[Spiel] Final Fantasy 15

Lange habe ich auf Final Fantasy 15 gewartet. Tatsächlich hat die Entwicklung 10 Jahre in Anspruch genommen. 2006 wurde es noch als Final Fantasy Versus XIII angekündigt und sollte mit Type-0 und Final Fantasy 13 zu einer Reihe gehören. Irgendwann strich man das Versus-Projekt und das Spiel wurde zum eigenständigen 15. Teil umkonzeptioniert und 2016 endlich für die Playstation 4 veröffentlicht. Konnte Teil 15 nun endlich wieder ein Final Fantasy zum lieben werden? Leider ist die kurze Antwort: Nein.

Spoilerfrei:

Positiv fand ich das Gameplay. Die Kämpfe machen Spaß, obwohl ich sonst eher rundenbasierte Kämpfe bevorzuge. Immerhin kann man es so einstellen, dass die Zeit kurz stehen bleibt, sobald man sich im Kampf nicht bewegt. Ich mag es auch, dass man nur Noctis steuert und die anderen sich nicht allzu blöd anstellen.

Großes Manko: die winzige Schrift! Ahh! Da hat man einen riesigen Bildschirm und die Schrift im Menü ist so winzig, dass man sie nicht ohne Anstrengung lesen kann. Was letztendlich auch egal war, denn schaut man hinter die Kulissen, gibt es kein großes Magiesystem, nur einen winzigen Fertigkeitsbaum und keine großartigen Möglichkeiten Items zu kombinieren. Alles ist unglaublich reduziert und bis zur Beliebigkeit vereinfacht.  Das erstaunt, weil das Lösungsbuch viel dicker ist als das für Final Fantasy 8, wo man ziemlich viele Zauber und Kombinationen hatte. Und Eidolons, also diese Beschwörungs-Wesen wie Ifrit und Shiva, die in Final Fantasy 15 nur eine sehr marginale Rolle spielen. MEH!

Ich mochte die große Open-World. Eigentlich. Aber andererseits war sie mir zu groß und zu beliebig. Während es zum Beispiel in Final Fantasy 10 anhand des Artworks ganz klar war, wo man sich gerade befand, konnte ich das in Teil 15 nicht unbedingt sagen. Ich hätte es bevorzugt, wenn die Welt etwas distinktiver gewesen wäre, dafür ruhig kleiner. Und mit weniger Nebenaufgaben. Ich mag schon Skyrim und Co wegen den tausenden Sidequests nicht. Bei Final Fantasy gab es zwar auch immer Sidequests, aber nicht sooooo viele beliebige und belanglose. Und dann die ewigen Ladezeiten, wenn man Orte schnell wechseln möchte. Teilweise verbrachte ich mehr Zeit mit dem Ladebildschirm als mit dem Spiel. Aber da ich niemand bin der Sidequests gerne liegen lässt, verlor ich mich irgendwann in einem riesigen Aufgabenlog und hatte schon die komplette Storyline vergessen.

Macht aber nix, die ist eh unterdurchschnittlich. Zu Beginn verstand ich noch, dass Prinz Noctis mit seinen Kumpels vor dem Imperium flüchten muss, irgendwo in der Welt seine Verlobte sucht und nebenbei böse Siecher die Welt bedrohen. Ich kenne es ja auch von Final Fantasy, dass die Story nicht auf dem Silbertablett serviert wird und man vieles nicht direkt versteht. Aber bei Final Fantasy 15 gab es viele Erzähllücken, die den Eindruck erweckten, dass das Spiel unvollständig ist. Ist es auch, denn die Produzenten wollen Download-Episoden zum besseren Verständnis nachreichen.

Fazit: Ich habe ca. 50h mit dem Spiel verbracht. Der größte Brocken der Zeit ging in den ersten Kapiteln drauf, wo ich noch Spaß an der Geschichte und dem Spiel hatte. Dann wiederholte sich alles, die Story wurde immer diffuser und langweiliger und ich sauste so schnell es ging durch das Spiel. Die Grafik war wirklich schön, die Charakterideen auch toll, aber das rettet leider nicht die halbfertige Erzählung. Final Fantasy 15 litt an dem Anspruch neue Spieler anzulocken, für jeden etwas zu bieten und ging dabei in Beliebigkeit unter. Sehr schade.

Spoiler:

.

.

.

.

Lunafreya, Noctis‘ Verlobte, war eine der absurdesten Figuren. Nicht, weil ich sie blöd fand, sondern weil sie ermordet wurde, bevor man sie überhaupt kannte oder einen emotionalen Bezug hatte. Hier hat man versucht an einen „berühmten“ Tod in Final Fantasy anzuknüpfen, nur dass in dem Fall die Figur bekannt und Partymember war. Nicht irgendeine ferne Verlobte. Und dann wäre da die ganze Geschichte mit dem Zeitsprung. Wo ganz am Ende des Spiels plötzlich 10 Jahre vergehen und die Welt endgültig untergegangen ist. DAS war cool. Noctis war älter und sexier und die Monster größer und böser. Die ganze Welt ist ins Dunkel getaucht. Anstatt, dass man hier ein paar andere Sidequests integriert, wird dieser dunkle Part der Geschichte total schnell durchgenudelt (ca. 5% vom gesamten Spiel). Hier macht sich am meisten bemerkbar, dass die Geschichte unfertig ist. Immerhin war das Ende ganz nett und grafisch sehr schick gemacht. Nur die letzte Szene war unnötig, wo das eigentlich dramatische und traurige Ende revidiert wird, indem man Noctis und Lunafrey glücklich im „Himmel“ zeigt.

 

Kommentar verfassen