[Buch] Children of Time

05Ich weiß gar nicht mehr, wieso ich damals Children of Time von Adrian Czajkowski auf meine Leseliste gesetzt hatte, vielleicht weil es 2016 den Arthur C. Clarke Award gewann und in meiner Literaturbubble empfohlen wurde. Aber lange Zeit blieb es unangetastet, weil die Beschreibung bei Amazon mich eher abschreckte. Nun hatte ich jedoch Lust auf Space-Sci-Fi und da Children of Time zu keiner Reihe gehört, kam es mir gerade recht.

Wir befinden uns in einer sehr fernen Zukunft. Die Erde ist nicht mehr, die letzten Reste der Menschheit konnten sich auf ein Generationenschiff flüchten und finden nach langer Suche einen grünen, bewohnbaren Planeten. Relikt der antiken humanen Kultur. Damals, als die Menschheit auf dem Höhepunkt ihrer technischen Möglichkeiten war, startete sie Terraforming-Projekte in anderen Sonnensystemen. Krieg, Terror und Zerstörung ließen diese Projekte unvollständig. Doch das Terraforming-Projekt auf dem grünen Planeten scheiterte nicht ganz: Spinnen hatten den Planeten für sich erobert.

Die Geschichte hat zwei Erzählstränge. Der um die Menschen fokussiert sich auf Mason Holsten, einem „Classicist“, also ein Historiker, der sich auf die Zeit der ausgerotteten hochtechnologisierten Menschheit spezialisiert hat. Aus seiner Perspektive erleben wir die Geschehnisse auf der Gilgamesh.

It would be more diplomatically advantageous if Fabian was not killed and eaten during the throes of passion.

Der zweite Erzählstrang handelt von Portia, einer Spinne auf dem grünen Planeten. Wir begleiten mehrere Generationen an Portias und erleben so die Evolution der Spinnen: wie sie nicht nur neue Techniken entwickeln, sondern auch ihre Gesellschaftsform verändern. Ich war skeptisch, ob so eine Erzählung mit Spinnen als Protagonisten klappen kann, aber der Autor macht es großartig. Die Erzählung um Portia hat etwas von Naturdokumentation, zwischendurch greift der Erzähler erklärend ein oder gibt dem Leser zuliebe den Spinnen Namen. Wir wissen ja, dass einige weibliche Spinnenarten nach dem Fortpflanzungsakt den männlichen Partner aufessen. Dementsprechend entwickelt sich ein weiblich dominiertes Gesellschaftsbild, das natürlich dazu einlädt Parallelen zum menschlichen Bild von Mann und Frau zu ziehen. Die Trope des „Strong female character“ kriegt hier einen ganz neuen Touch 😉

Wer der dritte Protagonist ist, dürft ihr selbst herausfinden. Dieses Storyelement mochte ich besonders 😀

Die einzelnen Erzählstränge wechseln sich ab und sind jeweils nicht zu lang. Die Erzählung ist zwar episodenartig gestaltet, schafft es aber trotzdem eine konsistente und spannende Geschichte zu erzählen.

Fazit: Children of Time hat alles, was für mich zu coolen Space-Sci-Fi gehört. Ob man sich jetzt eher für nicht-menschliche Lebewesen, Transhumanismus, Gesellschaftskritik, Sci-Fi-Horror oder Hard Sci-Fi interessiert, hier werden viele Themenfelder bedient ohne dass die Erzählungen darunter leidet. Am schönsten fand ich, wie Children of Time zum Staunen bringt, wenn man daran erinnert wird, was für lange Zeiträume die Erzählung überbrückt. Vollste Empfehlung.

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