Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte


Autor: Hermann Stefánsson (*1968)

: 09.2011, Deutschland

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Genre: Sci-Fi-Krimi-Thriller

Gute Grundidee, maue Umsetzung.

Ich bin ein ziemlicher Fan von Geschichten, die von Zeitreisen handeln, daher hat mich hier der Klappentext sofort angesprochen. Abgesehen davon mag ich ebenso Erzählungen, wo der Protagonist kein Erinnerungsvermögen an seine Vergangenheit hat.

Der Schriftsteller Guðjón Ólafsson erwacht im Krankenhaus, ohne Sprache und ohne Erinnerung daran, wie und warum er dorthin gekommen ist. Sein Vater hilft ihm, den Weg zurück in die Wirklichkeit zu finden, doch um welche Wirklichkeit geht es eigentlich? Ganz allmählich gewinnt Guðjón seine Sprache wieder und findet heraus, dass Helena, die ihm sein Vater als seine Lebensgefährtin vorstellt, und er in Island von einem Forscher am europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz einem durch Medikamente unterstützten Experiment unterzogen worden sind, bei dem es um Zeitreisen in die Vergangenheit ging. (Klappentext)

Ich weiß nicht wirklich, wie ich das Buch bewerten soll. Irgendwie scheint es mir, als ob man zwei verschiedene Erzählungen zusammengeklebt hätte, aber der Kleber nicht wirklich hält. Einerseits handelt die Hälfte des Buches von Gudjons Gedächtnisverlust, wo die Erzählung zwar etwas langatmig, aber dennoch gelungen war. Dann folgt eine andere Hälfte, wo es plötzlich um Zeitreisen und Menschenexperimente am CERN geht. Die Begründung für die Verbindung der beiden Erzählungen fand ich mehr als dürftig, aber darüber hätte man noch hinwegsehen können, wenn der zweite Teil nicht ziemlich abstrus gewesen wäre. Jesus, Eva Braun, dazu noch ein Erzbösewicht, der die ganze Vergangenheit sehen will und dafür Menschen zerstört? Dieser "verrückte Wissenschaftler" war mir zu überzogen, zu platt, viel zu sehr einem Erzbösewicht aus einem Comic ähnelnd. Da hätte ich mir doch etwas mehr Tiefe oder alternativ weniger Verrücktheit gewünscht.

Die Idee des Buches gefiel mir, aber die Umsetzung ist ziemlich dürftig, mir scheint das Buch irgendwie unfertig zu sein, wie ein Manuskript, wo man noch einiges dran verbessern könnte. Die Erzählung ist stellenweise zu verwirrend, zu langatmig und es fehlt teilweise die Kohärenz. Besonders die letzten 70 Seiten des Buches sind mir negativ aufgefallen.
Aber die Grundgeschichte bleibt dennoch gut durchdacht, die Auflösung wie es zu Gudjons Gedächtnisverlust kam war gut, aber was danach weiter in der Erzählung folgte weniger.
Sci-Fi-Fans oder Leute, die sich für Philosophie interessieren können hier mal reinschnuppern, aber massentauglich ist das Buch nicht. Teilweise zu albern und platt, dann wiederum zu philosophisch-wissenschaftlich komplex. Daher vergebe ich 2 Sterne mit Tendenz nach oben.




Ich bedanke mich beim Litteraturverlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar und bei Blogg dein Buch, wo ich als Rezensent für "Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte" ausgewählt wurde. Das Buch lässt sich hier bestellen

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