[Buch] The Book of Phoenix

The Book of Phoenix von Nnedi Okorafor ist das Prequel zu ihrem erfolgreichen Buch Who fears Death. Eigentlich wollte ich letzteres lesen, aber da es nicht als ebook verfügbar ist und The Book of Phoenix zudem für 99 Cent zu haben ist, habe ich erst mal hier zugeschlagen. Vorweg sei gesagt: man muss Who fears Death nicht kennen, aber sollte schon vor haben, es zu lesen. Die Bücher sind durch ein apokalyptisches Ereignis und mehrere Jahrzehnte getrennt. The Book of Phoenix beschreibt, wie es zu diesem Ereignis kam und auf welchen Grundlagen die Gesellschaftsordnung in Who fears Death basiert.

Inhalt: Phoenix ist ein SpeciMen. Sie wurde künstlich hergestellt und wuchs innerhalb von 2 Jahren zu einer 40jährigen Frau heran. Sie lebt abgeschirmt in den USA im Tower 7. Dieser gehört zu einem Forschungsunternehmen, dass Phoenix The Big Eye nennt. Ihre Leidenschaft ist das Lesen, innerhalb von Minuten kann sie ganze Bücher verschlingen. In der Mittagspause hat sie Kontakt zu anderen SpeciMen, die fast alle wie sie people of color sind und meistens aus Afrika stammen. Dort lernt sie Saeed kennen, durch den sie erstmals auf die Idee kommt, sich überhaupt mit einer möglichen Flucht zu beschäftigen…

Die Erzählung um Phoenix ist eine Binnenerzählung aus ihrer Ich-Perspektive. Die Rahmenhandlung findet bereits in einer viel späteren postapokalyptischen Welt statt. Ich muss zugeben, dass ich diese Rahmenerzählung komplett vergessen hatte, bis sie am Ende wieder auftauchte. Richtig verstanden habe ich sie nicht, sie wird wohl erst Sinn ergeben, wenn ich Who fears Death lese. Die Binnenerzählung funktioniert aber auch wunderbar ohne den Kontext.

Wie schon bei Binti lässt Okorafor auch hier ihren kulturellen Hintergrund einfließen. Die SpeciMen sind größtenteils (West-)Afrikaner, die im Namen der Wissenschaft versklavt und erforscht werden. Im Laufe der Erzählung setzt sich Phoenix immer mehr mit ihrer afrikanischen Herkunft auseinander, aber auch mit ihrem Selbstverständnis als SpeciMen. Spannend ist zum Beispiel, dass sie sich als villain, als Bösewicht, einordnet. Nach und nach verwebt die Erzählung Tech-Futurismus mit westafrikanischen Mythos.

Fazit: Mir fällt es schwer ein passendes Fazit zu ziehen, weil Sci-Fi wie Okorafor sie schreibt so viele für mich neue Elemente hat. Das ist schon mal ein großes Plus 😉 Ich fand die charakterliche Entwicklung von Phoenix sehr gelungen, sie zeigt Stärke, aber auch dunkle Züge, die sonst bei Frauencharakteren rar oder „verhübscht“ sind. (Vielleicht gilt das aber auch nur für weiße Frauen/Sci-Fi, denn Lauren aus Parable of the Sower war ähnlich stark, aber auch hart). Das world building war exzellent, nur an Okorafors knappen, punktgenauen Erzählstil muss ich mich noch gewöhnen. Generell finde ich es aber gut, dass sie nicht so ausschweift wie manche Autoren. Nun beiße ich in den saueren Apfel und bestelle Who fears Death als echtes Taschenbuch, denn ich will unbedingt wissen, was es mit dieser ominösen Rahmenhandlung auf sich hat.

 

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