[Serie] 13 Reasons Why

In die Serie hätte ich wohl nicht reingeschaut, wäre da nicht der Hype auf Twitter gewesen. Allein der deutsche Titel (wieso, Netflix?) „Tote Mädchen lügen nicht“ war alles andere als ansprechend. Vorweg gesagt: ich fand die Serie nicht gut und das lag nicht am Thema.Der zugrunde liegende Roman hat nur 288 Seiten, die Serie wurde inhaltlich ergänzt um passend auf 13 Folgen zu kommen. 13 Kassetten hat Hannah Baker besprochen, in denen sie Gründe bzw. eher Personen auflistet, die sie in den Selbstmord trieben. Einige Zeit nach ihrem Selbstmord erhält der schüchterne Clay das Paket mit den Kassetten und taucht in Hannahs Welt ein: Demütigungen, sexuelle Belästigung, die finanziellen Sorgen ihrer Eltern und Hoffnungslosigkeit. Aber nicht nur Clay soll sich Hannahs Geschichte anhören. Vor ihm haben schon alle die Kassetten gehört, die Hannah darin beschuldigt, zu ihrem Selbstmord beizutragen.

Den Plot an sich fand ich – trotz des wichtigen Themas – an einigen Stellen fragwürdig. Mir stößt Hannahs Auflisten an Schuldigen an ihrem Selbstmord bitter auf. Es gibt definitiv Leute, die Hannah krass geschadet haben und dafür rechtlich belangt werden müssen. Aber sie benennt auch einige „Vergehen“, wo solcherlei harte Schuldzuweisungen nicht gerechtfertigt sind. Ebenso stört mich Hannahs Erwartungshaltung an andere („Bitte sag jetzt dies“, „Bitte lad mich jetzt ein“). Dass man achtsamer und nicht scheiße zu seinen Mitmenschen sein soll, ist zwar eine schöne Message, aber scheitert oft auch an menschlicher Unsicherheit, die besonders bei Teenagern groß ist. Mit der Kritik möchte ich nicht Hannahs Leid relativieren, sondern mich stört die Art und Weise, wie manches in der Serie rüberkommt (zb. dass es überhaupt Gründe für einen Selbstmord braucht, oder Liebe einen Selbstmord verhindern kann).

Die filmische Umsetzung des Plots konnte mich überhaupt nicht überzeugen. 13 Reasons Why zog sich wie Kaugummi, die Charaktere waren uninteressant und beliebig. Hier kommt wieder das Problem auf, was ich mit vielen Highschool-Serien habe: 20jährige Hollywood-Beaus wirken meistens nicht wie normale Teenager. Einige Rollen wurden sogar von über 25-jährigen besetzt. Man vergleiche das zum Beispiel mit My So-Called Life, wo die Hauptdarstellerin Claire Danes tatsächlich 15 Jahre alt war und so die Rolle authentisch verkörpern konnte.

Fazit: Ich hab 13 Reasons Why aus Neugier zu Ende geguckt. Die Serie empfand ich als recht langweilig, sie lebte nur von einigen starken Szenen. Ich hätte es besser gefunden, wenn man jedem der dreizehn Gründe 10-20 Minuten Zeit eingeräumt hätte, diesen Plot um „oh my god, was ist, wenn die Erwachsenen die Tapes finden?“ gestrichen hätte und so alles viel konzentrierter und intensiver gewesen wäre. Wäre alles „aus Hannahs Kopf heraus“ erzählt worden, ohne eine externe Perspektive, würden mich auch nicht die oben genannten Punkte nicht so sehr stören.

2 Gedanken zu „[Serie] 13 Reasons Why“

  1. Beim Titel hat Netflix nur den deutschen Buchtitel (vermutlich aus Wiedererkennungsgründen) genommen, der ist nicht selbst ausgedacht. Macht den Titel an sich aber nicht logischer.

    Mit jedem Review, das ich lese, hab ich weniger Lust auf die Serie. Scheint wohl einer der wenigen Reinfälle von Netflix zu sein….

    1. Ach ok, das mit dem Buchtitel ist verständlich. Wobei ich es vorziehen würde, wenn einfach nur die Originaltitel benutz werden.
      Es lohnt sich absolut nicht, die Serie anzugucken. Ich hab sie nach 2 Folgen auch nur nebenbei plätschern lassen, man verpasst eh nix. Dass Netflix noch eine zweite Staffel will, versteh ich absolut nicht…aber vielleicht kam’s ja bei Teenagern total gut an?

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