Jetzt politisch

Seit dem 5. Februar ist es offiziell: ich bin Mitglied der Partei der Humanisten. Ich hatte mich bis dato nicht sonderlich für Politik interessiert und hätte nie gedacht, dass ich jemals einer Partei beitreten würde. Schon gar nicht, nachdem in den letzten Jahren meine politische Heimat, die SPD, für mich zunehmend unwählbar wurde. Im Parteieintritt sah ich generell keinen Sinn. Als introvertierter Mensch ohne Altherren-Connections, was hätte ich da sein können außer einer Karteileiche, die Geld zahlt? Für mich war es keine Option, allein finanzieller Unterstützer zu sein.

Meine Politisierung hat mit dem Erstarken des Rechtspopulismus zu tun. Ich möchte kein rechtes Europa und die letzten Jahre zeigen, dass Wunschdenken nicht ausreicht, um dies zu verhindern. Ich bin nicht die einzige, die sich politisch mobilisiert fühlt, neben rechten Parteien erleben auch viele linke Parteien zuwachs. Nicht politisch zu sein, ist keine Option mehr. Außerdem wichtig sind mir Themen wie Gesundheitspolitik, Gleichstellung, Säkularisierung und Bildung, die für mich in letzter Zeit besonders unbefriedigend von der Politik angegangen worden sind. Ein weiterer Anstoß für meine Politisierung war auch, dass ich eine Gefahr in der zunehmenden Betonung von Gefühlslagen mit gleichzeitiger Abkehr von argumentativen Diskursen und Faktencheck sehe. Und dies sehe ich nicht nur im rechten Spektrum, auch das linke Spektrum nimmt es bei manchen Themen (zb. CETA) nicht so genau mit den Fakten. Es reicht nicht mehr, im Elfenbeinturm zu sitzen und sich unter Peers aufzuregen; Rationalität und wissenschaftliche Fakt müssen wieder stärker in Politik und Gesellschaft vertreten werden.

Für konservative Parteien fühlte ich mich zu progressiv, sozial und säkular, für die Linken oder Grünen zu wenig ideologisch, die SPD vertritt für meinen Geschmack humanistische und soziale Grundsätze zu lasch. Ich habe mit der Partei der Humanisten meine Nische gefunden. 2016 wurde ich auf die Partei über Tweets aufmerksam, die mir durch Themen wie Anti-Homöopathie und Säkularisierung positiv auffielen. Ich schaute mich auf ihrer Internetseite um, war angetan von dem Leitbild, den klaren Strukturen und von den aufgezählten Möglichkeiten sich zu engagieren, ob als ehrenamtlicher Mitarbeiter, online oder direkt vor Ort. Aber da Sein und Schein nicht immer zusammen treffen, reicht eine ansprechende Internetseite nicht. Für das erste Kennenlernen bin ich der Facebook-Gruppe beigetreten. Dort tummeln sich nicht nur Parteimitglieder sondern auch Interessierte. Mir gefiel die faktengestützte Diskussionskultur und die Offenheit der Parteimitglieder. „Ein Thema ist in der Partei unterrepräsentiert? Dann mach einen Arbeitskreis auf und hilf mit.“ Ich finde es super, dass die inneren Strukturen zulassen, dass auch ich als „kleiner Fisch“ mitarbeiten und mitwirken kann, so wie es zu meinen Stärken und Interessen passt. Natürlich liegt der hohe Mitmachfaktor auch daran, dass die Partei sehr klein und jung (*Oktober 2014) ist. Aber das ermöglicht eben auch, die Partei fast von Anfang an mit aufbauen zu können.

Meinem Beitritt folgten Einladungen zu den parteiinternen Kommunikationsplattformen auf Slack, einem Chat-Klienten, und Trello, wo alles organisatorische geschieht. Für Diskussionen gibt es ein eigenes Forum, mit öffentlichem und parteiinternem Bereich. Momentan finde ich mich noch ein, lerne online die ersten Mitglieder kennen und bin auch schon einer AG beigetreten. Alles in allem bin ich sehr zufrieden und freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit.


Hast du Interesse? Folge der Partei auf Twitter oder Facebook, diskutiere im Forum oder in der Facebook-Gruppe mit. Triff Mitglieder auf Veranstaltungen und Stammtischen. Hilf der Partei, auf die Wahllisten zu gelangen. Und wenn ihr Mitglied werden möchtet, könnt ihr online einen Mitgliedsantrag stellen.

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