Fröhliche Festtage

Ich bin kein Christ und auch nicht religiös, eher stehe ich dem Theismus und kirchlichen Institutionen sehr kritisch gegenüber. Das heißt aber nicht, dass die winterlichen Feiertage für mich ausgeschlossen sind. Mit der Wintersonnenwende gibt es nämlich immer einen Grund zum Feiern: die Tage werden wieder länger. Das Fest kurz vor Jahresende ist also ein Abschiedsfest der dunklen Jahreszeit. Lichter, Gebäck und immergrüne Pflanzen wie Tannenbäume sind keine christliche Erfindung, Feste zur Wintersonnenwende sind tief in der menschlichen Kultur verankert, zum Jahresende feierte man in der Antike die Saturnalien, im Judentum das Lichterfest Chanukka. Wenn wir schon keinen Winterschlaf halten, dann können wir doch wenigstens im gemütlichen Zuhause zur Ruhe kommen und Kraft tanken.

Aber oft kommt es anders. Kommerzialisierung und gesellschaftliche Zwänge übernehmen das Steuer. Eine Hektik breitet sich aus, das Haus muss geschmückt, Weihnachtsgeschenke müssen gekauft und das Essen bzw. der Verwandtenbesuch geplant werden. Stress übermannt die gemütliche Zeit. Ich war die letzten Jahre immer froh, wenn alles vorbei war. Am schönsten war der 27. Dezember, der Tag, an dem das nächste Weihnachten am Weitesten entfernt war und ich „zwischen den Jahren“ endlich zur Ruhe kommen konnte.

Seitdem ich nicht mehr studiere sondern arbeite, sind alle Urlaubs- und Feiertage wichtiger geworden. Daher mache ich mir mittlerweile das beste Geschenk: ich verbringe die Festtage so wie es mir passt. Am 24. Dezember gehen der Freund und ich auswärts essen und tauschen danach unsere Geschenke aus. Auf Verhandlungen, wo und mit wem man welchen der drei Feiertage verbringt, lasse ich mich nicht mehr ein. Ich möchte diese Tage auch nicht mit fremden Menschen verbringen, „weil es sich so gehört“ sondern mit denen, die ich auch abseits von Weihnachten sehe. Einmal im Sommer laden wir die Familie zum Grillen ein und einmal im Winter, am 1. Weihnachtstag, zum Abendessen. Ohne Geschenke, ohne Wichteln, ohne Zwänge, einfach nur ein schönes Essen zusammen genießen. Den zweiten Weihnachtstag verbringe ich entweder mit meinen Freundinnen oder Zuhause, als ob es ein Sonntag wie jeder andere wäre.

Von Dekozwängen habe ich mich verabschiedet, nur eine Lichterkette sorgt für Gemütlichkeit im Winter. Irgendwann machte es keine Freude mehr, den falschen Weihnachtsbaum aufzubauen und zu schmücken. Eine echte Tanne kam sowieso nicht in Frage, weil ich keinen Baum für Dekorationszwecke abholzen lassen will und die Dinger so mit Pestiziden belastet sind, dass sie nicht mal als Snack für die Meerschweinchen dienen können.

Es fehlt mir an nichts, selbst wenn es weniger Geschenke und weniger Deko gibt. Im Gegenteil, ohne diese Zwänge kann ich endlich den Jahresausklang genießen ohne schon Wochen vorher Bauchschmerzen wegen dem kommenden Weihnachten zu haben. Ich darf die Feiertage so gestalten wie ich es gut finde und darüber bin ich sehr glücklich.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Jahresausklang, mit so wenig Stress wie möglich und nach allen Möglichkeiten so, wie ihr ihn euch wünscht.

 

 

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