[Buch] Parable Of The Sower

Diese Rezension ist spoilerfrei und behandelt sowohl The Parable of The Sower (1993) als auch den zweiten Teil der Reihe, The Parable of the Talents (1998), von Octavia E. Butler. Nach dem Lesen des ersten Bandes hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte nicht vollständig ist. Daher habe ich mit meiner Rezension gewartet, bis ich auch den zweiten Band gelesen hatte. Mit ihm ergab sich eine runde Erzählung. Einen geplanten dritten Band, Parable of the Trickster, konnte Butler leider nicht mehr umsetzen. Das ist schade, aber die Erzählung ist trotzdem abgeschlossen.

Von der schwarzen Sci-Fi-Autorin Octavia E. Butler hatte ich nur am Rande gehört und bis dato außerhalb meines Amerikanistik-Studiums keine Texte von schwarzen Autor*innen gelesen. Das war etwas, was ich in diesem Jahr nachholen wollte. Nun wurde mir vor kurzem der Artikel Parable of the Sower – not 1984 – is the dystopia for our Age von @Mandinka_X in meine Timeline gespült. Das hat mich so neugierig gemacht, dass ich direkt mit dem Lesen began. Eins kann ich vorweg sagen: ja, lest nicht 1984, sondern (erst) die zwei Bücher der Parable Reihe.

It began well before 2015, perhaps eben before the turn of the Millennium. It has not ended.

Die Erzählung spielt in der nahen Zukunft, aufgrund des Alters des Buchs fast zu unserer jetzigen Zeit. Die USA sind kollabiert. Die Regierung ist so gut wie handlungsunfähig, der Klimawandel macht das Leben im Süden der USA schwer. Lauren Oya Olamina, Tochter eines Priesters, wächst ärmlich, aber immerhin in einer relativ sicheren, mit einer Mauer umrandeten Siedlung auf. Nach dem Tod ihrer Familie flieht sie in Richtung Norden. Ihr einziger Halt ist Earthseed, eine Religion, die Lauren „gefunden hat“.

All that you touch
You Change.
All that you Change
Changes you.
The only lasting truth
Is Change.
God
Is Change.

The Parable of the Sower liest sich wie ein klassischer Young Adult Roman. Nur ohne Weichzeichnung. The Parable of the Sower ist schonungslos. Wenn die Regierung kollabiert, die Polizei und Feuerwehr korrupte Dienstleistungsbehörden sind, dann sind Raub, Gewalt und Mord  konstante Bedrohung. Trotz relativer Sicherheit ist dies Lauren bewusst, sodass sie schon als Teenager alles lernt, das ihr beim Überlebenskampf helfen könnte. Dabei wirkt sie deutlich authentischer und realistischer als eine Katniss Everdeen.

Die meisten der Hauptcharaktere sind schwarz oder multiracial. Sie sind auf Reisen aufgrund ihres Aussehens besonders viel Argwohn und erhöhter Gefahr ausgesetzt. Auch das Thema Sklaverei wird in einer sehr aktuellen Art geschildert, aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Insbesondere Parable of the Talents liest sich so, als ob Octavia E. Butler die heutigen USA kennen würde. „Help us to make America great again“ ist der Wahlspruch des mehr als kontroversen, religionsfanatischen Präsidentschaftskandidaten:

President Jarret and his followers in Christian America believed that one of the things that had gone wrong with the country was the intrusion of women into „men’s business“.

Fazit: Mich hat die Erzählung sehr berührt und ich wünschte, ich hätte sie schon als Teenager gelesen, weil sie Mut macht und Kraft gibt. Die Parable-Reihe hat zwei Ebenen: eine politische, die erschreckend aktuell ist, sowie eine sprituelle, dem Aufblühen von Earthseed, das wie der Name anmutet einer Naturreligion gleicht, nur komplett ohne Mythologie auskommt. Keine Sorge, wenn ihr nichts mit Religion und Glauben anfangen könnt, die Lektüre lohnt sich. Wenn ihr gerne Dystopien lest, dann führt insbesondere in heutiger Zeit kein Weg an der Parable-Reihe vorbei.

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