Shadowmarch 3

 

 

 

Bald erreichen sie das erste Dunkellicht, ein Gebilde auf einer hochgewölbten Brücke, die aussah wie ein Kessel, aus dem reine Schwärze aufstieg - keine Wolke wie Dampf oder Rauch, sondern dünner und schwerer zu beschreiben, ein Fleck, der sich im Tagesgrau ausbreitete. Er lag über ihnen wie ein Schatten, als sie sich der BRücke näherten und dann drunter durchfuhren. Barrick schauderte. 

 

 

 

 

 

 

Vorgestern habe ich den dritten Teil aus Tad Williams nun doch 4-bändiger Reihe "Shadowmarch" beendet. Ich bin wie immer hellauf begeistert und kann es kaum abwarten, bis der letzte Teil erscheint. Schon im Vorwort schreibt Williams, dass er es diesmal wieder nicht geschafft hat, alles auf 3 Bände zu beschränken und der letzte Teil mal wieder geteilt werden musste. Macht nichts, umso mehr zum lesen!

Nachdem der erste Teil eine Einführung der Charaktere war, und wie bei allen Tad Wiliams Büchern eher ausführlich und detailliert erzählt wird, baute der zweite Teil die Spannung auf und jetzt im dritten Teil haben wir den Konflikt endlich vollständig erklärt und vor die Füße geworfen bekommen. Wie immer scheint nicht nur alles verzweifelt und verloren, sondern noch viel viel schlimmer, als man es sich hätte vorstellen können. 

Die Hauptcharaktere stelle ich nochmal kurz vor:

Die Zwillinge Briony und Barrick (dessen Arm verkrüppelt ist und sein Charakter anscheinend ebenso), deren Vater, König von Südmark, gefangen genommen wurde und die nun ihr Reich gegen die Familie verteidigen müssen. Noch dazu bewegt sich die Schattengrenze, die seit Jahrhunderten Südmark von den nördlichen Zwilelichtlanden trennt, weiter gen Südmark....

Die Qar, eine Art Elbenvolk (aber natürlich übernimmt Williams nicht die typischen elbischen Klischees, sondern schafft etwas eigenes), welches aus irgendwelchen Gründen aus auf die im weltgeschehen eher weniger wichtige Burg von Südmark abgesehen hat.

Sulepsis, Autarch eines großen (ägypten-artigen) Reiches, welcher nicht nur wahnnsinnig ist, sondern jetzt auch noch seinen sowieso schon großen Kontinent aus unbewussten Gründen übernehmen will.

Quinnitan, eine einfache Priesterin, die plötzlich von Sulepsis begehrt wird, wobei auch hier sehr unverständlich ist, wieso er unbedingt sie möchte.

Chert, der Funderling (eine Art Zwergenvolk, aber natürlich auch hier wieder von Tad Williams anders gezeichnet als man es kennt), der einen weißhaarigen Jungen an der Schattengrenze findet.

Feras Vansen, einfacher Hauptmann, der plötzlich mehr in die Geschichte involviert wird, als ihm lieb ist.

Der südmarkische Hofarzt, Chaven, der sich für einen besonderen Spiegel interessiert.

Mein Favorit: der Rabe Skurn, welcher Barrick irgendwann begleitet und ständig blödsinnige Kommentare ablässt, genial :D 

Und viel mehr kann ich nicht sagen, ohne zu spoilern ;)

Teil 3 führt diese Charaktere alle mehr oder weniger in der Geschichte zusammen, ich war teilweise sehr überrascht, wieso nun alle diese Leute miteinander verbunden sind und auch etwas kritisch, ob Tad Williams es wirklich schafft, dass alles plausibel und logisch zu schildern. Und ja, er schafft es.

Nicht nur war ich von der Geschichte begeistert, sondern auch mal wieder von Tad Williams Schreibkünsten. Für mich bleibt er einer der besten Fantasyautoren, die es zur Zeit gibt. Er schafft es, Altbekanntes neu zu erfinden, aber dabei stets authentisch zu bleiben. Ich finde ja, (Mittelalter-)Fantasy muss so sein, dass man sich auch vorstellen kann, dass es früher tatsächlich mal so eine Welt gab. Williams schafft das einfach immer wieder, indem er eine authentische Welt zeichnet, die nicht bloß erfunden wirkt. Hach, ich kann es kaum beschreiben, wieso ich diesen Autor so liebe.


Fazit:

Shadowmarch ist High Fantasy, beinhaltet wie andere Tad Williams Bücher eine typische Coming of Age Geschichte, gepaart mit vielen weiteren Figuren, sodass man immer eine oder mehrere Lieblings- sowieso Hassfiguren hat. Auch Shadowmarch ist keine Zwischendurchlektüre, anfangs muss man sich durchkämpfen, aber ich finde, die lange Beschreibung des Banalen trägt dazu bei, dass der Kontrast dann hinterher, wenn die Katastrophe sich vollständig ausgebreitet hat, umso krasser ist.

Shadowmarch ist ein richtiger Leseschmaus, anhand von Tad Williams wunderbarer Beschreibungen schafft man es wirklich, sich einfach die verschwindenen Gegenden vorzustellen. Für mich ist das immer wieder ein Hochgenuß, wie schön dieser Autor schreiben kann (bzw. auch, wie gut die Bücher übersetzt werden). Da stimmen Geschichten, die Beschreibung der Welt und die Erzähltechnik. Wünschte mir, es würde mehr solche Meister der Fantasy geben :)

Der 4.Teil erscheint auf Deutsch wohl erst im Herbst nächsten Jahres, daher überlege ich, mal ausnahmsweise Tad Williams auf Englisch zu lesen...normalerweise tu ich dies nicht, da es mir zu schwer wäre, da der gute Mann so viele Neologismen und neu erfundene Sprachen benutzt, dass ich nicht wüsste, ob das jetzt ein unbekanntes englisches Wort ist, oder etwas ganz anderes :D Und wie gesagt, die Übersetzungen sind sehr gelungen. Aber die Spannung treibt mich dann doch zum englischen Band...

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