[Buch] Station Eleven

Ich mag Listen. Der Versuch einen Kanon an klassischer Literatur durchzuarbeiten scheiterte, weil dort viele dröge Werke drunter waren und es wenig Diversität bot. Nun wage ich mich aber an die Liste mit den Gewinnern des Arthur C. Clarke Award. Drei Bücher habe ich gelesen (2016 Children of Time, 1987 The Handmaid’s Tale, 2014 Ancillary Justice) und fand sie alle bereichernd. Jetzt war 2015 dran: Station Eleven von der kanadischen Autorin Emily St. John Mandel.

Toronto. Arthur Leander stirbt auf der Bühne während er King Lear spielt. 20 Jahre später: eine starke Form der Influenza hat innerhalb kürzester Zeit fast die komplette Menschheit ausgerottet. Kirsten und ihr Schauspieltrupp ziehen durch’s Land und spielen in den letzten Siedlung der Menschheit Shakespeares Stücke.

I stood looking over my damaged home and tried to forget the sweetness of life on Earth.

Station Eleven braucht Anlaufzeit. Die Vielfalt an Charakteren, die Zeitsprünge und Ortswechsel wirken zunächst unbedarft und machten mich etwas ärgerlich. Als ich nach ein paar Kapiteln das Gefühl bekam, dass die Erzählung sich auf den Schauspieltrupp fokussieren wird, wollte ich das Buch fast abbrechen. Doch dann wurden die Geschichten der einzelnen Charaktere immer weiter verwoben und entfalteten ihre ganze Pracht. Besonders schön fand ich, welche Rolle ein Comic in diesem Buch spielt.

Schwierig, das Leseerlebnis in Worte zu fassen. Station Eleven ist bitter, weil es detailliert den Untergang der Welt durch eine Influenza beschreibt. Wir können es uns bildlich vorstellen, dass es morgen auch bei uns passieren könnte. Wie immer mehr Menschen sterben, wir auf Rettung durch das Rote Kreuz oder das Militär warten, Hilfe aus anderen Ländern. Aber keine Rettung kommt.

Fazit: Wer actionreiche Postapokalypse mit Teenagern erwartet, wird gelangweilt und enttäuscht werden. Station Eleven ist eine ganz besondere, man könnte es „erwachsene“, post-apokalyptische Erzählung. Hier gibt es wenig Action, aber einen Realismus, der etwas märchenhaftes hat. Wer gerne mal ruhige, melancholische Sci-Fi lesen mag, ist hier sicherlich gut bedient. (Zu schade nur, dass es den im Buch erwähnten Comic nicht in Wirklichkeit11 gibt)

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