[Film] Valerian

Im Vorfeld habe ich mich nicht wirklich über Valerian informiert. Alles was ich wusste war, dass der Film eine sehr schöne Optik hat, dies Kritiken auch bestätigten, aber die Story bemängelten. Meine Erwartungen waren also nicht sonderlich hoch. Aber (Sci-Fi/Fantasy)-Filme die weder Marvel noch ein Franchise sind, nehme ich trotzdem gerne mit. Nun ja. Stellt euch beim Lesen der Review viele augenrollende Smileys vor.

Vielleicht hätte ich doch etwas zum Inhalt vorher lesen sollen, dann wäre ich vielleicht nicht so negativ überrascht gewesen. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass „Valerian“ der männliche Draufgänger-Held ist. Ich dachte, die riesige Raumstation, die tausende von intelligenten Lebewesen beherrscht, hieße so, gemäß dem Titel Valerian: Die Stadt der tausend Planeten. Stupid me.

Was ich wusste: es gibt ein männlich-weiblich Agentenpaar mit einer „außergewöhnlichen Liebesbeziehung ohne Romantik“, das habe ich in einer Review der Zeit oder SZ aufgeschnappt. Die muss wohl jemand geschrieben haben, der noch nie etwas von Feminismus gelesen hat und nur altvordere Rollenmodelle kennt. Jedenfalls findet sich dieses Agentenpaar in einer Verschwörung um einen zerstörten Planeten wieder.

  1. Das Artwork war wirklich schön. Der Film beginnt mit dem Planeten Mül, wo eine humanoide Rasse friedlich am Strand lebt und dort besondere Perlen sammelt. Dort leben auch süße, einem Gürteltier ähnliche, Tiere. Mein Herz war sofort gewonnen.  Lassen wir die altvorderen Rollenmodelle beiseite (Frauen bedecken knapp ihre Brüste und hüpfen, die Männer arbeiten), ist das Volk des Planeten Mül, die Pearls, interessant gestaltet. Auch die Raumstation, die nicht Valerian heißt, ist ein visuelles Meisterwerk.
  2. Ein visuelles Meisterwerk bringt leider nichts, wenn die Story Schrott ist. Das war schon in Avatar so. Nur hatte Avatar nicht so viele Logiklöcher und war erzähltechnisch immerhin mit einem ausreichend zu bewerten, während Valerian als Musterbeispiel dienen kann, wie man Geschichten nicht erzählt. Ignoriert großzügig Sprünge, Logiklöcher und erwartet keine komplexe Story, dann geht es.
  3. „Du guckst jetzt mal Battlestar Galactica (2003) und achtest auf die Frauenrollen, erst dann darfst du einen eigenen Sci-Fi-Film drehen“. Vielleicht muss man diese Regel einführen, damit alte weiße Männer im Jahr 2017 nicht mehr so einen Bullshit wie Valerian produzieren. Alle Leute des Militärs sind Männer, mit Ausnahme der Sekretärin, die als solche durch einen Hut gekennzeichnet ist. Alle Vorgesetzten sind alte weiße Männer. Dass Laureline die einzige Frau unter den Militärs ist, wird noch lustig betont, „Gentlemen. Lady“. Aber halt, Rihanna durfte ja auch mitspielen. Als burleske Tänzerin. Theoretisch gibt es noch eine andere wichtige Frauenrolle, aber die hat der Autor im Laufe des Films vergessen.
  4. Die französische Comicreihe heißt Valérian et Laureline. Die Reihe stammt aus den 60ern und wird sicher einen sexistisches Touch haben, aber dass wir in 2017 einfach mal den Titel in Valerian ändern, omfg. Valerian ist einen Rank höher gestellt als Laureline und damit ihr Boss. Er bezeichnet sich großspurig als professionellen Soldaten. Das hält ihn aber nicht davon ab als Vorgesetzter seine Partnerin sexuell zu bedrängen und um Sex zu betteln. Voll die süße Liebesstory. Sie kann sich körperlich wehren und drängt ihn cool zurück. Was soll sie auch sonst tun? Ja, in der Story ist sie als hard to get geschrieben, so wie viele Männer ein abweisendes Verhalten gerne interpretieren. Anscheinend ist es auch in der fernen, ach so zivilisierten Zukunft so, dass ein Nein nicht Nein heißt, sondern ich nerve dich so lange bis du mit mir ins Bett hüpfst. Denn ich bin ja ein voll attraktiver, intelligenter Hecht und deswegen musst du mich geil finden, sagt Valerian fast wortwörtlich. Omfg. (Übrigens hätte der Autor auch hier bei Battlestar Galactica sich informieren können, wie eine nicht sexistische, ruppige Soldatenbeziehung aussehen könnte, siehe Kara Thrace)
  5. Laureline ist mit Cara Delevinge gut besetzt und die beste Rolle im Film. Ihr nahm ich den professionellen, aber trotzdem sehr coolen und fetzigen Agenten sofort ab. Sie ist aber nur Valerians Sidekick. Valerian wurde kurioserweise mit Dane DeHann besetzt, der nicht wie der typische Alpha-Male wirkt. Wogegen ja nichts spricht, außer, dass die Rolle komplett als ein sexistischer Alpha-Male geschrieben wurde. Wieso Valerian übrigens als legendärer Superagent gilt, obwohl er im Film nur Mist verzapft und ständig von Laureline gerettet werden muss, keine Ahnung. Aber Charisma/Geschlecht vor Kompetenz, ne?

Fazit: Ürgs. Artwork hui, Story pfui, sexistische Kackscheiße pfui. Schade um das digitale Artwork, das eine wunderbare Grundlage für eine coole Story hätte sein können.

 

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