[Buch] Artemis

Mit seinem Debütroman The Martian landete Andy Weir einen großen Hit, der auch Einzug in die Kinos fand. Der Film konnte natürlich nur einen Bruchteil dessen einfangen, was das Buch auszeichnet: der großartige Humor der Hauptfigur, viel Spannung und ein hohes Maß an „Technikkram“. Alles was schief gehen kann, geht schief und unterhält die Leserin dabei bestens. Die Latte war hoch gesetzt. Kann Andy Weirs zweiter Roman Artemis da mithalten? Die kurze Antwort: „Ja, aber…“

Wie gewöhnlich habe ich mich vorher nicht über den Roman informiert und auch das Cover nicht betrachtet. Als ich mit dem Lesen anfing, hatte ich direkt Mark Watney aus The Martian vor Augen. Auch hier erzählt der Hauptcharakter aus der Ich-Perspektive mit brachialer Sprache die Geschichte. „When I was a little girl“ lies mich dann kurz stolpern. Huch, ein weiblicher Hauptcharakter. Jazz Bashara ist Mitte 20, saudi-arabischer Herkunft, eine Schmugglerin und ein Smartass. Sie lebt in Artemis, einer Kolonie auf dem Mond mit etwa 2000 Einwohnern. Eines Tages bekommt sie ein unwiderstehliches Jobangebot.

Wer The Martian kennt, fühlt sich direkt heimisch. Auch hier gehört tech-talk zum Programm. Allerdings fokussiert sich die Geschichte nicht auf das Überleben in einem lebensfeindlichen Umfeld, sondern auf die Planung eines Verbrechens auf dem Mond.

Bei The Martian war der Mars der Hauptcharakter, Mark Watney blieb für mich trotz seines tollen Humors eher flach und beliebig. (Da passte es gut, dass er von Matt Damon gespielt wurde.) In Artemis ist das anders, man hat das Gefühl, dass Weir deutlich mehr Muße in die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere gesteckt hat. Jazz hat eine brachiale Sprache und das Genie von Watney, aber sie ist auch mit einer ganzen Hintergrundgeschichte ausgestattet, die sich gut in die gesamte Story fügt. Auch die anderen Charaktere sind divers und interessant ausgearbeitet, zum Beispiel gibt es da Jazz‘ Vater, ein muslimischer Schweißer (habt ihr schon mal überlegt, wie man auf dem Mond nach Mekka betet?). Es geht deutlich menschlicher zu in Artemis. Aber keine Sorge, das artet nicht in einer Hollywood-Schnulze aus.

Etwas problematisch fand ich hier tatsächlich den tech-talk. Es wird noch komplizierter und komplexer als bei The Martian, an einigen Stellen hielt das für mich unnötig die Story auf oder wurde schwer verständlich. Ob alles was passiert sinnig ist, kann ich nicht einschätzen. Interessiert mich auch nicht großartig, solange die Story stimmig ist. Ich hätte es glaube ich besser gefunden, wenn Weir nicht so krampfhaft versucht hätte den Stil von The Martian einzufangen. Ok, aber wer wird nicht lächeln, wenn das gute alte duct tape wieder auftaucht.

Fazit: Cooles, durchdachtes Setting auf dem Mond. Tolle Heldin. Spannende Krimi-Geschichte, bei der ich die ganze Zeit „Ocean’s Eleven in Space“ dachte. Eine Verfilmung ist auch schon angedacht, darauf freue ich mich. Artemis ist jetzt nicht die Sensation des Jahres, aber durchaus lesenswert und unterhaltsam.

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