[Film] Arrival (2016)

Als Linguist freut es mich ungemein, dass endlich mal ein Sprachwissenschaftler, hier Dr. Louise Banks, in einem Film die Hauptrolle übernimmt. Mehrere Raumschiffe mit Außerirdischen landen auf der Erde, zu dem Team von Wissenschaftlern werden auch Linguisten bestellt, die mit den Aliens kommunizieren sollen. „Wieso seid ihr hier?“ ist die Frage, die es zu beantworten gilt. In Montana, einem der Landeplätze, soll Dr. Louise Banks zusammen mit dem Physiker Ian Donnelly nach Antworten forschen. Dafür steigen sie in das Innere des Raumschiffs, um direkt mit den Aliens zu kommunizieren. Diese Szene war auch zugleich eine der besten und spannendsten in Arrival. Uiuiui.

Der Film ist nichts für Leute, die nur hard sci-fi mögen, denn die Geschichte um Arrival geht schon eher in Richtung Mystery. Das Erleben des Fremden steht im Vordergrund. Wobei man da meiner Meinung nach etwas mehr hätte rausholen können. Trotz einiger Schwächen hat mir der Film aber gut gefallen. Empfehlung für alle Weltraum-Fans, denn es gibt ja sowieso zu wenig Weltraum-Filme. Und wie gesagt, diese Szene, wo Dr. Banks zum ersten Mal das Raumschiff betritt… <3
(Aber nehmt die linguistischen Dinge in Arrival nicht ernst)


Achtung, folgen Spoiler.

Ich muss noch einen Linguisten-Rant loswerden.


 

 

 

 

 

Es ist völliger Quatsch, einer nicht-menschlichen Rasse ausgerechnet Englisch mit dem englischen Alphabet beizubringen. Wieso, das seht ihr, wenn ihr zum Beispiel diesen Text lest. Die Laut-Buchstaben-Zuordnung ist sehr unvorhersehbar. Ein Linguist hätte daher schlichtweg ein phonetisches Alphabet wie IPA verwendet. Vielleicht noch kombiniert mit Videos oder Bildern, die den Ort der Lautbildung im menschlichen Sprechapparat visualisieren. Aber gut, man konnte dem Zuschauer wohl nicht zumuten, IPA Zeichen zu sehen.

Puh, und die Sapir-Whorf-Hypothese, um die sich der ganze Film spinnt: Unser Denken werde von der Sprache, die wir sprechen, beeinflusst. Aus linguistischer Sicht gehört das schon fast in den Bereich der Esoterik, ich habe jedenfalls keinen Linguisten getroffen, der da nicht die Stirn gerunzelt hätte oder direkt ins Lachen verfallen ist. Die Datengrundlage für diese Hypothese ist einfach zu dünn und einseitig (zb. werden gerne unterschiedliche/fehlende Farbbezeichnungen aufgeführt). Allerdings dient die Hypothese als guter Opener, damit Studenten verstehen, dass Sprache ganz unterschiedliche Realisierungen haben kann.

Naja, aber selbst wenn wir – im Sinne des Films – diese Hypothese als richtig annehmen, so funktioniert es einfach nicht, wie es im Film dargestellt wird. Dr. Banks lernt die non-lineare Schriftsprache der Aliens (der Autor der Buchvorlage war wohl von Vonneguts Slaughterhouse Five inspiriert). Dadurch erhält sie auch die Fähigkeit, die Zeit non-linear zu erleben. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, alles ist eine Ansammlung von Momenten. Es ist allerdings so gut wie unmöglich, dass Dr. Banks die Aliensprache auf dem Niveau eines native speakers erlernt hat. Denn das können selbst die wenigsten Menschen mit Menschensprachen, sobald sie älter als 10 Jahre alt sind. Auch wenn einige Deutschsprecher Englisch nahezu wie ein native speaker können, so gibt es Tests, die native speaker mit Bravur bestehen und wo Deutschsprecher – egal wie gut ihr Englisch sein mag – gnadenlos scheitern. Es sei denn, sie sind Linguisten 😉 Also, dass Dr. Banks allein nur per Schriftsprache die Aliensprache so gut erlernt, dass sich die Sapir-Whorf-Hypothese erfüllt…nääää.

Aber hey, es war cool, wie sie am Ende ein Buch namens „Universal Language“ veröffentlich hatte, ein Augenzwinkern zu Noam Chomskys „Universal Grammar“ (= allen Sprachen unterliegt eine grundlegender Bausatz). Der Rest ist dann wie bereits gesagt eher Mystery als Sci-Fi, aber nichtsdestotrotz gefällt es mir, dass mal ein Linguist der Held sein durfte, wohoo 😀

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