Irland 2017

Zum ersten und letzten Mal war ich 2006 in Irland, im Zuge meines Auslandsaufenthalts in England. Ich war gespannt, wie das Land sich verändert hatte. Irland hatte ich als ein Land im Aufschwung in Erinnerung und natürlich fielen mir auch die zahlreichen Polen auf, die besonders gerne nach Irland auswandern. Was hatte sich in den 10 Jahren nun getan? Erste Erkenntnis: das Land ist genauso grün, wie ich es in Erinnerung hatte 🙂

Irgendwo bei Galway

Die Reise begann am Flughafen Dublin. Das erste Abenteuer war es den Mietwagen ausfindig zu machen. Den reservierten wir mit Sunnycars, unser lokaler Vermieter war Budget. Erst standen wir im Terminal Schlange. Das war falsch, dort stehen nur Leute, die noch keine Reservierung haben. Wir sollten per Shuttlebus direkt zum Anbieter. Ok. Tatsächlich fuhren vor dem Terminal mehrere kostenlose Shuttlebusse, die die Kunden direkt zu dem riesigen Parkplatz brachten. Dort noch ein bisschen Schlange stehen und wir hatten endlich unser Auto inkl. Navigerät. Das große Abenteuer „Per M50 raus aus Dublin“ sollte beginnen. Ha! Wir fuhren durch Regen und enge Gassen, durch Vororte Dublins, schließlich auf eine Autobahn. Aber die M50, diese riesige Ring-Autobahn um Dublin, hatten wir nicht benutzt? Okay, nach einer Stunde stellte ich fest, dass das Navi so eingestellt war, dass es alle gebührenpflichtigen Straßen umfuhr. Auf der Rückfahrt stellten wir auch fest, dass man sehr deutlich sieht, wenn man auf der M50 ist. Die Maut zahlt man online oder an diversen Verkaufsstellen. Die Maut für die anderen Autobahnen zahlt am an Mautstellen, die man weder übersehen kann. Ca 2.70€ kostet das Durchfahren.

Cliffs of Moher, Blick auf Lahinch

Irgendwann waren wir endlich in Galway angekommen. Unser Hotel, das Radisson Blue beschreibt sich als Luxus Spa. Schaut man genauer hin, sieht man, dass es vielleicht mal mit einem deutschen 3-Sterne-Hotel zu vergleichen ist. Aber das Frühstück war wirklich reichhaltig und gut 😀 Für ein Zimmer in einem B&B hatte ich leider zu spät gebucht, am Tag unser Ankunft endete ein großes Pferderennen, weswegen die Stadt fast ausgebucht war. Galway ist die größte Stadt im Westen Irlands, der Tourismus ist auch hier angekommen (vor 10 Jahren sah das noch anders aus). Viele Restaurants, viele Läden, bunt und lebendig ist Galway. Und ein guter Ausgangspunkt für zahlreiche Tagesausflüge. Aus der Gegend kommt auch der Claddagh Ring, den ich mir dort gekauft habe (einen Freundschaftsring sich selbst schenken ist zwar komisch, aber heißt, dass man diesen nicht irgendwann ablegen muss/will, wenn die andere Person weg ist).

Cliffs of Moher

Am nächsten Tag fuhren wir zu den Cliffs of Moher, gut eine 1,5h Fahrt von Galway aus. Eventuell auch kürzer, wenn man sich tatsächlich traut, über die engen gewundenen Straßen mit 100 Meilen zu fahren. Die Cliffs hatte ich auch vor 10 Jahren besucht. Damals bin ich mit einer normalen Buslinie hochgefahren. Aber wie in diverse Spots in Schottland hat nun auch die Cliffs of Moher der Massentourismus erreicht. Es gibt einen riesigen gebührenpflichtigen Parkplatz und ein Touristencenter samt Restaurants und Shops. Da herum ist es ziemlich voll. Je weiter man sich entlang des  Coastal Walks entfernt, desto leerer wird es. Am Ende des etwa 10km langen Weges sind wir mit einem Shuttlebus zurück zum Visitor Center gefahren. Um Wartezeiten zu vermeiden würde ich empfehlen, es genau andersherum zu machen, das Shuttle nehmen und dann zurück zum Center wandern. Am Visitor Center erwartete uns eine riesige Autokolonne. Der Parkplatz war voll, die Straße ebenso. Wenn man plant die Cliffs zu besuchen, dann sollte man morgens da sein.

Cliffs of Moher

Nur kurz waren wir in Galway, letztendlich wäre ich noch gerne ein bis zwei Tage da geblieben um weitere Erkundungen zu machen, zum Beispiel zu den schönen Sandstränden. Dafür hätte ich die Zeit in Dublin verkürzt. Dublin ist in Vergleich zu vor 10 Jahren mächtig gewachsen. Aus dem verwegenen, dreckigen Hafenviertel ist ein Medienhafen geworden. Die Innenstadt ist mehr auf Fußgänger ausgelegt, eine neue Straßenbahn entlang der West-Ost-Achse schon gebaut, die Nord-Süd-Achse noch im Wachstum. Leider hat Dublin außer Pubs und Partymeilen nicht so viel zu bieten und ist im Vergleich zu Edinburgh ein eher langweiliges Pflaster. Immerhin war unser Hotel, das Holiday Inn Express, gut ausgestattet, allerdings darf man keinen familiären gemütlichen Betrieb erwarten.

Der Besuch der Ausstellung Book of Kells ist nicht nötig, auch hier hat man mit langen Schlangen zu kämpfen, sofern man nicht vorher ein Ticket bucht. Aber ein Besuch der Ausstellung kann sich trotzdem lohnen, weil man darüber auch die alte Bibliothek der Universität von Dublin besuchen kann. Einziger Wermutstropfen: auch hier nerven Touristen, die meistens die heiligen Bücherhallen nicht allzu sehr wert schätzen.

Old Library

Eigentlich hatte ich von Dublin aus einen Ausflug nach Belfast geplant. Das ist sowohl mit Zug als auch Bus günstig. Der Ausflug ist leider ins Wasser gefallen, genauso wie die Rundwanderung um Howth, einem kleinen Vorort von Dublin. Nichtsdestotrotz war der kurze Besuch in Howth mein absolutes Highlight. Das Wetter war klasse und das Meer wunderschön.

Howth

Den letzten Tag wurde bei ebenso gutem Wetter im Dubliner Zoo verbracht. Der liegt etwas außerhalb in einer Parkanlage, ist aber gut per Straßenbahn zu erreichen. Etwa 18 Euro kostet der Eintritt, allzu voll war es nicht. Jetzt weiß ich auch, wie die Polen in Irland ihr Wochenende verbringen: im Zoo. Der Zoo ist sehr verwinkelt mit schmaleren Wegen. Auffällig ist das großzügige Affen-Gehege, das eine große Inselanlage ist und viel Platz und Spielmöglichkeiten bietet. Man merkt eindeutig, dass es das Prestigeobjekt des Zoos ist.

Nun ja, ich bin nicht so der Affenfan. Gefallen haben mir die Wölfe (darunter ein weißer <3) und Tiger, auch die spielenden Elefanten waren sehr niedlich und hatten ein schöneres Gehege als das im Kölner Zoo. Mir fehlte allerdings die Kleintierfraktion, es gab keine Erdmännchen oder Nager. Insgesamt ein durchschnittlicher Zoo, kein must-see für Touristen wie der Wiener Zoo, aber trotzdem ganz nett.

Alles in allem hätte ich vieles anders geplant, zb. noch gerne Limerick oder Cork besucht. Und natürlich Belfast und die Küstenregionen des Nordwestens. Hinterher ist man immer schlauer. Problematisch ist auch meine Liebe zu Schottland, da gibt es nun mal alles was es in Irland gibt, nur eine Nummer noch gigantischer und schöner. Also werden wohl wieder viele Jahr vergehen bis mich eine Rückkehr zur grünen Insel reizt. Aber war trotzdem schön, mal wieder dagewesen zu sein.

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