[Serie] Dear White People (Season 1)

Die Netflix-Serie Dear White People basiert auf einem Film aus 2014, den ich noch nicht gesehen habe. Sie spielt an einem fiktiven Ivy League College und zentriert sich auf eine Gruppe von schwarzen Studenten, die im gleichen Gebäude wohnen. Die Serie behandelt gesellschaftliche Probleme durch Rassismus, aber auch die privaten Sorgen und Kämpfe der Studenten. Vorweg gesagt: Dear White People setzt sich zwar mit ernsten Problemen auseinander, hat aber trotzdem eine gewisse Leichtigkeit und einen feinen Humor, die sofort zum binge-watchen einladen. Hinzu kommen noch tolle, individuelle schwarze Charaktere, die anders als in anderen Serien kein wandelndes Klischee sind.

Aufhänger der Serie ist eine Blackface-Party auf dem Campus: Weiße Studenten verkleiden sich als Schwarze. In ihrer Radioshow Dear White People kommentiert die schwarze Studentin Sam White den Rassismus, der nicht erst seit der Party den Campus aufwühlt. Spannend ist, dass die Party in den ersten Folgen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird. Sam ist eine Aktivistin, Lionel ein zurückhaltender Nerd und Journalist, Troy der beliebte Politiker, Coco hängt mit weißen reichen Freunden ab und präsentiert sich allzu gerne als Troys Gefährtin und to-be-first lady. Man lernt auch die unterschiedlichen schwarzen Gruppierungen und Aktivistengruppen kennen, die keinen allgemeinen Konsens haben, wie man auf dem Campus mit Rassismus umgehen sollte. Multiperspektivische Erzählungen finde ich ja meistens öde, aber bei Dear White People ist dies gelungen. Mitte der ersten Staffel kommt es zu einem Vorfall, danach wechselt der Erzählstil und die Geschichte schreitet voran.

Dear White People behandelt viele Themen und beleuchtet diese aus verschiedenen schwarzen Perspektiven. Die schwarzen Charaktere sind komplex und tiefgründig. Das ist eher selten in Serien, oft gibt es nur zwei Klischees -Clown oder Gangster- und die schwarze Community wird als homogen dargestellt. Es gibt einige (ältere) Sitcoms mit schwarzen Charakteren, MoeshaSister Sister, Fresh Prince, diese Urkel-Show… Ein aktuelles Beispiel wäre Blackish. Brooklyn Nine Nine hat zwei schwarze Hauptfiguren, die keine Quotenpersonen sind. Aber es gibt kaum schwarze Serien, die (auch) ernste Themen behandeln. Dear White People erinnerte mich direkt an das Spinoff von The Cosby Show, wo das Leben von schwarzen Studenten die Hauptrolle spielte und ernstere Töne angeschlagen wurden, sofern ich mich richtig erinnere. Eine der Produzenten war Yvette Lee Bowser, die heute Chef Produzentin bei Dear White People ist.

Fazit: Toll umgesetzt, hochwertig, sehenswert. Allein schon wegen der coolen Sam White. Achtung: nicht geeignet für Leute, die gerne white tears vergießen 😉

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