[Serie] Sense8

Sense8 feierte Anfang Juni seine Premiere auf Netflix. Wie man es von den Netflix Originals gewohnt ist, können Abonnenten direkt alle 12 Folgen am Stück schauen. Nun ja, bei mir hat es dann doch 5 Tage gebraucht 😉 Schon vorher wurde die Serie öfters im Zusammenhang mit neuen Sci-Fi Serien erwähnt…nun ja. Es ist nicht wirklich das, was ich mir unter „Sci-Fi“ vorstelle. Eher könnte man Sense8 ins Genre „Mystery“ einordnen. Wobei nicht zu übersehen ist, dass die Serie versucht an den „Superhelden etwas realer und ernster“-Trend anzuknüpfen.2015-Sense8

Aber kommen wir erstmal zur Prämisse: 8 Menschen, alle wohl zwischen 25-30 Jahre alt und aus verschiedenen Ländern, bemerken eines Tages komische Begebenheiten. Schnell (etwas zu schnell?) stellt sich heraus, dass sie mit realen Menschen mental verbunden. Doch als wäre das nicht genug, ist da natürlich der Feind im Hintergrund, der nach diesen Menschen, genannt sensates trachtet. Und was hat es eigentlich mit dieser Angelica aus dem Prolog auf sich, und wer ist dieser Jonas, der sich schon fast als Schutzengel aufspielt?

Die Serie kommt recht schnell in Fahrt und hält sich nicht lange damit auf, ein Versteckspiel zu führen. Für die verwirrten sensates und Zuschauer nimmt Jonas gerne die Position des Erklärbärs ein. Was mich letztendlich eher an eine Marvel-Serie als an eine „klassische“ Mystery-Serie erinnert, ist die Action und die leichte Übertriebenheit bezüglich der Fähigkeiten der sensates. Ein Meisterdieb, eine Meisterhackerin, eine Meisterkampfsportlerin…. dabei wirkt Geschichte so, als ob die Leute schon normale Menschen sein sollen und keine Superhelden. Nun ja, das hat Sense8 für mich etwas getrübt, weils eher wie „Supernatural-Mystery“ und nicht „Real World-Mystery“ wirkt, falls man versteht was ich meine 😀 Noch dazu kommt, dass „die Gegenseite“ sich wie ein „Muharharhar, I’m so evil“-Bösewicht aufführt. Aber ich hoffe, dass dieser Aspekt in der zweiten Staffel etwas mehr Tiefe bekommt.

Nichtsdestotrotz konnte mich Sense8 fesseln, was vor allem an den Charakteren liegt. Anfangs wirkten sie noch recht hölzern und stellenweise leider auch sehr klischeehaft, aber unter acht recht diversen Leuten findet man doch seine drei oder vier Lieblingscharaktere, deren Geschichte man auch unabhängig von der übergreifenden Storyline verfolgen will. Den Spoiler sollte man vielleicht erst lesen, wenn man die 1. Folge gesehen hat. Spannend und sympathisch fand ich: Die Koreanerin Sun, die mit Old Boy mithalten könnte; die Hackerin Nomi, Transfrau und in einer lesbischen Beziehung mit der ebenso wunderbaren Amanita; Lito, aber vor allem in Kombi mit Hernando und Daniela; sowie Kala, einfach weil sie so eine bezaubernde Art hat. Afrika-Storylines wie die um Capheus interessieren mich nicht besonders, Will und Wolfgang fand ich eher nervig, und Riley bis zu einem gewissen Punkt zu klischeehaft.

Fazit: Sense8 ist keine Sci-Fi Serie (es sei denn, man bezeichnet den Spiderman-Plot auch als Sci-Fi…) und auch nicht wirklich Mystery. Wer Marvel-/Superhelden-Serien mag oder sowas wie die britische Serie Utopia, der wird hieran wohl seine Freude haben. Aber auch alle anderen sollten zumindest mal in drei Folgen reinschauen und sich von den Charaktergeschichten anfixen lassen.

Und zu guter letzt ist sehr spannend, dass Netflix einen auf HBO macht. Da gab es ja Dinge zu sehen, die ich nun wirklich nicht erwartet hätte….man sollte sich auf explizite Szenen einstellen.