Schottland 2016 – Teil 1

[Achtung: viel Text]
Diese Jahr konnten wir unseren Sommerurlaub im wunderschönen Schottland verbringen. Für mich war es nun der insgesamt fünfte Urlaub dort, für den Freund der erste und nicht letzte. Im ersten Teil berichte ich von unserer Autotour durch Schottland. Der zweite Teil wird unseren Aufenthalt in Edinburgh behandeln.

Hadrians Wall Landschaft
Landschaft um Haltwhistle

Unsere Reise startete nicht in Schottland, sondern in Newcastle upon Tyne, im Norden Englands. Vorher hatten wir bei Sunnycars für einen unschlagbar günstigen Preis ein Auto für einige Tage gemietet. Dieses bekamen wir von Hertz und schon startete das Abenteuer Linksverkehr in einem weißen Toyota. Eine Stunde später kamen wir, mit Herzrasen, aber körperlich unversehrt, in Haltwhistle an. „Die Mitte Großbritanniens“, wirbt das Dorf. Untergebracht waren wir im Grey Bull, was wir uneingeschränkt weiterempfehlen können. Haltwhistle liegt in der Nähe des Hadrians Wall und damit auch zahlreicher Wanderwege. Beim Frühstück trafen wir auf einen begeisterten Wanderer, der ehemaliger Mitarbeiter bei CERN ist und an der Entdeckung des Higgs-Bosons mitarbeitete. Er tischte uns einige nette Anekdoten auf (das Higgs-Boson wurde ursprünglich in dem Forschungspapier god damn particle genannt und dann zu god particle „zensiert“).

Vindolanda
Vindolanda

 

 

Vindolanda Ausgrabungen
Ausgrabungen

Die kurze Zeit in Haltwhistle nutzten wir für eine Besuch des Kastells Vindolanda. Ich war sehr erstaunt, wie groß die Ausgrabungsstätte ist und dass man einen recht guten Eindruck von den Ausmaßen des Militärlagers und der vorgelagerten Siedlung bekommt. Im etwa 7 Autominuten entfernten Roman Army Museum erfährt man mehr über die Arbeiten in Vindolanda und seine Funde. Das Museum wirkte modern und war auch für Kinder interessant gestaltet. Da haben deutsche Museen noch viel aufzuholen. Danach ging es auch schon weiter, leider. Einen längeren Aufenthalt in der Gegend um den Hadrians Wall könnte ich mir gut vorstellen. Die Landschaft ist schön und zumindest Haltwhistle war ein guter Ausgangspunkt für Erkundungen.

Roman Army Museum Lehrtafeln
Tafeln mit kleinen Rätseln rund um Vindolanda
Loch Lomond, Wolken hängen über dem See
Loch Lomond

Das nächste Ziel war: The North – wie es so schön auf britischen Autobahnen heißt. Nach 3 Stunden recht unspektakulärer Autobahnfahrt erreichten wir Balloch am Loch Lomond. Ein sehr britisch-touristisch geprägter Ort mit Sea Life, Einkaufszentrum und Bootsverleih. Die Unterkunft im Anchorage Guest House war für eine Nacht auszuhalten, würde ich jedoch nicht weiter empfehlen. Im Tullie Inn haben wir allerdings sehr gut speisen können. Balloch ist ein Ort, den man nicht unbedingt besuchen muss, aber auch hier hat man eine ideale Ausgangslage für weitere Erkundungen, Loch Lomond samt Naturschutzgebiet liegt vor der Tür. Ein kleiner Spaziergang entlag am Ufer, rauf zu alten Schloßruinen und einem gut gepflegten Park rundeten den Tag ab.

Spaziergang im Park, safftige Wiesen, hinter einer Mauer aus Bäumen sieht man den See
Parkspaziergang

Am den Ufern des Loch Lomonds entlag ging es am nächsten Tag weiter mit dem Auto, wir fielen in die Highlands ein. Atemberaubende Landschaften luden zum Anhalten ein, dank zahlreicher Parkbuchten kein Problem.

Rotkehlchen
Rotkehlchen

Einen längeren Halt legten wir bei Glen Coe ein, dem berühmten Tal, wo das Massacre of Glencoe statt fand. Noch heute kennt man das Sprichtwort „never trust a Campbell“ in Schottland. 1692 hatte eCaptain Campbell den Clan der MacDonalds von Glencoe unter Ausnutzung derer Gastfreundschaft abschlachten lassen, trotz eigener verwandtschaftlicher Verhältnisse. Das war im Prinzip die Red Wedding der realen Geschichte.

Glen Coe
Glen Coe

Vom dortigen Visitor Centre aus haben wir einen einstündigen Spaziergang gemacht, mit wunderschönem Blick auf die Berge, die von Wolken umhüllt waren.

Glen Coe Ressort
Glen Coe Ressort

Unser Ziel war Fort William, welches wir nach einer Fahrt direkt am Ufer des schönen Loch Eil erreichten. Diese Stadt ist ein Umschlagpunkt für Touristen, wo zahlreiche Reisebusse halten, um sie zum shoppen raus zu lassen. Die Übernachtungskosten in dem Ort sind relativ hoch. Etwas außerhalb von Fort William, in Lochyside, hatten wir unsere wunderschöne große Unterkunft im Cuil Na Suithe. Absolut empfehlenswert auch für längere Aufenthalte.

Fort William, Aussicht auf einen See, davor bunte Blumen
Fort William, Loch Eil

Wir haben einen kleinen Spaziergang am Loch gemacht, alte Schlossruinen besichtigt und die Aussicht auf den Ben Nevis genossen. Diesen haben wir am darauffolgenden Tag auch besichtigt, er ist nur 15 Minuten Autofahrt von der Unterkunft entfernt. Mit dem Lift ging es nach oben zur Skihütte, dort konnte man zwei kleinere einstündige Spaziergänge machen. Da das Gebiet vorrangig ein Skigebiet ist, war die Natur nicht ganz so üppig. Für einen kurzen Abstecher und einen tollen Blick auf das Umland reicht es allemal. Das Glen Nevis Visitor Centre haben wir nicht mehr mitgenommen.

Ben nevis, größter Berg Schottlands
Ben Nevis

Etwas, was Schottland ausmacht ist das Wasser, das Lebenselixir unseres Planetens. Es kommt nicht nur fast täglich vom Himmel runter, sodass es nach ein paar Tagen schon komisch ist, wenn das Gesicht nicht leicht nass ist. Wasser kommt auch aus der Landschaft, überall finden sich kleine Bäche, die aus dem Gestein brechen. Steinwände am Straßenrand sind leicht feucht oder nass. Ein See reiht sich an den nächsten. Einfach wunderschön.

Ben Nevis, Wasserfall
Ben Nevis, Wasserfall

Weiter englang am Ufer des Loch Lochy ging es Richtung Fort Augutus, gut 45 Minuten entfernt und unser Wochenend-Domizil. Unsere Hoffnung, dass die Unterkunft kein Reinfall ist bewahrheitete sich. Wir bezogen ein liebevoll gestaltetes schwarz-weißes Zimmer mit roten Farbakzenten, im Badezimmer fand man neben der Dusche auch eine Badewanne und im Zimmer war ein kleiner Esstisch zur Verfügung gestellt. Der Gartenblick (inkl. zwei Cocker Spaniel, den Lieblingshunden der Schotten), stimmte uns sehr seelig. Hier verbrachten wir nun drei Nächte. Fort Augustus ist ebenso wie Fort William ein Touristen-Dominzil, nur um ein zigfaches kleiner. Es gibt einen Supermarkt, eine Tankstelle, genug Pubs mit akzeptablem Essen für Touristen sowie eine Schleuse, die Boote vom Kanal in den Loch Ness befördert.

Schleuse, die Boote vom Kanal in den Loch Ness befördert
Fort Augustus, Schleuse am Caledonian Canal

Natürlich haben wir eine kleine Schiffstour auf dem Loch Ness unternommen, dabei zwar nicht Nessie entdeckt, aber ein paar mutige Bergziegen.

Loch Ness, mutige Bergziegen
Loch Ness, mutige Bergziegen

Ansonsten ist Fort Augusts ähnlich wie Fort William ein idealer Ausgangspunkt für weitere Erkundungen. Wer Lust auf Stadt hat, kann Inverness besuchen, die Stadt ist etwa eine Stunde entfernt. Auf dem Weg wollten wir Uig Castle mitnehmen, allerdings war der Parkplatz nachmittags schon überfüllt. Nun ja, das Schloss selbst lohnt sich nicht, man hat aber von der Umgebung her einen schönen Blick auf Loch Ness. Aber den hatten wir auch auf unserer Bootstour.

Loch Ness
Loch Ness

Nach den vielen Tagen in der Natur war uns nach einer Shoppingtour und so machten wir in Inverness erst mal den Waterstones, eine sehr große Buchhandlung, unsicher. Inverness ist für schottische Verhältnisse eine Großstadt. In ihr lebte einst der historische Macbeth. Einen besonderen Charme kann man jedoch nicht erwarten, das Schloss ist ein Neubau aus dem 19. Jahrhundert und die Stadt hat nicht viele Attraktionen zu bieten, mal abgesehen von den Ausflügen nach Culloden Moor (Gabaldonfans legen hier Kränze am Grab der Fraser nieder), den Clava Cairns oder Cawdor Castle.

Loch Ness, man sieht an den bewaldeten Klippen eine kahle Stelle, als ob ein riesiges Wesen versucht hat dort aus dem Wasser zu kommen.
Loch Ness, hier versuchte Nessie aus dem Wasser zu kommen

Von Fort Augustus aus kann man auch wunderbar die Natur erkunden, es gibt einige Wanderwege oder man erkundet  mit dem Auto. So ist die Isle of Skye nur 1,5h Fahrt entfernt. Leider war es an diesem Tag enorm stürmisch und regnerisch, so dass wir es bei einem Besuch von Eilean Donan Castle beließen und nicht weiter auf die Isle of Skye fuhren. Das kleine Schloss ist recht eng geschnitten, beliebte Hochzeitslocation und in Filmen wie Rob Roy, Highlander und Elizabeth zu sehen. Hier können sich Wartezeiten ergeben, weil nur eine begrenzte Menge Menschen Platz auf der kleinen Halbinsel findet. Durch die Highlands, vorbei an zahlreichen Seen, ist schon allein die Fahrt zum Schloss lohnenswert.

Eilean Donan Castle
Eilean Donan Castle

Unsere letzte Station führte über Perth nach Dysart bei Kirkcaldy. Darauf hätten wir gut verzichten können. Nächstes Mal bleiben wir lieber in Perth oder nehmen Geld in die Hand und übernachten in St. Andrews. Unser Hotel, The Merchant House, war furchtbar und ich hatte Angst, dass es unter uns zusammen fällt – die Böden und Wände waren unglaublich schief. Aber für 60 Pfund Übernachtungskosten (die anderen kosteten durchschnittlich 80 Pfund) kann man nicht meckern, nur fern bleiben.

Ravenscraig Castle nahe Dysart
Ravenscraig Castle nahe Dysart

Immerhin gab es einen schönen Strandspaziergang, auch wenn die Ostküste Schottlands mit seiner Ölförderung einen ungewöhnlichen Ausblick liefert, sowie eine Besichtigung von Ravenscraig Castle, wo Maria von Geldern einst gelebte. Es gab überraschend gutes Essen im einzigen Restaurant in der Nähe, The Dining Room.

Schottland - Ostküste mit Ölbohrtürmen
Schottland – Ostküste mit Ölbohrtürmen

Dysart war zum Glück nur als Zwischenstation eingeplant, denn am nächsten Tag war die Abgabe unseres Autos am Flughafen Edinburgh fällig. Wir waren in der Hauptstadt angekommen und nun begann der zweite Teil des Urlaubs! Mehr dazu im nächsten Teil meines Rückblicks 😉

Kommentar verfassen