[Serie] Handmaid’s Tale (Season 1)

Vor einiger Zeit hatte ich das Buch The Handmaid’s Tale von Octavia Butler gelesen. Ich fand es gut, aber aufgrund seiner unfreiwilligen Aktualität unglaublich verstörend. Nun gibt es eine Serie zum Buch. Diese setzt nicht nur die Buchvorlage richtig gut um, sondern schafft es auch, dem Plot so modern darzustellen, dass es noch verstörender wird.

Inhalt: Hier gibt es kaum Abweichungen von der Buchvorlage. Wir befinden uns in einer nahen Zukunft. Der Klimawandel und die Vergiftung der Umwelt haben dazu geführt, dass die meisten Menschen unfruchtbar sind. In den USA verhalf das einer christlich-fundamentalistischen Bewegung zum Aufstieg. Der neue Staat nennt sich Gilead. Frauen haben keine Rechte mehr und werden an ihren gottgegebenen biologisch-manifestieren Platz verwiesen. Sie dürfen kein Geld haben, nicht arbeiten, nicht lesen. Alle fruchtbaren Frauen sind Handmaids, Gebärmaschinen, die von Haushalt zu Haushalt gereicht werden und ihre Babys an die höher gestellten Frauen und ihren Mann abgeben müssen. Protagonistin ist Offred, die bei den Waterstones lebt und dem dortigen Commander ein Kind gebären soll.

Abweichungen zum Buch (ohne Spoiler): Das Buch war sehr auf Offred zentriert, während die Serie versucht, auch weitere Charaktere mehr einzubinden. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Die erste Staffel schließt das Buch komplett ab. Allerdings gibt es Raum für mehr Geschichten, eine zweite Staffel ist bestellt.

Die Besetzung ist gelungen. Elisabeth Moss kennt man aus Mad Men, sie übernimmt die Hauptrolle der Offred und schafft es, sowohl die USA-Offred als auch die langsam rebellierende Handmaid-Offred gelungen darzustellen. Joseph Finnes spielt den Commander, den ich mir persönlich etwas weniger attraktiv vorgestellt hatte. Yvonne Strahovski als Serena Joy, die Frau des Commanders, füllt die Rolle nicht nur gut aus, sondern gibt ihr noch mehr Tiefe als es im Buch der Fall war. Ihre Rolle zeigt, wie auch Frauen ein Patriarchat aufrecht erhalten. Genauso glanzlos wie im Buch bleibt Offreds ehemaliger Mann Luke. Die Episode, die sich um ihn zentriert, hätte man sich sparen können. Mein Highlight ist die Besetzung von Moira, der lebenslustigen, wilden Freundin von Offred: Samira Wiley, die wir aus Orange is the new black kennen.

Kritikpunkt ist, dass die Unterdrückung von schwarzen Menschen nicht thematisiert wird. Im Buch wurden die „Children of Ham“ in Lager gesteckt, es war nicht erwünscht, dass schwarze Frauen als Handmaids arbeiten. In der Serie ist Gilead sexistisch und homophobisch, allerdings nicht rassistisch. Das ist in der Tat etwas merkwürdig.

Fazit: Die Serie ist brutaler als das Buch, nicht unbedingt wegen der visuellen Darstellung. Wenn man die Flashbacks sieht, in die Zeit kurz vor Gilead schaut, könnte das auch genauso gut morgen in den USA passieren. Stellenweise war es kaum zu ertragen, aber es gibt auch ein paar Hoffnungsmomente. Sehenswerte Serie, wenn man gerade Lust auf eine ernstere, teilweise zu realistische, Geschichte hat.

 

 

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