[Spiel] Twilight Imperium 4th Edition

Das Jahr 2017 endete mit einem schönen Brettspiel-Highlight: Twilight Imperium – 4th Edition. In Twilight Imperium kämpfen für gewöhnlich sechs Spieler, die unterschiedliche Spezies spielen, um die Vorherrschaft im Universum. Die vierte Edition erschien letztes Jahr im Herbst, direkt nach der Ankündigung. 1997 erschien das Original, 2000 die zweite Edition und 2005 die dritte Edition, die deutlich mehr Fans fand als seine Vorgänger. Auch wenn die dritte Edition Verbesserungspotenzial hat, hätte ich nicht gedacht, dass Fantasy Flight das Geld in die Hand nimmt, ein Nischenprodukt in einer neuer Edition raus zu bringen. Umso überraschender war dann die Nachricht. Ganz so wie Sam Healy haben wir nicht reagiert 😀 Aber trotzdem haben wir bei Fantasywelt zugeschlagen und die vierte Edition gekauft. Übrigens soll es auch erstmalig eine deutsche Ausgabe geben.

Twilight Imperium 3 (TI3) hatte einige Probleme: es ist nicht anfängerfreundlich, das Verwalten von Technologien war extrem unübersichtlich und der Flavor des Spiels stark abhängig von den Spielern, was mich persönlich störte.

Ein Grund Twilight Imperium 4 (TI4) anzuschaffen war die Verbesserung der Technologien und das übersichtlichere Spielerboard. Das neue Artwork sowie die besseren Schiffsmodelle finde ich auch sehr nett. 😉

An den Grundregeln hat sich nicht viel geändert. Zu Beginn jeder Runde zieht jeder Spieler eine Strategiekarte, die er im Laufe der Runde einsetzen kann. Sie erlaubt neben den normalen Aktionen „Bauen“ und „Bewegen“ eine besondere Aktion pro Runde, zum Beispiel den Erwerb einer Technologie oder das Handeln. Die Strategiekarten von TI4 sind verständlicher als die von TI3. Man kann sicher über Details diskutieren, aber alles in allem machen die neuen Karten das Spiel flüssiger und sind für Neueinsteiger deutlich verständlicher.

Ein Spiel geht für gewöhnlich 10 Runden. Es werden jede Runde neue Objectives aufgedeckt. Am Ende jeder Runde kann ein Spieler ein Objective erfüllen (zb. Kontrolliere 11 Planeten). Es siegt der Spieler mit den meisten Punkten nach neun Runden oder wer als erstes 10 Punkte hat. Schöne Neuerung: Die secret objectives, von denen jeder Spieler bis zu drei erfüllen darf, sind nun deutlich einfacher zu erfüllen.

An der Spielzeit dürfte sich nicht viel ändern, man kann pro Spielerin eine Stunde veranschlagen. Da die Regeln deutlich besser geschrieben sind und weniger Zwischenfragen aufkommen, bläht sich das Spiel nicht auf 8 bis 10h auf, sondern wird bei 6 Spielern vermutlich irgendwo bei 6h liegen.

In TI3 musste man für den Erwerb von Technologien bestimmte andere Technologien erworben haben. So ein „Tech-Tree“ funktioniert bei Computerspielen wie Civilization oder Final Fantasy wunderbar, war aber bei TI3 mühsam und unübersichtlich. Bei TI4 wurde diese Prozedur deutlich vereinfacht. Jede Technologie hat eine Farbe. So startet man zum Beispiel mit einer grünen und einer roten Technologie. Um zum Beispiel die neue rote Technologie XY zu erwerben, muss man bereits eine grüne und eine rote haben. So baut man anhand der Farbkodierungen seine Technologien aus. Verbesserungen für Schiffseinheiten sind auch Technologien und werden direkt auf das Spielerboard gelegt. So sieht die Spielerin sofort, was ihre Schiffe drauf haben:

Auf dem Foto seht ihr die Hacan. Links das Spielerboard mit den Infos zu den Schiffseinheiten. Rechts Platz für die Strategiemarker und eine Rundenübersicht.

Eine schöne Neuerung ist wie nun das Handeln abläuft. TI3 animierte wenig zu Spieler-Spielerin-Handel. Nun erhält man mit dem Einsatz der Strategiekarte „Handeln“ sogenannte Commodities (Handelsware). Erst wenn die Spieler diese Handelswaren untereinander austauschen, werden sie zu wertvollen Trade Goods, die man zum Beispiel zum Bau von Schiffen einsetzen kann. D.h. ohne Handelspartner kommt man nicht zu Trade Goods. Hacan kommt wegen seiner Spezialeigenschaften zu vielen Commodities, muss aber gute Beziehungen zu seinen Mitspielern pflegen, um letztendlich an die Trade Goods zu gelangen.

Apropos „gute Beziehungen“: Nun gibt es die sogenannten promissory note cards. Jeder besitzt ein persönliches Set. Wenn das gesprochene Wort nicht reicht, können diese Karten als Zeichen des guten Willens dem Gegner angeboten werden. Der Gegner erhält davon einen Vorteil, der ursprüngliche Besitzer einen (milden) Nachteil, wenn die Karte aktiviert wird. Mit dieser neuen einfachen Spielkomponente wird das Spiel deutlich lebhafter und politischer.

Politikkarten zog der Spieler in TI3 durch Einsatz einer Strategiekarte. Ich fand diese Komponente immer sehr langweilig, man stimmt über ein Gesetz ab und dann vergaßen es alle wieder. Oder es gab abstruse Politikkarten, die das Spiel künstlich beendeten. In TI4 wurde die Strategiekarten für Politik abgeschafft, aber gleichzeitig die Politik im gesamten Spiel wichtiger gemacht. Sobald das Zentrum Mecatol Rex erobert wurde, kommt nach jeder Spielrunde die Agenda-Phase hinzu. Hier tauchen die altbekannten Politikkarten wieder auf. Es werden immer zwei gezogen und dann darüber abgestimmt. Schön ist, dass die Konsequenzen nicht mehr so abstrakt und irrelevant sind. Man stimmt zum Beispiel darüber ab, ob alle einen Siegpunkt bekommen oder jeder einen verliert.

Fazit: Twilight Imperium bleibt auch in der neuen Edition episch, spaßig und an manchen Stellen ein pain in the ass. Aber die vierte Edition hat ein super Regelheft und bessert viele Problemstellen aus, so dass der Spaßfaktor deutlich erhöht und die Einstiegshürde gesenkt wird. Wir haben zwar nur eine Partie gespielt, aber ich habe den Eindruck, dass es in der neuen Edition nicht ganz so schnell passiert, dass zwei Spieler um den Sieg kämpfen, während der Rest noch für 3h die Statisten spielen muss. Generell wirkt das Spiel deutlich anfängerfreundlicher auf mich. Dafür folgende Tipps: nehmt für die ersten Spiele die Rassen, die eurem Spielstil entsprechen (Kampf, Forschung, Handel, Ausbreitung). Helft Neulingen die Funktion der Systemaktivierungen wirklich zu verstehen. Diese ist nicht intuitiv und ein Fehler kann eine ganzen Spielrunde zerstören.
Es war eine gute Entscheidung, die neue Edition zu holen. Anders als bei TI3, wo ich nach jeder Partie mindestens ein paar Monate Pause brauchte, hatte ich bei TI4 sofort Lust auf eine neue Partie. Großer Pluspunkt: das Spiel klappt auch mit vier Spielern wunderbar und kann somit öfters auf dem Tisch landen.

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