[Spiel] Mega Civilization

2016 März Mega Civ BoxMega Civilization ist eine Neuauflage des Brettspiels Civilization, worauf die gleichnamige Computerspiel-Reihe basiert, von der ich seit dem zweiten Teil ein großer Fan bin.  Mega Civilization war auf der Spielmesse 2015 der große Hype unter den „Hardcore-Brettspielern“. Manchmal entpuppt sich das als leere Luft (wie bei Cthulhu Wars), aber hier war es definitiv berechtigt: Die Spielregeln sind sehr schnell zu erlernen, trotzdem hat das Spiele eine schöne Tiefe und Komplexität, die jede Partie einzigartig macht. Kurzum: der Hype ist absolut berechtigt.

Das 200 Euro teure Spiel wird in einer edlen Holzbox geliefert, kann mit 5-18 Spielern gespielt werden und dauert etwa 10-12 Stunden.  De facto gibt es allerdings sehr viel Wartezeit, die mit Essen, Plaudern und Pläne schmieden verbracht werden kann. Deswegen würde ich Mega Civ auch als „Partyspiel“ bezeichnen, auch wenn das nicht der allgemeingeläufigen Definition entspricht.

Mega Civilization
Mega Civilization zur Hälfte der Spielzeit

Die Größe des Spielbrettes mit antiker Weltkarte orientiert sich an der Spieleranzahl. Jeder Spieler bekommt ein Volk zugewiesen. Jedes Volk hat einen eigenen Startpunkt. Dort wird zu Beginn die erste Einheit hingesetzt. Und los geht’s!

Spielregeln

[Bei Lesemüdigkeit: Scrollt runter für eine sehr kurze Zusammenfassung]
Die Spielregeln sind im Prinzip ausführlicher als die Spielmechanik an sich. Man sollte sich daher nicht abschrecken lassen. Eine Spielrunde besteht aus verschiedenen Phasen. Jeder Spieler hat ein Tableau, auf dem diese aufgeführt sind.

2016 März Mega Civ Tableau

1. Steuern. Pro Stadt gibt es 2 Gold. Man legt die Plättchen von der rechten Seite auf die linke („Treasury“).

2. Vermehrung. Auf dem Spielbrett kommt auf 1 Einheit eine weitere, entnommen vom Vorrat auf der rechten Seite. Auf alles ab 2 Einheiten kommen zwei weitere. Es wird gezählt („Census“), wer wie viele Einheiten auf dem Spielbrett hat:
2016 März Mega Civ Census

3. Bewegung. Der Spieler mit den meisten Einheiten (der im Census auf der höchsten Zahl steht) fängt an. Er darf jede Einheit ein Feld weit bewegen. Auf den Feldern stehen Zahlen. Die spielen aber jetzt noch keine Rolle. Steht auf einem Feld „2“, dürfen da trotzdem mehr Einheiten drauf stehen.

2016 März Mega Civ Iberia
Iberia, in seiner Landesmitte von Piraten überfallen. Die runden Plättchen sind Städte.


4. Konflikt
. Dafür müssen zwei Bedingungen eintreten: a. es stehen mindestens zwei Völker auf einem Feld und b. die erlaubte maximale Anzahl an Einheiten auf diesem Feld ist überschritten. Konflikte laufen nach einem bestimmten Schema ab, sie sind im voraus berechenbar. Es gibt kein Glückselement.

5. Städtebau. Eine Stadt kostet 6 Einheiten auf einem Feld, wo ein Stadtsymbol abgebildet ist. Die ausgegebenen Einheiten kommen zurück in den Spielervorrat. Oben hatte ich ja angedeutet, dass jedes Feld eine gewisse Anzahl an Einheiten beherbergen darf. Alles was nach dem Städtebau darüber geht, wird vom Feld genommen und geht zurück in den Spielervorrat. Stehen irgendwo 3 Einheiten auf einem Feld mit „1“, verhungern 2 Einheiten. Zuletzt müssen noch die Städte versorgt werden: pro Stadt müsst ihr 2 Einheiten irgendwo auf dem Spielbrett haben.

2016 März Mega Civ
Noch ist alles friedlich. Oben zu sehen sind die Wissenschaftskarten der Spieler.

7. Handelskarten. Je nach Anzahl der Städte gibt es verschieden wertige Handelskarten.

8. Handel. Man schreit durch die Gegend und versucht, seine Güter für einen profitablen Tausch loszuwerden. Achtung: in den Handelskarten befinden sich auch böse Katastrophenkarten.

9. Katastrophen.  Ihr handelt die Katastrophenkarten auf eurer Hand ab. Für gewöhnlich verliert ihr eure Einheiten, einen Haufen Städte oder habt sogar plötzlich einen parasitären Mitspieler in eurem Gebiet.

10. Sonderfähigkeiten Wissenschaftskarten. Gibt es sehr wenige
von, sie würden hier ausgeführt werden.

11. Hunger und Tod. Da eure Einheiten und Städte eventuell durch Katastrophen reduziert wurden, müsst ihr erneut checken, ob ihr für jede eurer Städte 2 Einheiten auf dem Spielbrett habt oder ob irgendwo mehr Einheiten rumstehen, als das Feld es erlaubt.

12. Wissenschaft. Gebt eure Handelskarten aus, um coole Wissenschaftskarten zu kaufen.

13. Fortschritt. 2016 März Mega Civ ASTIhr geht hoffentlich auf der Punkteleiste (A.S.T.) einen Schritt nach vorne. Dafür müsst ihr manchmal bestimmte Bedingungen erfüllen, zum Beispiel 3 Städte besitzen, 12 Wissenschaftskarten haben usw. Das Spiel ist beendet, wenn jemand die Late Iron Age erreicht hat.

 

 

tl;dr

Im Endeffekt kann man den interaktiven Spielablauf so reduzieren:

=> Action auf dem Brett, Handel und Katastrophen.

Individuell nehmen die Bewegungsphase und das Kaufen der Wissenschaftskarten am meisten Zeit ein.

 

Meine Meinung

Was ist gut am Spiel?
Mega Civ ist super ausbalanciert und ermöglicht ein schnelles Verinnerlichen der Mechanik. Es ist außerdem sehr anfängerfreundlich. In den ersten Zügen entfallen viele Phasen und Fehler sind nicht so schlimm. Das Spiel hat quasi ein integriertes Tutorial.  Sobald die ersten Städte gebaut worden sind, starten die Handelsphasen. Die Katastrophen sind zum Glück noch seicht. Je weiter die Spieler kommen, desto schlimmer wird es. Auch die starken Spieler können schnell zurückgeworfen werden. In unsere zweiten Runde mit sechs Spielern war es bis zum Schluss sehr spannend, obwohl unterschiedliche Spielertypen am Tisch saßen und die Startbedingungen für jeden anders waren.

Und was ist blöd am Spiel?
In Mega Civ ist es sehr wichtig, dass alle Informationen für alle zugänglich sind. Generell sollte – auf gut Deutsch gesagt – Ruhe und Ordnung herrschen. In meiner ersten Runde lief es etwas blöd. Das A.S.T. war schwer zugänglich, noch dazu gab der Spieler, der dafür verantwortlich war, falsche Informationen raus. Verständlich ist, dass alteingesessene Spieler sich nicht lange aufhalten wollen und vieles gleichzeitig machen. Für Anfänger aber blöd, wenn sie gar nicht verstehen, was da vor sich geht. Das ist aber noch zu verschmerzen für eine erste Runde. Mein größtes Problem war mein direkter Spielnachbar, der mich als dumm bezeichnete (es gibt einen Unterschied zwischen „Lol dieser Zug ist total bescheuert!“ und „Schau mal, hast du hier vielleicht einen Denkfehler drin?“), sich nicht an die Spielreihenfolge hielt und mein Unwissen bezüglich der Wissenschaftskarten ausnutzte. Vielleicht bin ich blöd, aber als erfahrener Spieler würde ich einen Neuling auf solche Dinge hinweisen. Zum Glück waren meine anderen Nachbarn nett und sympathisch.

Ich weiß, dass es Optimierspieler gibt, die die Regeln bis ins Unendliche dehnen und alles tun um zu gewinnen. Manchmal auf Kosten des sozialen Miteinanders. Mit solchen Leuten möchte ich nicht spielen. 10 bis 12 Stunden Spielzeit auf engstem Raum erfordern ein gewisses Maß an Sozialkompetenz. Fairness, Geduld und Gelassenheit sind hier obligatorisch für mich. Da kann ich meine zweite Spielrunde sehr loben, wo wir uns auf dem Spielbrett alle wunderbar bekämpft haben, aber jeder in der Meta-Ebene freundlich und hilfsbereit blieb.

Fazit

2016 März Mega Civ ZoomMit den richtigen Mitspielern ist Mega Civilization eine richtig tolle Sache. Es hat für mich etwas von einem Partyspiel, weil man zwischendurch gut plaudern oder etwas essen kann. Und die entstehenden Rivalitäten und Bündnisse sind natürlich auch ein sehr netter Spielfaktor („Nach dem Essen gibt es Griechland nicht mehr!“). Sehr schön ist die Anfängerfreundlichkeit und Balance, die auch stärkere Spieler nicht davon rennen lässt. Ich freue mich schon auf die nächste Partie, vielleicht dann mit ein bisschen Platz-Management sogar mit 7 oder 8 Spielern.