Venedig 2015

Heute mal ein Special-Previously, da ich mich letzte Woche zusammen mit dem Freund für einige Tage in Venedig tummelte. Ich war vorher nicht besonders interessiert an Italien bzw. an den südlichen Ländern generell, mit Ausnahme der badefreundlichen Temperaturen des dortigen Meeres. Venedig hatte es mir erst angetan, als ich auf einer Karte gesehen habe, dass es aus Inseln und viiiiiel Meer besteht (vorher hatte ich eher etwas wie Amsterdam vermutet). Also ging es zum Osterurlaub für mich das erste Mal nach Italien!

Wir waren auf der Insel Lido im Hotel ungebracht, ca. 15 Minuten per Vaporetto (Boot-Bus) vom „richtigen“ Venedig entfernt. Lido ist eine längliche Insel, die im Sommer auch von den Italienern für den Badeurlaub besucht wird und außerdem die Filmfestspiele beherbergt. Neben einigen großen Villas scheinen dort aber auch „normale“ Leute zu wohnen 😉 Außerdem toll: man kann bei geeignetem Wetter die Alpen von Lido aus sehen. Ich würde jederzeit wieder auf Lido ein Hotel nehmen, dort ist es deutlich ruhiger, man kann im Supermarkt etwas Proviant kaufen und auch gut essen.

Wir waren immer den ganzen Tag unterwegs und haben doch nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten. Z.B. hätte ich noch gerne die kleine Insel Torcello sowie den Norden inkl. jüdischem Viertel gesehen. Aber es war nicht der letzte Besuch in Venedig, das ist klar.

An klassischen Attraktionen gesehen haben wir auch einiges. Bei der beeindruckenden Basilica di San Marco wirkt eine lange Schlange vor dem Eingang zwar etwas abschreckend, aber es geht zügig voran und Eintritt kostet der Besuch auch nicht. Die Basilica ist vor allem dank ihrer üppigen Deckenmalereien eine Augenweide. Natürlich war auch gerade ein Gottesdienst zugang…ein polnischer 😀 Ebenso am Markusplatz gelegen ist das Museo Correr. Es beschäftigt sich mit der Historie Venedigs. Direkt an das Haus angeschlossen ist das archäologische Museum, was einige griechische und römische Statuen beherbergt. Denn wie wir wissen, waren die Menschen aus der Renaissance große Antike-Fans und haben sich dementsprechende Deko in ihre Häuser gestellt. Der Besuch dieser Museen ist sicherlich kein Muss. Allerdings lohnt es sich zumindest, dort das Ticket zu kaufen. Es gilt nämlich auch für den Palazzo Ducale. Einzeltickets für die Museen gibt es nicht. So konnten wir gemütlich an der Warteschlange vorbeischlendern und den Palast besichtigen.

Der Besuch des Prunkbaus lohnt sich allemal. Ein Saal ist opulenter als der andere, überall findet man Deckengemälde, vergoldetes Stuck und (damals ein Luxus) Uhren. Auf dem obigen Bild zu sehen ist das größte Wandgemälde der Welt, „Das Paradies“. Auch spannend war der Besuch der Kerker, die sich in einem angrenzenden Gebäude befinden. Häftlinge wurde vom Gerichtssaal über die Seufzerbrücke (jetzt kann man sich denken, wieso sie so genannt wird) hinüber zu den Kerkern geführt. Immerhin hatten sie noch einen letzten schönen Ausblick auf die Lagune…

Weiter auf dem Tagesprogramm des touristischen Venedigs war die Insel Murano, ca. 15min von der Altstadt entfernt. Sie dient heutzutage vor allem dazu, das Murano-Glas an die Touristen zu bringen…viel spannender war der Abstecher zur Insel San Michele, die gut 3 Minuten von der Altstadt entfernt ist. Es handelt sich um eine Friedhofsinsel, wo neben Einheimischen auch einige ältere Gräber (19.Jahrhundert) von Briten, Deutschen, Österreichern und Co zu finden sind. Schön grün mit dunklen Bäumen und natürlich ruhig. Neben der uns bekannten Erdbestattung ist ein großer Teil der Insel mit Schiebegräbern versehen. Dort werden Urnen (und Särge?) in eine Steinmauer eingelassen. Zig Mauern reihen sich aneinander, was sehr imposant und auch befremdlich aussieht. Die Gräber ziert ein Bild des Verstorbenen/der Verstorbenen sowie sehr viele bunte Plastikblumen, wie auf diesem Bild zu sehen. Ich finde es schön, wie einerseits eine respekteinflößende aber auch lebendige Atmosphäre damit geschaffen wird. Ebenso beeindruckend war, wie alt viele Gräber waren. Es fanden sich sogar Kindergräber, teils keine Woche alt geworden, die seit Jahrzehnten dort stehen. Eines war sogar so alt, dass die Eltern mittlerweile tot sein dürften.

Richtig gut gefallen hat mir der Ausflug nach Burano. Von touristischer Seite aus wirbt das Dorf mit seiner Spitze. Viel schöner jedoch sind die total bunten Häuserfassaden. Da möchte man doch gerne wohnen 😉 Obwohl die Boot-Fahrt nach Burano von der Altstadt aus gut 40 Minuten dauert, war das Dörfchen gut besucht von allerlei Touristen. Allerdings störte das nicht so sehr das einheimische Ambiente.

„Touristisch“ ist das Zauberwort bei Venedig. Der Markusplatz und die engere Innenstadt ist überlaufen mit ihnen…lustigerweise hört man am meisten deutsche Dialekte, darunter auch Österreicher und Schweizer. Es gibt überall Souvenirs und überteuertes Essen zu kaufen. Die Tauben haben ihren Job als ortsübliche Plage wohl aufgegeben und ihn den zahlreichen Selfie-Stick-Verkäufern überlassen. Und das Schlimme ist: es gibt viele Leute, die sie kaufen und benutzen. Bewegt man sich aber etwas weiter weg vom Markusplatz (mitunter reichen schon 3-5 Minuten Fußweg), so trifft man mehr Einheimische und mehr tatsächliches Venedig.

Und wie sieht es nun mit dem guten italienischen Essen aus? Nun, eher weniger in Venedig. Alles ist natürlich hoffnungslos überteuert, aber auch allein schon durch die italienische Esskultur teurer als gewohnt. Nach Pasta als ersten Gang, folgt, sofern man nicht in der letzten Touristenbaracke sitzt, ein zweiter Gang mit Fisch oder Fleisch. Dementsprechend zahlt man schnell das doppelte als gewohnt. Von dem Menu Turistico kann ich nur ganz dringend abraten, auch wenn die günstigeren Preise locken. Es. Schmeckt. Nicht. Nimmt man etwas mehr Geld in die Hand, kann man auch „richtig“ italienisch essen. Das haben wir am letzten Abend gemacht. Es gab erst Spaghetti Amatriciana, die lecker war, aber vom Freund schon besser zubereitet worden ist. Danach eine große Platte mit Gemüse, Kartoffeln und Rindersteak. Leider gab es ein Missverständnis, ich wollte Well-Done, aber die Platte war für uns beide und da wurde der Wunsch des Freundes nach Medium berücksichtigt…die paar Stücke, die nicht halb roh waren, fand ich allerdings äußerst lecker, obwohl ich Rindfleisch sonst eher nicht mag.
Man kann sich natürlich auch allein von der durchaus leckeren italienischen Pizza ernähren, die groß genug ist und etwa 10 Euro kostet. Auf Lido haben wir in einem kleinen Lokal, wo auch einige Einheimische waren, eine Pizza gegessen. Diese hat mir durchaus geschmeckt, aber das kulinarische Highlight war definitiv meine Calzone im Due Colonne. Die Pizzeria liegt abseits vom touristischen Trubel, man kann schön im Hof auf der Terrasse sitzen. Der Freund probierte direkt mal die Pizza mit Pferdefleisch. Für mich gab es eine äußert leckere Calzone, gefüllt mit Aubergine, Zucchini und Paprika. Das Gemüse war auch vorher noch gegrillt worden, yumyum. Was ich ja so toll finde an der italienischen Pizza ist zum einen der etwas salzige und perfekt zubereitete Teig. Und außerdem, dass nicht alles mit Käse und Tomatensoße überlaufen ist (Tomatensoße als Beilage, wie oben auf dem Bild zu sehen, ist ja mal eine tolle Idee). Ich werde die Pizza vermissen….

…und Venedig auch. Es waren sehr schöne und sonnige Tage. Einfach nur herrlich, wenn überall um einen herum das Meer ist, dazu diese engen kleinen Gassen und der bunte italienische Trubel. Ein kleines bisschen bin ich ja schon zum Italien-Fan geworden 😉

Ein Gedanke zu „Venedig 2015“

  1. Awww, Fernweh *seufz* Schön, dass es dir so gut gefallen hat. Das Wetter scheint ja auch wunderbar gewesen zu sein.

    Die Häuserzeile in Burano ist ja wunderschön. Für mehr bunte Häuser überall, das macht viel mehr Laune als immer nur weiße Fassaden.

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