[Serie] BoJack Horseman

Abgesehen von den Simpsons und Futurama sind amerikanische Animationsserien nicht so mein Fall, deswegen ist BoJack Horseman auf Netflix an mir vorbei gegangen. Aber dann habe ich doch auf Empfehlung einer Freundin reingeguckt und bin nun großer Fan. Aber von vorne.

Die Serie spielt in Hollywood, in einer Welt, wo Menschen und anthropomorphisierte Tiere leben. BoJack ist ein Pferd und war in den 90ern Star in einer Sitcom Horsin‘ Around, die mich persönlich am meisten an Full House erinnerte. Nun ist er 50 Jahre alt, depressiv, irgendwie abgehangen, hanging around. BoJack wirkt so authentisch, dass man versucht sich zu erinnern, wer sein real life Vorbild ist.

Neben BoJack gibt es noch einige andere Hauptcharaktere: Todd, Bojacks Hausgast, der viele Ideen, aber wenig Ahnung hat. Princess Carolyn, BoJacks Agentin, die superorganisiert und motiviert wirkt und dann doch öfters fällt. Mr Peanutbutter, ein Labrador, der einem mit seiner Freundlichkeit schon auf die Nerven geht, aber man ihm auch nicht böse sein kann. Und Diane, eine typische Twitter-Persona, „irgendwas mit Literatur, nun irgendetwas mit Medien, möchte eigentlich ein Buch raus bringen.“. All diese Figuren schaffen es wunderbar, den Zeitgeist einzufangen und auch satirisch zu kommentieren.

Aber eigentlich ist BoJack Horsemann keine Comedy und man sollte wirklich darauf eingestellt sein sehr düstere Momente zu sehen. Eine so gute, brutal ehrliche Darstellung von Depressionen, Angststörungen u.ä. habe ich selten in Serien gesehen. In der 4. Staffel wird eine Folge lang BoJacks innerer Monolog dargestellt und macht so auch für Nicht-Betroffene gut sichtbar, wie Depressionen sein können. Ein weiteres „Highlight“ war eine andere Folge der 4. Staffel, wo die Wahrnehmung einer dementen Person gezeigt wird… da zeigt sich die volle Stärke einer Animationsserie, die hier mit den „Dimensionen“ spielen kann, ohne absurd zu wirken. Neben diesen Themen wird auch alles andere angesprochen, was aktuell und wichtig ist. Massentierhaltung, Medienwelt, Waffenbesitz, Sexualität, Missbrauch, Politik, usw.

Trotz der Schwere schaut man gerne die 25-minütigen Folgen, auch mehrere am Stück. Einerseits, weil man sich mit den Charakteren identifizieren kann oder zumindest Interesse daran hat, wie es mit ihnen weiter geht (wie bei einer „echten Serie“ gibt es hier Entwicklungen, es wird nicht wie bei den Simpsons alles auf 0 gesetzt mit jeder Folge). Andererseits, weil der Stil der Serie sehr einfach comic relief bringen kann, wenn die Tiere in Menschengestalt sich wie ihre tierischen Verwandten verhalten. Mr Peanutbutter freut sich auf die Serie Bones, BoJack trägt gerne Unterwäsche mit Äpfeln und Carolyn (eine Katze) hat einen kleine Kratzbaum auf ihrem Tisch stehen. Auch das Artwork reißt mit, hier denke ich besonders an eine Folge, die in der Unterwasserwelt spielt. Die gelegentlichen Gastauftritt von Stars fallen da schon kaum ins Gewicht (aber über Andre Braugher als Woodchuck, Murmeltier, hab ich mich sehr gefreut).

Fazit: Eine großartige und überaus gelungene Serie. Vereint irgendwie alles, was ich an guten bzw. Netflix-Serien mag. Es gibt mittlerweile vier Staffeln, eine 5. Staffel kommt hoffentlich dieses Jahr noch raus.

 

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