[Serie] Gilmore Girls – A year in life

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal die Gilmore Girls gesehen. Ich kannte die Serie nur vom Zappen her und hätte sie als Teen sicher nicht so toll gefunden wie jetzt. Insbesondere die ersten Staffeln sind klasse. Natürlich war ich sehr gespannt auf die Fortsetzung A year in life. Meine kleine Review ist in Spoilertags gehalten.

Leider war die Mini-Serie eher enttäuschend. Das 4x90min lange Format diente nicht für die Entfaltung einer längeren Storyline, sondern glich eher einem langwierigen Klassentreffen. Sicherlich schön für Fans der ersten Stunde, die die Serie zuletzt vor Jahren gesehen hatten, aber für mich eher langweilig. Nur über die Gastauftritte von Lauren Grahams „Parenthood“ Familienmitgliedern Amber und Adam (der Schauspieler ist mit Lauren Graham verheiratet) habe ich mich sehr gefreut.

Emilys Story kommt zu einem schönen Abschluss: nach Richards Tod sucht sie verzweifelt ihren Weg, scheitert mit Achtsamkeits-Irrsinn á la Marie Kondo, findet dann ihren Weg, ein neues Zuhause, einen schönen Job und sogar eine Haushälterin samt Familie, die nun auch zu Emilys Familie wird. Ein Love-Interest steht auch bereit, aber den kann Emily selbstbewusst in die Schranken weisen, denn auf einen Mann ist sie nicht mehr angewiesen. Lorelai lebt noch immer pure Egozentrik, während Luke wie ein treuer Welpe um sie herum tanzt. Immerhin gab es am Ende eine schöne Hochzeitsfeier, auch wenn ich es weird finde, dass sie vorher 10 Jahre lang – wie Emily es so schön nennt – als „room mates“ lebten. Ist commitment echt so schwer für manche? Ich mein, Ehe ist doch heute nicht mehr permanent. Ich finde sie nicht unbedingt aus romantischen Gründen wichtig, sondern weil Ehe rechtlich bindet. Vielleicht bin ich persönlich da vorbelastet, weil ich es in einer Extremsituation selbst erlebt hab, wo der Unterschied zwischen Partner und rechtlich-gebundenen Partner ist. Insbesondere da beide Geschäftsleute sind und sich ein Haus teilen, sehe ich eine Ehe als Muss. Wie auch immer. Alles noch halbwegs erträglich bei Lorelai und am Ende kommt sie ja zur Vernunft. Aber Rory. 32 Jahre alt, alle Türen offen, white spoiled girl, hat sich zu einer sehr widerlichen Person entwickelt, die mit ihrem College-Sweetheart rummacht, sich von ihm durchfüttern lässt und nebenbei ihren Freund betrügt.  Gute Jobangebote schlägt sie aus, ruht sich auf einem erfolgreichen Artikel aus und taucht bei Vorstellungsgesprächen ohne Ideen auf. „I’m Rory Gilmore“ ist alles, was sie zu sagen hat. Ist es von den Autor_innen bewusst so gestaltet, dass Rory so abscheulich ist?  Am Ende ist sie schwanger, wie ihre Mutter ohne einen Kindsvater und wird sich wohl in Stars Hollow durchbeißen müssen. Außerdem schreibt sie ihr Buch Gilmore Girls und ich hatte schon darauf gewartet, dass sich die ganze Serie als ihr Hirngespinst herausstellt – Roseanne lässt grüßen. Aber nein, dafür gibt es jetzt Raum für eine Fortsetzung. Ich hoffe, sie lassen es.