Drift

Autor: Michel Bozikovic (*1971)

: 2011, Deutschland

Gebundene Ausgabe: 319 Seiten

Genre: "Literarischer Krimi"

Höllentrip, Heroin, Heldentod. Schonungslose Erzählung über zwei gebrochene Männer.

Julien ist gerade mal 19 Jahre alt und entscheidet sich in seine Heimat zu flüchten. Gerissen von patriotischen Gefühlen für ein Land, welches er kaum kennt, stiehlt er das Auto seiner Eltern und will damit an die Front fahren, für Kroation in den Krieg ziehen, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und nach dem Heldentod.

(Sofern ich richtig recherchiert habe, spielt die Geschichte irgendwann zwischen 1991-1995 im kroatischen Unabhängigkeitskrieg. Zwar ein nicht allzu vergangener, aber für mich ein doch recht unbekannter Teil der Geschichte Europas. Jedoch nicht von allzu großer Relevanz für die Erzählung.)

Der zweite Erzählstrang berichtet von dem abgebrannten Journalisten Martin. Irgendwie scheint er auch eine Verbindung zu Kroatien zu haben, versucht Juliens Geschichte niederzuschreiben und mit diesem Buch den großen Coup zu landen. Jedoch bleibt er immer in Gedanken versunken, von Drogenkonsum getrieben und verzerrt nach seiner großen Liebe Helena. Martins Geschichte zeichnet sich durch viele Zeitsprünge aus, sodass der Leser die chronologische Reihenfolge erstmal nur in Ansätzen erahnen kann.

Juliens Geschichte ist in einer unpersönlichen "man"-Erzählung geschrieben. Diese Stilentscheidung ist durchaus interessant, da es einerseits Julien aus der Erzählung entrückt, andererseits es aber auch so wirken lässt, als ob Julien diese Geschichte unverfälscht selbst erzählen würde. Was dann wiederrum dazu passt, dass Martin diese Geschichte niederschreiben will und Julien als Interviewpartner vor sich hat.

Leider führt dieser Erzählstil meiner Meinung nach zu einem Problem: es ist ziemlich anstrengend zu lesen. Die Geschichte um Julien wechselt sich zwar immer wieder mit Martins Geschichte ab, aber die "man"-Erzählung verlangt dennoch einiges an Mühe, während der Leser auf der anderen Seite bei Martins Handlung keine chronologische Reihenfolge vorfindet.
Daher empfehle ich vor dem Kauf eine Leseprobe in Angriff zu nehmen.

Die Erzählung um zwei gebrochene Männer ist meistens spannend und sehr lesenswert. Einige Teilstücke waren weniger interessant, aber zum Glück nicht allzu lang. Vielleicht sollte auch noch dazu gesagt sein, dass die Sprache recht derb und die Kriegsbeschreibungen ziemlich explizit sein können. Ebenso wird dem Drogenkonsum hier sehr viel Platz eingeräumt, sowie Todesgedanken offen ausgesprochen. Für schwache Gemüter oder allzu junge Leser ist "Drift" daher sicherlich nicht empfehlenswert.
Diese schonungslose Erzählweise fand ich jedoch besonders gelungen, ebenso hat der Autor es geschafft, dass der Leser Martin und Julien recht schnell nahe kommt und in ihre tiefsten Abgründe blicken kann. Eine sehr gute Charakterstudie!

Ansonsten bleibt "Drift" eine spannende Erzählung, die den "Drift", das Treiben, eines verzweifelten Jugendlichen und ausgebrannten Journalisten gelungen und schockierend zugleich schildert. Trotz einiger stilistischer Mängel vergebe ich vier Sterne.




Ich bedanke mich beim Verlag Klett-Cotta für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar und bei Blogg dein Buch, wo ich als Rezensent für "Drift" ausgewählt wurde. Das Buch lässt sich hier bestellen. Um zur Leseprobe zu gelangen, klickt einfach auf das kleine Icon oder ladet euch hier die PDF runter.

 

 

 

 

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