[Spiel] Scythe

Nun wird es langsam Zeit, wohl mein Spiel des Jahres 2016 vorzustellen: Scythe von Stonemaier Games. Von dieser Spieleschmiede besitzen wir bereits Viticulture, ein sehr schnell zu erlernendes worker placement mit schönen Komponenten. Euphoria haben wir schon mal gespielt, auch hier tolle Komponenten (nur das Thema leider sehr beliebig umgesetzt). Between Two Cities steht auf meiner Beobachtungsliste. Scythe habe ich letztes Jahr bei Kickstarter gebackt. Ich muss sagen, dass vor allem das Artwork von Jakub Rozalski  und die schönen Heldenfiguren ausschlaggebend waren. Thematisch ist das Spiel in einem alternativen Jahr 1920 angesetzt. Mehrere Fraktion kämpfen nach einem verheerenden Krieg um die Vorherrschaft. Es geht um Ressourcen, Popularität und um Macht.

2016 Juli Scythe

Gehofft hatte ich, dass die Spielmechanik wenigstens halbwegs okay ist und Scythe nicht für 100 Dollar im Spielregal verstaubt. Der Kickstarter lief super, es gab ständig Updates und man ging ehrlich mit den Kunden um. Pünktlich im August dieses Jahres kam das schwere Paket Zuhause an. Alles war perfekt verpackt, es gab keine Blessuren:

2016 Scythe

Große Erleichterung bei der ersten Testrunde: die Regeln sind sehr verständlich geschrieben, es gab keine Fragen, die dort nicht beantwortet wurden. Hinzu kommt, dass das Spielbrett und die Spieltableaus sehr intuitiv gestaltet sind, jede Karte und jeder Token hat seinen eigenen Platz. Die Spieler erhalte je 2 eigene Spieltableaus, die beliebig kombinierbar sind. So ergeben sich mit dem Grundspiel 25 verschiedene Kombinationen, die man spielen kann. Die Fraktionen unterscheiden sich in ihren Spezialfähigkeiten, spielen sich im Grunde genommen aber recht ähnlich. Es gibt keine heftigen Unterschiede wie bei Eclipse, Theseus oder Imperial Settlers. Völlig ignorieren sollte man die Spezialfähigkeiten trotzdem nicht.

2016 Juli Scythe 1

Das Spiel zu erlernen ist sehr einfach. Es zu meistern dafür umso schwerer. Vier grundlegende Aktionen hat der Spieler:
Ressourcen erzeugen, Ressourcen kaufen, seine Figuren bewegen (was eventuell Kämpfe mit anderen Fraktionen auslöst), oder seine Kampfkraft (Power) steigern. Zu den 4 Grundmöglichkeiten gibt es Sonderaktionen, die der Spieler zusätzlich ausführen darf: Mechs bauen, Upgrade (dh. seine Aktionen dauerhaft zu verbessern), ein Gebäude bauen oder Enlist, womit Boni freigeschaltet werden. Das Verzwickte: der Spieler darf nicht die gleiche Aktion hintereinander ausführen. Scythe erfordert ein weites Vorausplanen seiner Züge, wann bewegt man sich, wann generiert man Ressourcen, wann setzt man diese ein, um Gebäude zu kaufen?

Das Ziel des Spiels ist recht simpel: wer am Ende das meiste Geld hat, gewinnt. Geld kann man im Laufe des Spiels erlangen und bekommt am Ende zusätzlich Geld, je nachdem wie viele Gebiete und Ressourcen man kontrolliert, sowie für jedes erfüllte objective. Dies wird anhand der Popularitätsleiste (die mit den Herzchen) abgelesen. Es gibt 10 objectives, also Ziele, die der Spieler erfüllen kann, z.B. alle seine Gebäude bauen, alle Mechs bauen, alle Upgrades haben oder einen Kampf gewinnen. Sobald ein Spieler sein sechstes objective erfüllt ist das Spiel sofort vorbei und die Spielauswertung beginnt. Das ist eine sehr interessante Spielmechanik, so kann man Spielern effektiv den sicheren Sieg klauen oder sich selbst ins Abseits spielen, wenn man das Spiel nicht beenden darf, weil man sonst definitiv verlieren würde.
Das als grober Umriss der Regeln, komplett könnt ihr sie in diversen Sprachen hier nachlesen.

2016 Sept Scythe 3

Spielerzahl: Gespielt habe ich Scythe schon mit 2, 3, 4 und 5 Spielern. Zu fünft war mir die downtime etwas zu lang. Ich würde die optimale Spielerzahl auf 3 bis 4 setzen, wobei es auch zu zweit total viel Spaß macht. Die Einzelspieler-Version habe ich noch nicht ausprobiert, kann mir aber vorstellen, dass es gut klappt.

Spielzeit: Mit geübten Spielern etwa 90 bis 120 Minuten.

Fazit: Ich hatte ja schon zu Beginn gespoilert: für mich ist Scythe schon jetzt das Spiel des Jahres 2016. Es ist kein Kriegsspiel, was mich sehr freut. Kämpfen ist zwar ein Weg, um an Siegpunkte und Ressourcen ranzukommen, aber es bringt nicht mehr Vorteile als das rein friedliche Spiel. Ich liebe das Artwork auf den schönen Encounter-Karten, die Heldenfiguren mit ihren tierischen Begleitern und insbesondere die „echten“ Ressourcen und das „echte“ Geld, was man sich zusätzlich zum Grundspiel bestellen konnte. Das macht Scythe zu einem haptischen Vergnügen. Die Spielmechanik ist nicht sonderlich innovativ, dafür scheint alles perfekt ineinander zu greifen. Das kann sicherlich für Anfänger frustrierend sein, dass das „vor sich Hinspielen“ keine Erfolge verspricht. Aber genau das macht für mich den Reiz aus. Denn ich neige sonst zum „Allrounder“ und finde es toll, dass ich mich hier auf selbstgewählte Ziele konzentrieren muss, um am Ende halbwegs gut dazustehen.  Das Knobeln kombiniert mit dem tollen Design macht einfach nur richtig viel Spaß, genau so soll es doch sein! 😀

Scythe mit 5 Spielern

Scythe erscheint im Oktober 2016 im Handel. Das Grundspiel kostet im Handel 80 Dollar. Weitere Komponenten wie „echte“ Ressourcen und Geld kann man zusätzlich kaufen. Für den Hausgebrauch reicht allerdings auch die normale Version. Mehr Details hier.