[Buch] The Handmaid’s Tale

Nachdem Trump zum Präsidenten der USA gewählt worden war, gab es zahlreiche Verweise auf 1984, das Buch von George Orwell war zeitweise auf Amazon ausverkauft. Parallelen kann man sicherlich finden, aber ich fand die Vergleiche zu 1984 nie ganz passend. Am Rande fielen aber auch die Namen anderer Buchtitel: The Parable of the Sower, welches ich schon deutlich aktueller fand, und The Handmaid’s Tale.

The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood erzählt eine Dystopie, die in einer nahen Zukunft liegt. Wir befinden uns in der frühen Epoche Gileads. Ehemals bekannt als die USA, nun ein weiß-christlich-fundamentalistischer Staat. Gerade ein paar Jahre sind vergangen, seitdem die Protagonisten Offred – einst eine studierte, selbstständige Frau – zu einer Handmaid wurde. Die meisten Frauen (und inoffiziell auch Männer) sind unfruchtbar. Die letzten verbliebenen fruchtbaren Frauen dienen als Handmaids. Sie sollen für hochrangige Männer und ihre Frauen, genannt Wives, Kinder gebären. Ein Schicksal, das noch als glücklich empfunden wird, besser als als Unwomen in den Kolonien zu schuften.

Der Roman ist zwar von 1985, aber scheint aktueller denn je. Im Gegensatz zu 1984 und ähnlichen befasst er sich auch damit, wie der fundamentalistische Staat langsam Einzug erhielt und letztendlich besiegelt wurde. Es passierte auch durch Kleinigkeiten, die immer größere Wellen schlugen, bis die Kleinigkeiten irgendwann keine mehr waren. Offred erinnert sich an ihre Mutter, die ständig für eine feministische Causa protestierte, die Offred müde belächelte. Offred erinnert sich an Verbrechen an Frauen, aber die passierten irgendwo. Man findet Parallelen zur Türkei, zur USA und auch zu den rechten Strömungen Deutschlands, die den Schutz der Frau gerne für ihre Politik vorschieben.

Besonderes Merkmal an The Handmaids Tale ist die Involvierung von Frauen in dem gegen Frauen repressiven System. Gegenseitige Bewachung, Bestrafung, Neid, Abwertung, laut den dogmatischen Aunts in Offreds Trainingszentrum nur eine Übergangsphase bis die Frauen aller Klassen wie Mütter und Töchter agieren, im Namen der Rassenerhaltung gemeinsam an der Reproduktion arbeiten. Wieso wählen so viele Frauen einen Sexisten, wieso agieren sie in rechtsradikalen Parteien? The Handmaid’s Tale befasst sich auch mit diesen Fragen.

Fazit: The Handmaid’s Tale ist eine sehr lesenwerte Geschichte. Sie beschäftigt sich vor allem mit feministischen Themen, aber auch mit der Frage, wie die Transition zwischen einem freiheitlichen und einem fundamentalistischen System ablaufen kann, und wie das Individuum in dieser Transition versucht zu überleben. Absolute Leseempfehlung.

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