[Film] Wonder Woman (2007)

Ich mag Comicfilme nicht, aber wenn ich so recht darüber nachdenke, mag ich schlichtweg Marvel nicht. Denn bei der Konkurrenz DC sieht es anders aus: Superman, Batman und The Flash fand ich als Kind toll. Mir haben auch die DC-Comics, die ich bisher gelesen habe, recht gut gefallen. Nur bei den Filmen und Serien hat sich DC nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Da kenne ich von den neueren Erzeugnissen nur Watchmen als lobenswerte Ausnahme. An die 40 Jahre alte Serie über Wonder Woman habe ich kaum Erinnerungen, außer, dass ich das Kostüm sehr albern fand. Nun habe ich den neusten Film über die Amazone gesehen und bin entgegen meiner geringen Erwartungen sehr begeistert.

Ich habe vorher keinen einzigen Trailer gesehen, fand aber die Filmposter und die Darstellerin Gal Gadot echt cool. Sie sieht darauf so aus, wie ich mir eine (Superhelden-)Kriegerin vorstelle und nicht wie ein Festischmodell. Es ist dabei völlig ok, dass Wonder Woman sexy aussieht und die Klamotten für eine echte Kriegsrüstung unrealistisch sind, Batman und Superman müssen schließlich Schlüpfer über den Strumpfhosen tragen. Das hat sicher außer Irritation der Gegner auch keine Vorteile im Kampf.

Inhalt: Wonder Woman ist die Prinzessin Diana von Themyscira. Sie wächst behütet bei Amazonen auf, lernt dort all ihre Kampfkünste. Eines Tages landet ein Weltkriegsbomber vor der Küste, an Bord der US-Spion Steve Trevor. Mit ihm verlässt Diana die Insel, um Kriegsgott Ares, den sie als Verursacher des Weltkriegs vermutet, aufzuhalten.

Fazit: Unterhaltsam, coole Heldin, tolle Kampfszenen. Wonder Woman ist ein gelungener Film, der mir sehr viel Spaß gemacht hat. Man merkt, dass eine Frau Regie führte, was positiv gemeint ist. Ich bin froh, dass es immer mehr Heldinnen gibt oder auch weibliche Bösewichte. Solange man sie noch an allen Fingern abzählen kann, sind es nicht genug 😉 Bitte mehr davon!

Ab hier Spoiler. 

Während meines Anglistik-Studiums besuchte ich eine großartige Vorlesung über die Rezeption von Krieg in Literatur/Film. Dort wurden auch Soldier Poets aus dem ersten Weltkrieg besprochen, zum Beispiel Dulce et Decorum est von Wilfried Owen, an den ich während des Films denken musste. Wonder Woman könnte in so eine Vorlesung aufgenommen werden. Der Film behandelt auch die „Dehumanisierung“ des Krieges, in dem Maschinen und Schützengräben dafür sorgen, dass anonym und rücksichtslos getötet wird. „For the greater good“ wurde die Ermordung und Traumatisierung einer ganzen Generation an Soldaten gerechtfertigt. Diana sieht es aber nicht ein, Menschen zu opfern. An der Front angekommen, stellt sie sich den Maschinen, begibt sich in den Kugelhagel in das no man’s land und rettet ein ganzes Dorf mit Zivilisten. Natürlich ist Wonder Woman kein Historienfilm, aber beschäftigt sich doch mit einem wichtigen Thema in leicht verdaulichen Portionen.

Wieso ich neben dem coolen Poster eigentlich auf den Film aufmerksam geworden bin: irgendwelche dudes hatten geweint, weil es von Wonder Woman Frauen-Vorstellungen gab. In meiner Vorstellung war der Frauenanteil recht hoch und ich konnte den Gedanken nachvollziehen, dass man Exklusivvorstellungen anbietet, auch wenn das kein Angebot für mich wäre. Besonders schön fand ich, dass eine Frau mit 2 jüngeren Mädchen in die Vorstellung ging. Ich hoffe, ihr tun es viele nach, denn Diana ist eine Superheldin, die mich als Kind sehr angesprochen hätte.

Als Kind ist Diana frech und mutig, Überraschung, wie es viele Mädchen sein können. Ja, die sind nicht automatisch devote Prinzessinnen. Als junger Mensch ist Diana draufgängerisch, etwas smug, aber auch naiv. Ihr Charakter ist nicht sonderlich neu, man kennt diesen Typus, nur eben nicht als weibliche Hauptrolle. Die Szenen in London erinnern an Tarzan, wie sie sich in moderne Kleidung quetscht. Ein kleiner Seitenhieb an alle Mansplainer als Diana lässig sagt, dass doch sicher auch einer der Herren Sumerisch (?) kann. Diana spricht über 100 Sprachen und zeigt, dass das genauso wichtig sein kann wie bloße Muskelkraft. Anfangs hat man den Eindruck, dass Diana sich vom glanzlosen Steve in die Rolle der Assistentin drängen lässt, aber schnell wird klar, dass sie ihren eigenen Plan durchsetzt.

Empowering nennen viele Wonder Woman, und dem kann ich zustimmen.

Ein bisschen stöhnen musste ich, dass wie vorhergesehen die Geschichte auf eine Romanze mit Steve hinausläuft und Dianas ultimative Kräfte mithilfe der Liebe geweckt werden. Andererseits denke ich mir, dass Nationalismus und Leitkultur dabei sind, einen viel zu hohen Stellenwert zu erlangen und die Popkultur daher ruhig öfters Liebe und Menschlichkeit in den Vordergrund rücken darf.

Ich freue mich auf den zweiten Teil und werde mich wieder etwas intensiver DC-Comics und den Filmen widmen.

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