelesen werden, ohne das man den Begriff „Cosmere“ oder die Verwandtschaft zwischen den Erzählungen überhaupt kennen muss. Aber auch innerhalb von Sandersons Erzählungen wird man wie bereits oben erwähnt feststellen, dass seine dritte Regel zum tragen kommt. Es einen kleinen Ausgangspunkt, der im Verlauf der Geschichte immer weiter erkundet wird. Selbst bei großen Wälzern wie The Way of Kings fällt der Einstieg dadurch erstaunlich leicht. Letztendlich ist genau diese großes Universum das, was Sandersons Geschichten besonders spannend für mich macht, es ist wie eine große Schnitzeljagd durch diverse Bücher und Geschichten. Aber auch ohne die Ambition, mehr über Cosmere zu lese, sind seine Bücher zu empfehlen.

Letztendlich möchte ich noch allgemein Brandon Sanderson für seine Schreibfähigkeiten loben. Er hat schon mehrfach gezeigt, dass er nicht in Fantasy-Klischees verfällt und außerdem auch in anderen Genre sich grazil bewegen kann. Ebenso wäre da noch die Tatsache, dass er ein absoluter Schnellschreiber ist. Seine Kurzgeschichten und stand-alone Bücher verfasst er mal so nebenbei, was große Bücher betrifft, so möchte er jedes Jahr ein neues rausbringen. Und daneben hat er es noch geschafft The Wheel of Time zu beenden, da Robert Jordan vor Vollendung verstarb. Man schmunzelt natürlich mittlerweile, dass Sanderson irgendwann auch A Song of Ice and Fire beenden wird…
Wie auch immer, ich komme dann mal aus dem Schwärmen raus und gebe konkrete Lesetipps. Denn bei dieser Masse an Büchern ist es schwer, einen Anfang zu finden.

Wo fange ich an?

Brandon Sanderson hat viel geschrieben. Wirklich viel. Ich versuche immer hinterher zu kommen, aber dann taucht doch wieder eine mir unbekannte Kurzgeschichte auf.

Wer Lust auf ein Buch hat, beginnt am besten mit Mistborn. Es ist zwar eine dreiteilige Reihe, aber der 1. Band ist im Prinzip in sich abgeschlossen.

Danach entweder die beiden stand-alones Elantris und Warbreaker lesen, oder sich an The Stormlight Archives machen (wenn man erträgt, dass es bisher nur 2 von 13 geplanten Bänden gibt). Wer eher Sandersons Schreibfähigkeiten erforschen will, kann nach der Mistborn-Reihe Alloy of Law lesen und sieht, wie die Welt von Mistborn einige Jahrhunderte später aussieht. Das ist im Prinzip ganz interessant, weil es von Mistborn auch eine Sci-Fi Trilogie geben soll.

Wer Interesse an Sci-Fi hat, liest Legion (Kurzgeschichte) oder besser noch Steelheart. Letzteres ist vielleicht auch für Leute interessant, die das Superhelden-Genre mögen.

Und wer erstmal etwas Kurzes aus dem Bereich Fantasy lesen möchte, dafür gibt es The Emperor’s Soul. Allerdings weiß ich nicht, ob die Kurzgeschichten gute Einstiege sind, selbst ich als Kenner empfand sie oft als verwirrend bzw. positiv ausgedrückt eher als kleiner Bonus/Vorgeschmack und weniger als alleinstehende Geschichten.

Kurz und knackig: Brandon Sanderson

1. Magiesysteme
2. gute Lesbarkeit
3. eine Welt so groß wie ein Universum
4.Verbindung von Sci-Fi und Fantasy
5. er schreibt viel und schnell
(6. wunderschöne Buchcover)

Beginnen mit: Mistborn – The Final Empire bzw. auf deutsch Die Kinder des Nebels (wobei ich besonders bei Brandon Sanderson dazu raten würde, die Bücher im Original zu lesen…eine Übersetzung kann zb. nicht alle Anspielungen auf Cosmere einfangen, weil die Übersetzer von diesen nicht wissen)
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2 Gedanken zu „[High Five] Brandon Sanderson“

  1. Ich muss unbedingt mal was von dem lesen. Gerade seine Gesetze klingen ja sehr interessant. Nichts ist doofer als Magie ohne Regeln. Fand ich ja schon bei Buffy doof, wie Willows Fähigkeiten sich da immer situationsgerecht weiter- und zurückentwickelt haben…

    1. Ja, Willows Magiefähigkeiten hab ich auch nicht so ganz durchschaut. Aber das gilt auch für die Dämonen/Vampire…

      Was die Magiesysteme angeht, so ist momentan Mistborn die beste Lektüre und zeigt am besten Sandersons Potenzial. Von der Erzählung ist es auch außergewöhnlich, zumindest wenn man weiter als Band 1 liest^^

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