[Film] Hidden Figures (2016)

Hidden Figures erzählt die Geschichten von Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson, drei Frauen, die als Wissenschaftlerinnen der NASA am amerikanischen Space Race gegen die UdSSR maßgeblich beteiligt waren. Als einige der wenigen schwarze Frauen in ihren Fachbereichen erlebten sie doppelte Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und Rasse. Sie kämpften sich nach oben. Johnson berechnete als mathematisches Superbrain die Flugbahnen der NASA-Missionen, darunter auch die zum Mond. Vaughan war der erste schwarze Supervisor in einem Rechenzentrum, eigenständig brachte sie sich und ihren Kolleginnen eine Programmiersprache bei und bereitete die Einführung von maschinellen Großcomputern vor. Jackson war die erste schwarze Ingenieurin bei der NASA. Drei unerkannte Heldinnen, wie der deutsche Titel sie zurecht nennt.

Mir hat der Film richtig gut gefallen. Die Besetzung der Hauptrollen ist perfekt gelungen. Octavia Spencer als eher mütterliche Vaughan, Taraji Penda Henson als Mathe-Geek Johnson und Janelle Monáe als die aufgedrehte Ingenieurin Jackson. In weiteren Rollen Kevin Costner, Kirsten Dunst und Jim Parsons. Der Film verändert aus erzähltechnischen Gründen einige Zeitpunkte, was nicht weiter stören sollte. Auf Wikipedia kann man die Abweichungen zur realen Geschichte nachlesen.

Eins der großen Themen von Hidden Figures ist die Rassentrennung, bis 1964 unter dem Motto „separate but equal“ juristisch umgesetzt. Die Segregation wird im Film mehrmals thematisiert und hat dramaturgische Wichtigkeit in der Erzählung. Manchmal sind es Kleinigkeiten, wie dass die weiße Supervisorin Vaughan nur mit dem Vornamen anspricht, während Vaughan „Mrs“ benutzt. Eine Solidarisierung von weißen Frauen mit schwarzen Frauen wird durch den (oft unbewussten) Rassenhass verhindert. Vermeidliche Kleinigkeiten können auch zu essentiellen Hürden werden. Mit denen hat insbesondere Johnson zu kämpfen als sie anfängt im weiß-männlichen Rechenzentrum zu arbeiten, wo es keine Toilette für farbige Frauen gibt und sie mehr als eine Meile zur nächsten zurücklegen muss.

Es macht Spaß und man fiebert mit, wenn die sympathischen Heldinnen sich gegen das System auflehnen, egal ob mit lautstarken Widerstand oder mit cleveren Schachzügen und leisen Protestbekundungen.

Was den Film doppelt cool macht, ist, dass er auch von Weltraumflügen und Wissenschaft handelt. Mir war nicht ganz bewusst, dass die Flugbahnen für die ersten Weltraum-Missionen tatsächlich in einem menschlichen Kopf berechnet worden sind. Es ist schön, welches Fazit der Film bei dem Thema Bildung und Wissenschaft indirekt zieht, aber dafür müsst ihr den Film schon selbst anschauen.

Fazit: Hidden Figures ist ein tiefsinniger und unterhaltsamer Film, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Wir brauchen nicht zigtausend Marvel/DC-Filme, sondern mehr Geschichten über Menschen, die im wahren Leben beachtliches geleistet haben, unser Andenken verdienen und andere Menschen inspirieren können.

PS. Wir haben den Film im Residenz gesehen. Man sitzt auf bequemen Sesseln mit Hockern wie in einem riesigen Wohnzimmer, zu Beginn der Vorstellung kann man am Sitz leckere Snacks und Getränke bestellen. So kostet der Kinobesuch für 2 gut 40-50 Euro, aber so ein Wellnessabend im Kino lohnt sich allemal.

 

 

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