[Serie] Battlestar Galactica (2004)

Seit einigen Wochen binge-watche ich Battlestar Galactica und bin nun am Ende angekommen *schnief* Die üblichen post-serialen Depressionen sind schon eingetreten und finden nur einen kleinen Trost darin, dass man die Serie locker auch ein zweites Mal durchschauen kann. Außerdem vielleicht ein Trost: von dem eigentlich Reboot einer wohl nicht ganz so guten Serie aus den 70ern, soll nun ein Reboot von dem Reboot aus 2003 folgen soll. Prinzipiell stehe ich solchen kurz aufeinander folgenden Reboots sehr kritisch gegenüber, kann aber die Beweggründe bei Battlestar Galactica verstehen. Aber dazu später mehr. Erstmal ein Kommentar zu Battlestar Galactica von 2003.

Worum geht’s?
Die Menschheit lebt auf 12 Planeten, den sogenannten 12 Kolonien. Diese werden von einem Präsidenten und einem Kabinett mit je einem Vertreter der Kolonien regiert. Die Gesellschaft ist technisch so weit entwickelt, dass sie intelligente Maschinen schuff – die Cylon. 40 Jahre vor dem Beginn der Haupthandlung kam es zu einer Auseinandersetzung: die Maschinen rebellierten gegen ihre Schöpfer. Die Menschen konnten die Maschinen zurückdrängen und handelten einen Waffenstillstand aus. 40 Jahre lang verschwanden die Cylonen von der Bildfläche…bis sie zu Beginn der Serienhandlung mit einem verherrenden Angriff fast die ganze Menschheit auslöschen. Nur einige Raumschiffe – zivile Schiffe, Industrieschiffe, Militärschiffe – konnten unter der Führung der Battlestar Galactica – die aufgrund ihres Alters eigentlich bald ausrangiert werden sollte – gerettet werden. Und so begaben sich die letzten Menschen auf die Flucht vor den Cylonen.
Fun fact: in den 40 Jahren haben sich die Cylonen stark weiterentwickelt. Sie sehen nicht mehr wie Blechroboter aus (von den Menschen toaster genannt), sondern wie ganz normale Menschen, nicht zu unterscheiden von echten Menschen. In einer Flotte von gut 50.000 Menschen, die sich größtenteils fremd sind, beginnt das nervenaufreibende Spiel um Anschuldigungen und Sabotage. Und Paranoia. Denn wer weiß eigentlich so genau, dass er selbst wirklich ein Mensch ist? Wird die Suche nach einer neuen Heimat unter diesen Bedingungen Erfolg haben?

Was ist so toll dran? Ich hatte meine Probleme mit der Serie warm zu werden. Die Charaktere waren irgendwie träge und uninteressant, die Handlung um Gaius Baltar irgendwie zu abgefahren und insgesamt konnte es mich nicht packen. Aber dann gab ich der Serie eine zweite Chance. Die 3.5h-Miniserie, die als Pilotfilm dient, hat mich doch ziemlich geschlaucht, so ein langes Format ist einfach nichts für mich, aber man muss es doch am Stück gucken. Je mehr Folgen ich schaute, desto süchtiger wurde ich…die anfangs so uninteressant wirkenden Charaktere entwickelten so langsam ihr Potenzial und wuchsen einem ans Herz (ok, manche wuchsen eher wie ein Geschwür am Hintern…). Vielleicht zündeten die Charaktere erst so spät, weil sie sehr realistisch gezeichnet sind. Selbst die Leute, die man eigentlich direkt in eine Schublade stecken möchte, zeigen doch viele Facetten und handeln oft unerwartet oder gegen das vermutete Klischee. Das Charakterspiel ist auf einem Niveau, dass 2003 sämtliche Serien sicherlich übertroffen hat und auch locker mit heutiger Charakterdarstellungen mithalten könnte. Oder sie sogar übertreffen würde.

Dass die Serie über 10 Jahre alt ist merkt man ihr kaum an. Es gibt zwar einige Füllerfolgen, stellenweise verät die Kameraführung etwas zuviel von künftigen Überraschungen und vieles ist vorhersehbar, weil man als Seriengucker schon „trainiert“ ist…aber insgesamt war die Serie Battlestar Galactica durch ihre Erzähltechnik ihrer Zeit weit voraus. Schaut man sich die damalige Konkurrenz an – The Wire, The Sopranos, Lost – so muss sich Battlestar Galactica nicht verstecken.

Weswegen ich mich frage, wieso die Serie nicht öfters in den Top-Listen auftaucht. Ein Ansatzpunkt wäre, dass sie eventuell Genre-Anhänger enttäuscht. Es ist kein altes Star Trek (zum Glück) und auch die Sci-Fi Aspekte bezüglich der Cylonen halten sich in Grenzen (eher ähnelt es einer Gesellschaftsstudie, ähnlich wie in Real Humans). Noch dazu kommen hier Mysteryelemente ins Spiel, die mit der 3 und 4 Staffel intensiver werden und das ganze Genre etwas ab von Sci-Fi zu Mystery verschieben. Letztendlich hat mir das aber auch gut gefallen. Selbst wenn man die Mystery-Elemente für etwas zu abgehoben hält, so ändert das nichts daran, dass man mit der Serie und den Charakteren unglaublich viel Spaß hat.

Noch was zu den Frauenfiguren: die 10 Jahre alte Serie ist da deutlich weiter fortgeschritten als heutigen Serien. Ja, langsam etablieren sich die strong female characters (How to get away with murder, Orange is the new black, Orphan Black). Aber letztendlich befinden wir uns noch in einer Zeit, wo solche Frauencharaktere etwas Besonderes sind und ihr Frau-Sein weiterhin im Vordergrund steht, nicht ihre Gesinnung, ihr Beruf, ihre Aufgabe. Ich sage es immer wieder: ein Krieger ist ein Krieger, aber sobald der Charakter weiblich ist, wird er zu „eine Frau, die Kriegerin ist“.
Ganz anders ist da Battlestar Galactica. Nicht nur, dass der Hauptcast gleichmäßig gemischt ist und die dargestellte Gesellschaft bei der Gleichberechtigung angekommen ist (ein Mann-Frau-„Kampf“ wird nirgendswo thematisiert, es ist einfach so, dass alle „gleich“ sind). Die Charaktere könnten genauso gut vom anderen Geschlecht gespielt worden sein, ohne dass sich großartig etwas verändern würde. Besonders merkt man das an der Figur Kara Thrace, die anfangs dem Zuschauer wie ein Mannsweib vorkommt. Man aber merkt, dass ihre Art daher rührt, dass sie a) ein Pilot ist und b) einfach so einen Charakter hat. Schnell stellt man fest, dass auch die übrigen Piloten, männlich und weiblich, eher harte extrovertierte Typen sind. Auch bei der „Obrigkeit“, der Präsidentin und dem Commander, werden die Konflikte rollenbezogen thematisiert, letztendlich ist auch hier das Geschlecht vollkommen irrelevant für die Charakterzeichnung. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich bin einfach nur begeistert, dass die Frauenfiguren nicht als Frauen-Requisten oder Hollywood-Stereotypen auffallen sondern als komplexe Charaktere.

Fazit: Ich kann die Serie jedem Serienfreund ans Herz legen. Im Prinzip ist für jeden Geschmack etwas dabei. Es gab sicherlich einige Folgen, die man nicht so mag, weil man einen bestimmten Aspekt der Serie toll findet, aber das hinderte mich nicht am binge-watchen. Ich liebe die Weltraum-Thematik, die an Firefly erinnert oder wie Firefly hätte sein können mit etwas mehr Folgen. Ich liebe auch die Cylon-Thematik, die mich an ein „Real Humans-etwas weiter gedacht“ erinnert. Und vor allem mochte ich das Charakterspiel, das im Endeffekt völlig losgelöst vom Setting grandios ist. Ach ja, und die Mysteryelemente, die sicher das kontroverse Element der Serie sind, fand ich auch toll. Mit den Mystery-Elementen muss man leben können, man darf hier definitiv keine Hard-Sci-Fi erwarten. Sie waren halbwegs konsistent und durchgedacht (im Vergleich zu Lost, was ich trotzdem sehr mochte, aber die Kritik verstehen kann). Außerdem gibt es wohl viele versteckte Andeutungen, die einen Re-Run lohnenswert machen. Das Ende hat einen großen „hmm naja“-Faktor, den ich aber noch großzügig übersehen kann bei dem genialen Gesamtwerk. Anschauen! Unbedingt.

Noch etwas zum Thema „Reboot“, der geplant ist, obwohl die Serie erst vor einigen Jahren zu Ende ging:
Generell ist die Serie nicht veraltet genug dafür. Zwar merkt man der Erzählstruktur und der Kameraführung oft an, dass die Serie ihr Alter hat, aber das stört nicht. Allerdings kann ich schon vorstehen, dass man sich eine komplett neue Version wünscht, die mit den heutigen Mitteln arbeitet, ein bisschen mehr an den eher kurzen und knackigen Serien orientiert ist. Ich denke, man würde das sogar hinbekommen, die Erzählung noch spannender zu gestalten. Aber wo ich das große Problem sehe: die Besetzung. Die Leute in Battlestar Galactica sehen wie normale Menschen aus, selbst die „Schönlinge“ sehen noch distinktiv aus, keine 0815 Hollywood-Menschen. Ich glaube nicht, dass man das heutzutage hinkriegen würde bzw. wollen würde. Auch kann ich mir vorstellen, dass man ein Reboot gerne an den aktuellen Superhelden-Trend anlegen würde und dementsprechend die Charaktere auch gezeichnet wären. Darauf hab ich persönlich keine Lust. Ich mag an der Serie, dass die Charaktere so menschlich sind und selbst Ämter wie das des Commanders oder der Präsidentin menschlich dargestellt werden. Keine Übergötter und Superhelden.

2 Gedanken zu „[Serie] Battlestar Galactica (2004)“

    1. Schau auf jeden Fall mal rein. Die Pilot-Mini-Series und die 1. Episode „33“ geben einen guten Einblick und bilden eine erzählerische Einheit.
      Danach kommen Semi-Füllerfolgen und so ab Folge 5/6 ging bei mir die Sucht los xD

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