[Buch] Fettlogik überwinden

Im September 2016 bin ich per Zufall über die Comics von Erzählmirnix auf Dr. Nadja Hermanns Blog zur Fettlogik gestoßen. In mir schwankte eine Mischung aus Faszination, Begeisterung und totaler Ablehnung. Dass ich allein mit Kalorienzählen, ohne Sport, Low Carb und Co, mein Gewicht halte könne, hielt ich für einen großen Witz. Aber ich probierte es trotzdem, lud mir die App MyFitnessPal runter und trug einen angestrebten Gewichtsverlust von 1kg pro Monat ein. 5 Monate später habe ich tatsächlich die 5kg abgenommen. Also bestellte ich das Buch zum Blog, weil ich neugierig auf mehr wissenschaftliche Hintergründe zu der „Fettlogik“ war.

Seitdem ich aus der Uni raus bin, habe ich fast 15kg zugenommen. Bürojob, weniger Bewegung, andere Essenszeiten und mehr Geld für Essen ließen die Kilos steigen. Ich muss zugeben, dass mich dann die Fatacceptance-Bewegung etwas eingelullt hatte. Was sollte an den paar extra Kilos schlimm sein? Dass mich die entstehenden Rücken-Röllchen ziemlich störten beim Bewegen und ich unbequemer auf der Seite schlief, weil das Fett meinen Körper eindrückte, ignorierte ich. Ich hatte das Abnehmen für mich aufgegeben, weil ich nicht viel Zeit für Sport investieren will/kann und von der so gepriesenen Low Carb-Ernährung durchdrehen würde. Ich aß nicht viel und nahm trotzdem zu, Schicksal. Ernährung war anscheinend ein völliges Mysterium aus Stoffwechsel, Genen und kleinen Heinzelmännchen, die Nachts die Klamotten enger nähen.

In Fettlogik überwinden dekonstruiert Dr. Hermann all diese „Fettlogiken“ mit wissenschaftlichen Belegen. Authentisch wirkt die Autorin dadurch, dass sie selbst Fürsprecher jener Logiken war und nach dem langsamen Überwinden dieser von 150kg auf ein (medizinisches) Normalgewicht abgenommen hatte. Und es bis heute hält.

Moment, ich muss keinen Sport machen? Ich muss nicht lauter tierische Produkte in mich reinstopfen oder einen Doktor in veganer Low-Carb-Ernäherung machen? Es gibt keinen Hungermodus, es gibt keinen Jojo-Effekt und auch keinen schlechten Stoffwechsel? „Iss weniger Kalorien, als du verbrauchst“ reicht? Ja, tatsächlich. Nährstoffe spielen zwar eine Rolle für die Gesundheit, Proteine sind wichtig für den Muskelaufbau, aber für die reine Abnahme reicht ein Kaloriendefizit.

Ich habe ja schon vor dem Lesen des Buches gesehen, dass Abnahme so funktioniert und wiege 5kg weniger. Meine lästigen Rückenröllchen sind weg und ich kann wieder bequem auf der Seite schlafen. Mein Körpergefühl hat sich deutlich gebessert. Das Kalorienzählen und meine Ernährung empfinde ich nicht als einschränkend. Ich esse weiterhin auch mal Pommes, Pizza und Co, nur dass ich mit den Kalorien haushalte. Meine Übergewicht-Falle war die Mittagspause, wo ich unbewusst richtige Kalorienbomben zu mir nahm.

Dr. Nadja Hermann wird gerne unterstellt, dass sie Dicke hasst. Das kann ich nach der Lektüre nicht bestätigen. Dass sie ein Dorn im Augen der Fatacceptance-Bewegung ist, kann ich aber verstehen. Denn Dr. Hermann warnt ausdrücklich vor den gesundheitlichen Risiken des Fettseins (mit Betonung auf Fett, auch normalgewichtige mit hohem Körperfettanteil sind einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt). Außerdem räumt sie mit dem Mythos auf, dass man aus Veranlagung nicht abnehmen kann oder schlank sein könne.

Interessant ist ihr Interview mit Dr. Natalie Grams, die mit der Homöopathie eine ähnliche Entwicklung durchmachte wie Dr. Hermann mit der Fatacceptance.

Mir hat die Lektüre jedenfalls gut geholfen, für mich die Fatacceptance loszuwerden. (Dazu passt dieser Artikel gut). Nein, ich werde das Fett, was mich auf Dauer krank machen kann, nicht akzeptieren. Mein Partner ist zum Glück unterstützend und ich verbringe meine Mittagspause alleine ohne „soziales Essen“. Denn das schwerste am Kalorienzählen sind wohl die Mitmenschen, die es niederreden, manchmal als Essstörung bezeichnen oder sogar bewusst sabotieren. Für mich persönlich ist Kalorienzählen eine wunderbar einfache Lösung, mit der ich abends mal Chips und Schokolade ohne schlechtes Gewissen essen kann.

Fazit: Es gibt viele Gründe, wieso ich Fettlogik überwinden super finde. Ich bin begeistert von dem klaren wissenschaftlichen Ansatz, der auch für Laien „Fettlogiken“ verständlich entwirrt und auflöst. Das Buch ist in viele kleine Kapitel gegliedert, sodass man es prima zwischendurch lesen kann. Fettlogik überwinden hat es geschafft, mich zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren. Nicht durch ein schlechtes Gewissen, sondern durch Ansporn „Ich kann es auch schaffen“.


Persönliche Aussicht: Mein Ausgangsgewicht stand kurz vor der Adipositas. Mein Abnahmeziel waren 5-7kg. Das habe ich fast geschafft. Mit dem jetzigen Gewicht bin ich aber noch immer übergewichtig. Das Buch hat mich dazu motiviert, den kompletten Weg zu gehen. Ich will einen gesunden starken Körper haben und normalgewichtig sein. Mein erstes Ziel ist die reine Abnahme. Das zweite ist der Muskelaufbau, für den ich Zuhause 10-20 Minuten Übungen mache. Dr. Hermann hat mich auch mit ihrer Vorliebe für Krafttraining motiviert. Das habe ich vor vielen Jahren 2 Jahre lang gemacht. Es war der einzige Sport, den ich wirklich kontinuierlich mit Spaß verfolgt habe und der sich gut in meinem Alltag einbauen ließ. Selbst negative Reaktionen aus dem Umfeld –  eine Frau sei ja schon unweiblich, wenn sie nur leicht definierte Muskeln hat – konnten mir den Spaß nicht nehmen. Ich mag am Krafttraining, dass man sofort Effekte spürt, ich mich nicht langweile und auf Dauer die Muskeln ein wunderbares Körpergefühl bescheren. Ich werde Kraftsport erst mal weiter Zuhause machen und vielleicht habe ich irgendwann genug Socialize-Löffel, um ein Fitnesstudio aufzusuchen.

2 Gedanken zu „[Buch] Fettlogik überwinden“

  1. Ich bin schockiert. Erst dein Beitrag in meinem Reader, dann ein Katzenbeitrag, dann noch einer zum gleichen Buch … FIY, weil ich es so kurios finde: https://solera1847.wordpress.com/2017/02/08/gehort-fettlogik-uberwinden-von-dr-nadja-hermann/

    Ansonsten meinen Glückwunsch zum Gewichtsverlust und zum Krafttraining kann ich auch nur raten, das hilft mir zumindest auch, den Kopf frei zu bekommen. Ansonsten finde ich es bedenklich, sich auf das Abnehmen zu kaprizieren. Das ist so typisch medizinisch. Das Problem jeder Diätlogik ist, dass man in Diätlogik denkt … Und dass man es sich gern mit einfachen Regeln leicht machen will. Insgesamt finde ich es zu kurz gedacht – es geht eher um Lebenswandel. Und der ist mehr als Kalorien … Und mehr als Ernährung. Aber das ist ein Problem, dass die Autorin wohl aus professionellen Gründen hat.

    Und jetzt gehe ich darüber nachgrübeln, ob ich nicht doch übergewichtig bin. *seufz* 😉

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