[Serie] Six Feet Under

Von 2001 bis 2005 lief die von Alan Ball produzierte Serie Six Feet Under und gehört damit neben The Sopranos (1999-2007) und The Wire (2002-2008) zu den ersten „Qualitätsserien“, die seit Beginn des Jahrhunderts auf den Vormarsch sind und mittlerweile in ihrer Bedeutung Filme und Kino überholt haben, behaupte ich mal frech. Six Feet Under hatte ich damals nicht gesehen, weil ich mich das Thema nicht interessierte und ich es für eine schlichte case of the week (hier treffender death of the week) Serie hielt. Hätte ich damals mal gewusst, dass es nicht so ist und wie grandios die Charaktere und der Cast sind….

Inhalt: Die Familie Fisher betreibt und lebt in einem Bestattungsunternehmen in Los Angeles. Zur Familie gehören Vater Nathaniel, der zusammen mit seinem Sohn David die Geschäfte leitet. Daneben Mutter Ruth sowie Tochter Claire, die noch die High School besucht. Der rebellische älteste Sohn Nate wohnt in Seattle und kehrt an Heiligabend für ein paar Tage nach Los Angeles zurück. Dann kommt sein Vater durch einen Autounfall ums Leben. Wie soll das Geschäft weitergeführt werden?

Die Serie erinnert in ihrem Stil an die Sopranos. Es gibt viele Szenen, die wie ein „belebtes Stillleben“ wirken und so eine Bildsprache haben, die man bis dato für Serien wenig nutzte. Herausragendstes Merkmal von Six Feet Under sind die „surrealen“ Elemente, wenn die Toten dazu dienen, die inneren Monologe der Charaktere wiederzugeben oder kurios-grotesken Fantasien der Charaktere direkt in das reale Geschehen eingebunden werden und so für Verwirrung beim Zuschauer sorgen. Das Thema Sterben, Tod und vor allem die Trauer der Zurückgelassenen wird eher nach dem Motto „show don’t tell“ verarbeitet, manchmal mit schwarzem Humor, aber immer gut dosiert.

Aber nicht das macht die Serie zu einer herausragenden Serie, dieser Verdienst liegt eindeutig an den Charakteren bzw. dem grandiosen Cast. Drei der Schauspieler (Nate/Peter Krause, Brenda/Rachel Griffiths, David/Michael C. Hall) kannte ich aus anderen Hauptrollen. Bei Nate und Brenda war die Umgewöhnung nicht schwer, da die beiden Schauspieler bei Six Feet Under deutlich tiefgründigere Rollen spielen. Bei David/Michael C. Hall war es schwieriger, weil ich ihn mit Dexter verbinde. In beiden Rollen ist Michael C. Hall absolut brillant. Nach ein paar Folgen fiel es mir auch nicht mehr schwer, die beiden Charaktere zu trennen (allerdings finde ich, dass David und Dexter eine gewisse Abgebrühtheit gemein haben). Auch der restliche Cast kann voll überzeugen und da durchaus auch mit modernen Serien mithalten.

Spoiler: Die Serie hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich fand es interessant, wie Nates Traumaerfahrung und Todesangst dargestellt wurden. So hatte er nach seiner entscheidenden OP flashs in eine „alternative Gegenwart“, was ich wirklich gut gemacht fand und womit ich mich aufgrund eigener Erfahrungen identifizieren konnte. Bis zu seinem Tod kämpfte Nate damit, ob er in der „richtigen Gegenwart“ ist. Eine finale Entscheidung hat ihm letztendlich sein plötzlicher Tod abgenommen. Es hat mich nicht überrascht, dass er im Laufe der Serie stirbt. Nate war die Person, die alle Charakterverflechtungen zusammen hielt, etwas, das ich auch im realen Leben kennengelernt und beobachtet habe. An seinem Tod zerbrachen die anderen Charaktere aber nicht, wie ich lange Zeit vermutete, sondern erlebten eine Art Katharsis. Was ich besonders schön für Ruth fand, die sich stets für andere aufopferte und es nie wagte, sich ihre Träume zu erfüllen. Und am Ende hatte sie ein kleines Häusschen im Grünen mit Hundepension. Hach. Claire schaffte es endlich, ihren Stillstand zu überwinden und wurde durch Nates Tod darin bestärkt, ihr Glück in New York zu versuchen. David, dessen eigentlicher Wunsch lange ein Eigenheim war, erfüllte sich und seiner Familie diesen: er übernahm und renovierte das Fisher-Haus ganz nach seinen Vorstellungen. Dass der Zuschauer zum Schluss alle Tode der Familie sieht ist bitter. Aber auch realistisch. Niemand lebt happily ever after sondern stirbt irgendwann. Bis dahin sollte man das Beste für sich daraus machen.

Fazit: Trotz des Alters sehr lohnenswerte Serie, wenn man gutes Charakter-Drama mag und kein Problem damit hat, sich mit dem Thema Tod auseinander zu setzen. Wer Alan Balls True Blood kennt, sollte sich nicht abschrecken lassen, man kann kaum glauben, dass beide Serien vom gleichen Produzenten sind.

 

Kommentar verfassen