[Spiel] Cthulhu Wars

Der Erfinder des Rollenspiels Call of Cthulhu, Sandy Petersen, startete 2013 einen Kickstarter, der vor allem aufgrund seiner Miniaturen Aufmerksamkeit erregte: Cthulhu Wars.  Besonderheit: der Kickstarter beinhaltet 4 Große Alte, die alle kaum in meine Hand passen. Ein Brettspiel mit derart gigantischen Spielfiguren gab es bis zu dem Zeitpunkt nicht. Doch dies hat seinen Preis: stolze 195 Euro hat die Kickstarter Edition im Einzelhandel gekostet (im Kickstarter wären es minimal 155 Dollar, inkl. Versand, exklusive Einfuhrsteuer, gewesen). Nachdem die ersten Spiele ausgeliefert worden waren, hörte ich von vielen Seiten: „Cthulhu Wars hat nicht nur sehr geile Spielfiguren, sondern ist ein Spiel mit großer strategischer Tiefe“.2015-Cthulhu-Wars

Dies galt es auszutesten. Es gibt 4 Fraktionen, bestehend aus Kultisten, Monstern und den Großen Alten. Darunter Cthulhu persönlich. Die Fraktionen spielen sich sehr unterschiedlich. Dies liegt einerseits an den unterschiedlichen Monstern und Spezialfähigkeiten, andererseits an den individuellen Spellbooks. Davon hat jede Fraktion genau sechs. Ziel des Spieles ist es, alle 6 Spellbooks zu „bauen“ und mehr als 30 Punkte zu erreichen (wer 30 Punkte ohne Spellbooks erreicht, hat verloren). Die Spellbooks erhält man durch Achievements, wie man sie aus Computerspielen kennt: „kontrolliere 3 Gebiete“, „vernichte einen Gegner“, etc. Jede Fraktion hat sechs individuelle Achievements. Schaltet man ein Achivement frei, darf man eins seiner Spellbooks „bauen“.

Die Regeln sind sehr leicht verständlich. Im Prinzip besteht das Spiel daraus, Power zu bekommen und diese dann für Aktionen auszugeben. Aktionen sind bewegen, rekrutieren, kämpfen oder ein Gate bauen. Wieviel Power man bekommt, hängt davon ab wieviele Kultisten und Gates man kontrolliert. Nichts Überraschendes oder Ungewöhnliches in den Regeln. Auch der Kampf bleibt übersichtlich: Je nach Stärke der Einheiten erhält der Spieler eine bestimmte Anzahl an sechseitigen Würfeln. Eine 6 trifft, 4 oder 5 vertreibt. Dabei sind die Großen Alten nicht so stark, wie man anhand ihrer Figurengröße vermuten könnten:  theoretisch könnte ein kleiner Kultist einen Großen Alten umbringen. Das Spiel ist mit einer Spielzeit von einer Stunde recht flott, die erste Hälfte verbringen die Spieler vorwiegend damit, ihre Armeen auszubauen und Spellbooks zu erlangen, in der zweiten wird gekämpft. Die Spielmechanik ist solide und macht Spaß, keine Frage.

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Und wo ist nun das Problem?
1. Ich verstehe nicht, wo alle die strategische Tiefe sehen. Die Fraktionen sind star. Jede hat sechs Spellbooks und sechs Achievements. Jede hat einen festen Startpunkt. Das führt dazu, dass man schnell ein perfektes Anfangsspiel ausarbeiten kann (oder man liest es irgendwo nach). Strategische Tiefe? Nein, „mach erst a, dann b, dann c sonst hast du gar keine Chance“. Es fühlt sich ein bisschen wie Die Siedler von Catan an…gibt vor, dass man sehr strategisch handelt, entscheidend sind am Ende aber die Einstiegsphase von 2-3 Runden und die Würfelwürfe. Ok, so taugt das Spiel immer noch sehr gut als lustiges Kampfspiel mit tollen Figuren. Ähnlich wie King of Tokyo.

2. Wäre da nicht die Sache mit dem Geld. Das Spiel wird beworben als 2-5 Spieler Spiel. Dafür enthalten im Basisspiel: Spielbretter für 5 Spieler und Punktezähler für 5 Spieler. Nur die fünfte Fraktion fehlt im Basisspiel. Dafür hätte man im Kickstarter nochmal 50 Dollar drauflegen müssen. Für das 2-Spieler-Spiel gibt es keine eigene Ausarbeitung. Es läuft wie das 4-Spieler-Spiel, nur das jeder zwei Fraktionen übernimmt. Bei Fraktionen, die sich komplett unterschreiben und eigentlich gegeneinander kämpfen sollen, ist das einfach nur scheiße. De facto ist also Cthulhu Wars für 3-4 Spieler. Einen bitteren Beigschmack hinterlässt die Anleitung, die permanent von Erweiterungen und Add Ons spricht. Es liest sich stellenweise wie ein Werbeprospekt. Und passenderweise ist dem Spiel auch eine Preisliste der ganzen Erweiterungen und Add-ons beigelegt.

Trotzdem Interesse? Im zweiten Kickstarter kann man das Komplettpaket inkl. aller Erweiterungen für 600 Dollar kaufen (exkl. Versand und Steuer). Supi!

Es gibt viele Spiele, die eine Erweiterung nach der anderen produzieren (hallo, Arkham Horror) und man ein bisschen das Gefühl bekommt, dass es hier eher ums Geld geht. Aber bei Cthulhu Wars hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass hier Abzocke betrieben wird. So frech bittet kein Spiel zum Draufzahlen.

Fazit:
1. Die Spielfiguren sind cool und eventuell etwas für Leute, die sowas gerne bemalen würden.
2. Das Spielprinzip ist solide, aber nichts besonderes. Ich sehe keine Langzeitmotiviation.
3. Das Basisspiel ist keine 200 Dollar wert. Oder würdet ihr für King of Tokyo mit Riesenfiguren, 4 Monstern und 6 Karten 200 Dollar bezahlen?
4. Abzocke. Ich kann einfach nicht anders darüber denken. Wenn man überzeugt ist von der Spielidee, wieso bietet man sie nicht zu einem erschwinglichen Preis an? Und die großen Spielfiguren in einer Deluxe Edition (wie vom Dice Tower schon gesagt)?

Alternativen:
Möchte ich strategisch tiefe Armee-Spiele mit coolen Monsterfiguren und kurzer Spielzeit, greife ich zu Cyclades oder Kemet. Möchte ich grundsätzlich verschiedene Fraktionen austesten, greife ich zu Neuroshima Hex oder Imperial Settlers. Eine günstige und bessere Alternative soll auch Blood Rage sein, welches ich hoffentlich bald mal austesten kann.

2 Gedanken zu „[Spiel] Cthulhu Wars“

  1. Sorry, aber ich kann mich dieser Meinung überhaupt nicht anschließen.Die taktische tiefe von cthuluwars erschließt sich einem mit steigender Erfahrung ,da dieses Spiel ein wirkliche Letnkurve bwsitzt .Die von dir beschriebene Spanische Eröffnung kannst du Anfangs ganz gut fahren,vor allem gegen Spieler die auch relativ unerfahren sind .Sobald alle am Tisch ein paar Spiele in der Tasche haben, fängt das Meta an sich extrem zu verändern. Es wird alles wesentlich schneller und agressiver angegangen und ein Fehler lässt den so schön zurechtgelegten Schlachtplan schneller sterben als man gucken kann. Das ist der Moment in dem Man umorganisieren und effektiv das beste aus seinen resourcen herausholen muss,um den Besten Spot zum zuschlagen zu finden. Das Spiel hat einen extrem hohen Focus auf Spielerinteraktion und wer sich abzusetzen droht, wird schnell zutechtgestutzt. Dabei muss man subtil vorgehen,Allianzen schmieden und im Richtigen Moment brechen. …….das ist Game of Thrones mit Tentakeln.
    Wir haben bestimmt schon 60+ Spiele unterm Buckel und sind immer noch fasziniert, wie sich die spielweise von mal zu mal ändert und Frisch bleibt.

    Zum Thema Abzocke. Es gibt viele schöne Spiele (die von dir genannten + Bloodrage beditze ich sogar selber) und man muss nicht alles haben.Eine günstige „Taschenversion“ hätte ich auch schön gefunden,aber das ist etwas das Peterson nicht wollte.Cthuluwars ist nunmal sein persönliches Magnum Opus und er wollte es genau so haben wie es ist,alles andere entspräche einfach nicht seiner künstlerischen Vision.
    Diese Meinung muss man nicht teilen, aber respektieren sollte man sie schon.
    In dieses Spiel ist viel Liebe ,Spieldesign und Herzblut hineingeflossen (das merke ich an jeder Ecke) ,ob das den Preis rechtfertigt muss jeder für sich selbst entscheiden. Billig ist es auf keinen Fall ,aber man kriegt hier
    meiner Meinung nach kriegt man hier einiges an Spielzeit /€ geboten und ob sich die auf ein 120€ Spiel ,oder zwei 60€ Spielschachteln verteilt, ist doch egal.Natürlich ist es absolut legitim das anders zu sehen .
    In diesem Sinne, frohes Zocken ☺

    1. In Spielzeit/€ umgerechnet sind wohl alle Brettspiele, die einem Spaß machen, eher günstig, zb. auch Mega Civ oder TI3. Ich kann mich deiner Meinung zu CW gar nicht anschließen, aber möchte dir und anderen natürlich nicht den Spielspaß absprechen 🙂

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